München – Wer sein Geld „grün“ anlegen will, kann zunehmend in heißes Wasser aus den Tiefen der Erde investieren. Nach Solarstrom und Windenergie ist auch die Erdwärme, die Geothermie, als zusätzliche Form erneuerbarer Energien im Visier der Anleger. Mit dem heißen Wasser aus dem Erdinnern lassen sich Heizwärme und Strom erzeugen. Die junge Energieform gilt als Boombranche mit vielversprechender Zukunft.
Nach ersten erfolgreichen Börsengängen scheint es verlockend, sich Aktien engagierter Geothermie-Spezialisten ins Depot zu legen. Ökologisches Alternativ-Investment: eine Beteiligung an geschlossenen Fonds zum Bau geothermischer Kraftwerke. „Wir raten von dem Nischenmarkt nicht grundsätzlich ab, warnen aber vor den enormen Risiken für Geldanleger“, gibt Lothar Gries, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu bedenken.
„Kluge Leute heizen mit der Erde“, meint der Bundesverband Geothermie in einer Pressemitteilung. Kluge Investoren sollten nicht übereilt Geld in diesen jungen Markt stecken und es womöglich verheizen, mahnen Verbraucher- und Aktionärsschützer zur Besonnenheit. Die Ertragsmöglichkeiten seien selbst für Finanzprofis schwer einzuschätzen.
„Die Idee der Erdwärme klingt spannend, das mutet fast nach einer Lösung unseres Energieproblems an“, sagt Roland Aulitzky von der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Für eine Geldanlage in Geothermie-Projekte oder -Aktientitel sei es aber noch zu früh. Ein finanzielles Engagement sei für den Durchschnittsinvestor hochspekulativ. „Das Risiko ist groß“, findet auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Grundsätzlich unbestritten ist, dass die Erde ein gigantisches Wärmereservoir darstellt. Anders als bei Solar- und Windkraft-Technologie ist ein Energiebezug völlig unabhängig von Tageszeit und Wetter. Um die Ressourcen zu nutzen, wird das heiße Wasser mit Hilfe von Pumpen nach oben gefördert, die Hitze wird auf Heizungssysteme und Warmwasser übertragen und das Wasser wieder nach unten in die Erde geleitet. Schon einen Kilometer unter der Erdoberfläche herrscht eine Temperatur von 40 bis 60 Grad Celsius.
Zur Stromerzeugung muss deutlich tiefer gebohrt werden, in Regionen, wo die Temperaturen höher als 100 Grad sind. Weltweit ist die umweltfreundliche Nutzung von Erdwärme nach Branchenangaben im Aufschwung. In Zeiten knapper Ressourcen sowie steigender Gas- und Ölpreise habe der Sektor glänzende Zukunftsaussichten, auch in Deutschland.
Wer als Privatanleger von möglichen Wachstumssprüngen an den Wertpapiermärkten profitieren will, sollte sich intensiv mit der Materie und den beteiligten Unternehmen beschäftigen, rät Aulitzky. Die Vorstellung, mit Geothermie-Aktien oder -Fonds schnell reich werden zu können, sei in der Regel ein Trugschluss. Auch wenn an der Börse ökologische Themen schon seit längerem der Renner sind, Solaraktien spektakuläre Gewinne hatten und die Kurse in der Windkraftbranche ebenfalls in schwindelerregenden Höhen waren. „Wer kann schon beurteilen, ob der Kurs der Bohrtechnikfirma XY angemessen oder schon völlig überhitzt ist?“, warnt Nauhauser. Börsennotierte US-Firmen seien noch schwieriger einzuschätzen als deutsche.
Auch eine Beteiligung an geschlossenen Geothermie-Fonds, die auf dem deutschen Markt zu haben sind, bergen Risiken. Investoren lassen sich auf Fonds-Laufzeiten von etwa 6 bis 12 Jahren ein. Ein vorzeitiger Ausstieg ist in der Regel nur unter großen Verlusten möglich. Außerdem sei das unternehmerische Risiko immens, warnt Aulitzky. Anleger haften bis zur Höhe ihrer Einlage für Verluste der Firma. Schlimmstenfalls ist das investierte Geld komplett weg.
Schwierig ist zudem, gute von schlecht geführte Fonds zu unterscheiden. Weil Geothermie-Produkte noch neu am Markt sind, kann kein Anbieter bisher aussagekräftige Leistungsbilanzen vorweisen. „Nicht locken lassen von Renditeversprechen von 12 Prozent jährlich“, betont Gries. „Zweistellige Gewinnprognosen kann man kaum Glauben schenken.“
Wer gern „grün“ investieren will, solle sich eine neue Geothermie-Heizung fürs eigene Häuschen anschaffen, so Aulitzkys Tipp. „Das ist die ideale Investmentmöglichkeit.“ (AP)