Aktivurlaub – Gefährliche Anziehung: Immer mehr „Tornado-Touristen” jagen Stürme – Joan Delaney
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Dem Tornado hinterher Gefährliche Anziehung: Immer mehr „Tornado-Touristen” jagen Stürme

Joan Delaney

13.07.2011

Foto: Ron Gravelle

Foto: Ron Gravelle

Für die Aufregung einen Tornado hautnah zu erleben, geben Urlauber zunehmend sogar ihre Badetücher in Zahlung. Laut einer Studie von Forschern der University of Missouri erfreut sich dieser neue Nischenmarkt der touristischen Sturmjagd wachsender Beliebtheit. „Mithilfe von Filmen wie „Twister" wurde die Sturmjagd zu einem internationalen Phänomen", sagt die Dozentin Carla Barbieri, eine Co-Autorin der Studie.

„Während mehr als die Hälfte der befragten Reisenden in Nordamerika lebt, kamen elf Prozent aus Australien und fast ein Drittel aus Europa, um auf einen Tornado zu treffen." Doch wie aus der Studie hervorgeht, sind diese „Tornado-Touristen" nicht nur auf der Suche nach Gefahr, sondern nach einer einzigartigen und unkonventionellen Gelegenheit, um eine wilde Naturgewalt zu erleben, was auch Sturmjäger Ron Gravelle bezeugen kann. Gravelle ist der Inhaber der Firma Storm Chasing Tours mit Sitz in Kitchener, Ontario und der Einzige, der in Kanada Ausflüge zur berühmten Tornado-Allee in den Vereinigten Staaten organisiert, deren Zentrum in Oklahoma, Kansas und Nebraska liegt.

„Es ist eher eine Art von Adrenalin-Urlaub, so etwas machen Sie nicht immer. Aber ich denke, eine Menge Leute auf der ganzen Welt haben das Ziel einen Tornado zu sehen, nur weil er so selten ist", sagt er.

Auf der Basis seiner langjährigen Forschungstätigkeit im Bereich der Sturmaktivität sowie mithilfe von Computermodell-Grafiken und Wetterkarten erstellt Gravelle seine eigene Prognose. Unter den Geräten, die er beim Aufspüren der Stürme verwendet, sind eine Live-Satelliten-Funkverbindung und ein GPS-Overlay auf dem Radar, das bis auf 100 Meter zoombar ist.

Dennoch können Tornados schwer zu fassen sein, sagt er. „Es gibt so viel Regen und die Stürme sind so groß, dass Sie wirklich keinen sehen werden, wenn Sie nicht genau im richtigen Blickwinkel zu ihm stehen. Sie müssen ziemlich nah dran sein. Es ist so gefährlich, aber auch ein so fantastischer Anblick; wenn Sie einen sehen, werden Sie das nie vergessen."

Der Flirt mit der Gefahr

In den 13 Jahren, in denen er in der Tornado-Allee Stürme jagt, sah Gravelle 250 „atemberaubende" Superzellen-Gewitterstürme und mehr als 98 Tornados. Von den vier Klassifikationen von Gewittern sind Superzellen die kleinsten, können aber am schlimmsten sein. „Jeder als Superzelle identifizierte Sturm ist für die Öffentlichkeit gefährlich und sollte aus Sicherheitsgründen gemieden werden," sagt er. Gravelle erlebte auch vier seltene F5-Tornados mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometer pro Stunde. Es war ein F5-Tornado, der im Jahr 2007 mehrere Häuser in Elie, Manitoba, dem Erdboden gleichmachte. „F5-Tornados sind extrem selten, selbst in der Tornado-Allee. Nur vielleicht einer von tausend Tornados ist ein F5."

Atmosphärische Erscheinungen mit Farbspektakel

Gravelle interessierte sich für extreme Wetterbedingungen, nachdem er im Alter von acht Jahren von einem Gewitter erschreckt wurde. Seitdem hat er eine Affäre mit Stürmen. Wenn er einen Tornado sieht, ist er immer wieder begeistert, sagt er.

„Der Blitz übertrifft alles, was Sie jemals in Ihrem Ort oder in Ihrer Gemeinde gesehen haben, weil die Energie wie Dynamit wirkt. Sie kommt unmittelbar aus dem Golf von Mexiko, wo die kalte Luft aus dem Westen über die Rocky Mountains strömt. Es wirkt, als hätten die Stürme direkt über den Bäumen die Größe des Mount Everest und die Farben sind so fantastisch - der Blitz ist lila, grün und gelb."

Einige der Stürme, die sich östlich der Rocky Mountains bilden, „sehen wie Raumschiffe aus", sagt er. „Er ist von der Größe eines Berges, rotiert aber sehr schnell, manchmal mit 200 Kilometern pro Stunde. Sie kommen nahe heran, sehen ihn dann durch den Dunst und kommen immer näher und näher und näher.

Dann stehen Sie direkt unter ihm, wo er sich dreht und immer schneller und schneller wird. Und die Leute sagen: „Oh mein Gott, das ist wunderschön, ich habe noch nie etwas Ähnliches gesehen."

Ihre Augen werden größer, sie können nur noch schwer atmen und ihr Puls geht hoch. Dann kommt der Hagel - bäng, bäng, bäng. Es ist ein wirklich fantastischer Anblick."

Unterwegs mit dem Lkw

In den USA dauern Sturmjagd-Touren, wobei man auch in einem Lastwagen in Tornado-Beobachtungsbereiche fährt, in der Regel ein bis zwei Wochen und kosten ohne Verpflegung und Hotel zwischen 3.000 und 5.000 US Dollar. Gravelle bietet 7 -, 14 - und 21-Tages-Touren für 2.100 C Dollar pro Woche einschließlich Hotel. Weil er einen Vollzeit-Job hat und die Touren während seines Urlaubs auf der Höhe der Tornado-Saison durchführt, kann er es sich leisten, eine Geld-zurück-Garantie anzubieten. "Ich möchte, dass sie Unwetter oder Tornados erleben und wenn ich nicht liefern kann, was sie sehen wollen, gebe ich ihnen auf der Stelle ihr Geld zurück. Da ich dies in meinem Urlaub mache, werde ich bezahlt, egal ob ich jage oder nicht," sagt er und fügt hinzu, dass er zu 85 Prozent richtig vorhersagt, wann und wo ein Sturm kommen wird. Die Forscher der University of Missouri fanden heraus, dass die meisten Befragten mit ihrem Sturmjagd-Erlebnis zufrieden waren. Ein Drittel erlebte einen Tornado, 50 Prozent entdeckten Trichterwolken und mehr als 95 Prozent berichteten, eine beträchtliche atmosphärische Erscheinung gesehen zu haben. Gravelle meint, Sturm-Jagd könne süchtig machen und der Tornado-Tourismus werde zweifellos weiter wachsen. „Jeder Sturm ist anders, und wenn Sie einen sehen, möchten Sie noch einen sehen, und wenn Sie den sehen, möchten Sie noch einen weiteren sehen."

Originalartikel auf Englisch: More 'Tornado Tourists' Chasing Storms

 

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