Aktuelle Nachrichten – Deutschland
16.08.2012
Foto: dapd/Harald Tittel
Berlin – Eine geplante proeuropäische Kampagne unter dem Motto "Ich will Europa" mit Prominenten als Botschaftern und Bundespräsident Joachim Gauck als Schirmherr droht zur Posse zu werden. Ex-Außenminister Joschka Fischer sagte seine Teilnahme am Donnerstag kurzerhand wieder ab, wie es in Medienberichten hieß.
Fischer sollte eigentlich zusammen mit Amtsinhaber Guido Westerwelle (FDP) und drei weiteren Ex-Außenministern für die Kampagne fotografiert werden. Neben den Politikern sollen auch Sportler und Unternehmer mitmachen.
Die Kampagne wird durch ein Netzwerk von elf Stiftungen getragen, wie die Sprecherin der Robert-Bosch-Stiftung, Julia Rommel, auf dapd-Anfrage erklärte. Allen voran stehen die Stiftung Mercator und die Robert-Bosch-Stiftung, beide zählen zu den größten Stiftungen in Deutschland.
35 Botschafter werben den Angaben zufolge für Europa, darunter sollten eigentlich auch Westerwelle und seine vier Amtsvorgänger Hans-Dietrich Genscher, Klaus Kinkel (beide FDP), Joschka Fischer (Grüne) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) sein. Weitere Werbeträger in Sachen Europa sind Schauspieler, Sportler und Unternehmer. Die Kampagne startet am Donnerstag kommender Woche mit einer Pressekonferenz in Berlin, wie Mercator-Sprecherin Christine Ehrig sagte. Es seien Prominente, aber auch "ganz normale Bürger" beteiligt.
Die Aktion hat einen handfesten Hintergrund: Verschiedenen Umfragen zufolge machen sich rund 80 Prozent der Deutschen Sorgen, dass die EU-Staaten die Euro- und Schuldenkrise nicht mehr in den Griff bekommen. Auch die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft sind besorgt.
Fischer sagte der "Süddeutschen Zeitung" laut Vorabbericht, er habe "mit allergrößter Verwunderung" Medienberichte gelesen, die zeigten, dass die "ursprünglich begrüßenswerte Initiative von Stiftungen vom Ministerbüro des Auswärtigen Amtes gekapert" worden sei. "Das, was ich heute lese, hat mit dem was ich zugesagt habe, nichts mehr zu tun." Er sei deshalb "draußen aus dieser Initiative". Ursprünglich sei es "um eine Kampagne für Europa gegangen, jetzt soll es eine Kampagne für Guido Westerwelle werden".
Ein Mitarbeiter Fischers sagte der "Bild"-Zeitung, der Ex-Minister werde "nicht an dem Termin teilnehmen". Fischer sei "zu einer völlig anderen Veranstaltung eingeladen" gewesen. "Hier wurde eine wichtige Initiative mit dem guten Namen von Bosch und Mercator gekapert. Für so eine Aktion von 'Guidolein' steht Joschka Fischer nicht zur Verfügung."
Westerwelle will zusammen mit seinen Amtsvorgängern vor das Fotoobjektiv treten, um vor einer durch die Schuldenkrise ausgelösten Abkehr von der EU warnen, wie die "Welt" berichtete. Mit dem ungewöhnlichen Auftritt solle vor wachsendem Euro-Skeptizismus gewarnt und für die EU als einer über Binnenmarkt und Gemeinschaftswährung hinausgehenden Kulturgemeinschaft geworben werden.
Die Aktion ist der Zeitung zufolge Teil des im Februar auf Initiative von Westerwelle im Bundeskabinett verabschiedeten Konzeptes "Europa-Kommunikation 2012". In diesem Strategiepapier sind der Zeitung zufolge Wege beschrieben, wie das durch die Schuldenkrise angekratzte Image Europas mit einer breit angelegten Öffentlichkeitskampagne im In- und Ausland wieder aufpoliert werden kann.
Ein für diese Woche geplanter Auftritt musste laut "Welt" verschoben werden. Nach dem Tod seines Vaters habe Steinmeier alle Termine für die kommenden Tage abgesagt. Die Veranstaltung solle aber auf jeden Fall nachgeholt werden. Der sechste noch lebende deutsche Außenminister, Walter Scheel (FDP), ist aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, bei der parteiübergreifenden Aktion mitzumachen.
dapd
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