Medizin – Gendefekt verstellt die innere Uhr – DAPD
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Chronobiologie Gendefekt verstellt die innere Uhr

DAPD

13.02.2008

Sonnenuhr    (knipseline/Pixelio.de)
Sonnenuhr (knipseline/Pixelio)

Berlin – Die biologische Uhr steuert den Tagesrhythmus und damit die Aktivitäten des Menschen. Der innere Taktgeber sitzt in der Hirnregion des Hypothalamus. Er ist direkt mit den Sehnerven verknüpft und wird über das Sonnenlicht gestellt. Aber auch die Gene beeinflussen die innere Uhr, wie eine Studie der Berliner Charite-Klinik zeigt. Demnach spiegelt die Aktivität der sogenannten Uhrgene den Tagesrhythmus der Teilnehmer wider.

In der Vergangenheit haben schon Zwillingsstudien darauf hingewiesen, dass die Erbanlagen den 24-Stunden- oder circadianen Rhythmus beeinflussen. In der Untersuchung entnahmen nun Chronobiologen um Achim Kramer Hautzellen von 28 Patienten, die unter Schlafstörungen litten. Sämtliche Teilnehmer waren entweder Nachteulen oder ausgesprochene Frühaufsteher. Die Immunologen kultivierten die Hautzellen und beobachteten darin in Abhängigkeit von der Tageszeit die Aktivität der sogenannten Uhrgene, also jener Gene, die den Tagesrhythmus beeinflussen. Das Profil dieser Gene verglichen sie dann mit der 24-Stunden-Aktivität der Teilnehmer. Resultat: Sind die Gene aktiv, ist der Mensch es auch. „Allein am Verlauf der Kurven können wir vorhersagen, ob es sich um einen Frühaufsteher oder Langschläfer handelt“, betont Kramer.

Einen Teil der Patienten ordnen die Forscher in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ als extremen Spät- oder Frühtyp ein. Wie die Analyse der Hautzellen zeigte, tragen diese Personen einen Gendefekt, der ihre innere Uhr verstellt. Betroffen von solchen genetischen Veränderungen sind nach Angaben der Charite rund ein Viertel aller Bundesbürger.

„Für die Betroffenen ist es ein Problem“, sagt Kramer, „weil sie ständig gegen ihren biologischen Rhythmus leben müssen.“ Sie sind eigentlich zu einer anderen Phase des Tages aktiv und können sich nur schwer auf die vorgegebenen Zeiten von Schule und Beruf oder an die Gepflogenheiten von Freunden einstellen. Folge der erzwungenen Anpassung sind laut Kramer oft Stress, Schlafstörungen und sogar psychische Erkrankungen. „Mit unserer neuen Untersuchungsmethode ist es jetzt möglich, in kurzer Zeit zu testen, ob das Problem genetisch bedingt ist“, erklärt der Chronobiologe. Helfen könne dann eine individuelle Behandlung, etwa mit Hilfe der Lichttherapie.

(Quelle: „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS), Vol. 105, S. 1602-1607) (AP)

 

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