Bayreuth – Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier übernehmen die Leitung der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele. Die Töchter des zurückgetretenen langjährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner wurden am Montag einstimmig vom Stiftungsrat gewählt. Katharina und Eva setzten sich gegen die Bewerbung ihrer Cousine Nike (63) mit dem belgischen Opernintendanten Gérard Mortier (64) durch, der den Stiftungsrat umgehend kritisierte und von einem undemokratischen Verfahren sprach.
Der Vorsitzende und Sprecher des Stiftungsrates, Toni Schmid, betonte, beide Bewerberduos wären „absolut“ in der Lage gewesen, die Geschicke des weltberühmten Opernspektakels zu leiten. Letztlich habe aber eine Summe aus einzelnen Punkten den Ausschlag gegeben.
„Es war auch ein bisschen eine Altersfrage“, sagte Schmid. So sei es für das Gremium „reizvoll“, nun eine Paarung zu haben, die mit der 30-jährigen Katharina und ihrer 63-jährigen Halbschwester Eva zwei Generationen biete. Die Entscheidung wurde laut Schmid mit 22 der insgesamt 24 Stimmen des Stiftungsrates gefällt. Zwei Vertreter der Wagner-Familie hatten sich enthalten.
Eva und Katharina sollen als Geschäftsführerinnen normale Intendantenverträge erhalten, die im Regelfall eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren vorsehen. „Den Fehler eines lebenslangen Vertrags machen wir ganz sicher nicht mehr“, betonte der Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth und Geschäftsführer des Stiftungsrates, Michael Hohl. Der inzwischen 89-jährige Wolfgang Wagner war noch mit einem solchen Vertrag auf Lebenszeit ausgestattet und hatte seine Position erst zum 31. August, nach 57 Jahren an der Spitze, frei gemacht.
Die genauen Vertragsmodalitäten für das neue Führungsduo wird der zum 1. September neu gegründete Verwaltungsrat der Festspiel GmbH ausgestalten, der sich aus je einem Vertreter von Bund, Land, Stadt Bayreuth und der Gesellschaft der Freunde Bayreuths zusammensetzt. Bisher war Wolfgang Wagner alleiniger Gesellschafter der Festspiel GmbH gewesen, die die Opernfestspiele betreibt. Die neue Gesellschafterversammlung wollte noch am Nachmittag zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen.
Während sich Katharina Wagner nach den Worten von Eva Wagner-Pasquier künftig verstärkt um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Festspiele kümmern werde, sei sie selbst in erster Linie für die Besetzungen und die künstlerischen Belange zuständig. „Letzten Endes machen wir aber alles gemeinsam“, betonte Wagner-Pasquier. Die gemeinsame Aufgabe solle sofort angepackt werden.
„Wir sind sehr glücklich über die Entscheidung des Stiftungsrates“, sagte Wagner-Pasquier. Auch Katharina Wagner betonte, sich „natürlich“ zu freuen. Sie sei aufgrund der eben erst zu Ende gegangenen Festspiele allerdings etwas erschöpft.
Der musikalische Berater des Festspiele und Hausdirigent Christian Thielemann zeigte sich sehr zufrieden mit der Entscheidung. Sie sei zukunftsweisend und eine Richtungsentscheidung, sagte er dem Südwestrundfunk. Er wünsche sich, „dass wir künftig zu dritt so gut harmonieren wie bisher“. Auch die bayerische Regierung sprach von einer wichtigen Weichenstellung.
Kritik kam dagegen vom gescheiterten Bewerber Mortier. Die Entscheidung des Stiftungsrates sei in Wirklichkeit schon vor langer Zeit gefallen, ließ Mortier über einen Sprecher mitteilen. Er habe lediglich 15 Minuten erhalten, um sein Konzept zu präsentieren. Daraufhin sei ihm gesagt worden, dass das Konzept sehr interessant sei. Man habe sich aber entschieden, an der Wagner-Familie festzuhalten. (AP)
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