Reise – Gehobene Weihnachtsstimmung in Bethlehem – Dalia Nammari
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Touristenboom Gehobene Weihnachtsstimmung in Bethlehem

Dalia Nammari

17.12.2008

 Weihnachten in Bethlehem. (AP Photo/Alvaro Barrientos, File)
Weihnachten in Bethlehem. (AP Photo/Alvaro Barrientos, File)

Bethlehem – Nach acht trüben Jahren hat Bethlehem zur Weihnachtszeit endlich wieder Grund zur Fröhlichkeit. Die Hotels sind ausgebucht, auf dem Krippenplatz wimmelt es von Touristen, und israelische und palästinensische Sicherheitskräfte geben sich Mühe, damit alles glatt geht. 30.000 Besucher erwartet Bürgermeister Victor Batarseh allein an Heiligabend, mehr als die 22.000 im vorigen Jahr, und noch einmal 5.000 zu den orthodoxen Feiertagen im Januar.

Das wirtschaftliche Wohlergehen der Stadt im Westjordanland, der Überlieferung nach Geburtsort Jesu Christi und damit eine der bedeutendsten Stätten des Christentums, ist eng mit dem Stand des Nahostkonflikts verbunden. In den 90er Jahren blühte mit der Hoffnung auf Frieden auch der Tourismus. Doch mit dem Aufstand der Palästinenser und israelischen Militäraktionen Ende 2000 ging es bergab. Jahr für Jahr schreckten Gewalt und Grenzkontrollen Weihnachtsbesucher ab. Seit allmählich wieder Ruhe einkehrt, zieht Bethlehem wieder Pilger und Touristen an.

Hotels ausgebucht

„Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, findet der Unternehmer Mike Kanawati. Er ist so zuversichtlich gestimmt, dass er ein neues Restaurant in der Nähe der Geburtskirche eröffnet. Auch Elias Al-Aradsch hat Großes vor. Sein 200-Zimmer-Hotel ist über die Feiertage voll ausgelastet, und er plant einen Anbau mit weiteren 100 Zimmern aufzumachen. Er habe schon Buchungen bis in den Juli hinein, sagt der Hotelier: „Dieses Jahr läuft das Geschäft großartig.“

Schon 1,3 Millionen Besucher im Westjordanland zählten die palästinensischen Behörden bisher, fast doppelt so viele wie vergangenen Jahr. Insgesamt könnten es 2008 1,6 Millionen Gäste werden. Der Tourismusboom hat nach Angaben von Informationsminister Riad Malki 12.000 neue Arbeitsplätze entstehen lassen.

Aufschwung soll die Menschen halten

Bürgermeister Batarseh hofft, dass die Zeichen des Aufschwungs mehr Bürger veranlassen, in der Stadt zu bleiben. In den letzten Jahren waren immer mehr Einwohner, vor allem christlichen Glaubens, fortgezogen. „Ruhe und wachsende Besucherzahlen werden mehr Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und Familien ermutigen, in der Stadt wohnen zu bleiben“, erwartet Batarseh. Der Bürgermeister ist Christ, wie 40 Prozent der 32.000 Bürger Bethlehems. Anders als in den 50er Jahren, als noch 90 Prozent Christen waren, sind heute die Muslime in der Mehrheit.

Das moderne Bethlehem hat nichts mit dem biblischen Idyll gemein, dass sich der Besucher vorstellen mag. Es ist eine für das Westjordanland typische Stadt, mit Verkehrsgetümmel auf den Straßen und lautstarkem Geschiebe auf den Märkten. Zugleich ist sie zum Vorzeigeprojekt der palästinensischen Sicherheitskräfte geworden, die immer weitere Gebiete des Westjordanlands unter eigene Kontrolle nehmen.

Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen

Rund 1.500 palästinensische Polizisten werden über Weihnachten in der Stadt sein. Sie sollen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln – obgleich der bewaffnete Trupp, der kürzlich im Gleichschritt über den Krippenplatz marschierte, Besucher wohl eher verschreckte. Die Polizisten sollten die Gäste mit Rosen, Süßigkeiten und Weihnachtskarten mit Telefonnummern für den Notfall begrüßen, erklärt der Sicherheitsbeamte Suleiman Emran.

Die israelischen Behörden versichern ihrerseits, mit den palästinensischen Kollegen zusammenzuarbeiten, damit die Reise nach Bethlehem schnell und einfach vonstatten geht. Die Stadt ist auf drei Seiten von Grenzsperren umzingelt, mit denen sich Israel vor militanten Palästinensern schützen will. Eine große graue Mauer trennt sie von Jerusalem im Norden. Wer nach Bethlehem will, muss einen Kontrollpunkt des Militärs mit Stacheldraht und Wachtürmen passieren.

Bei der Besprechung der Weihnachtsvorbereitungen Ende vorigen Monats baten die Palästinenser Emran zufolge die Israelis, Touristen schnell durch die Kontrollstellen zu schleusen und während der Feiertage von Razzien in Bethlehem abzusehen. „Wir fürchten, das würde den Besuchern Angst einjagen“, erklärt Emran.

http://www.bethlehem-city.org (AP)

 

 

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