Vom Jäger Hailibu, der die Sprache der Tiere verstand

Epoch Times31. October 2006 Aktualisiert: 13. März 2018 11:58
Eine Geschichte aus der Mongolei

In der mongolischen Steppenlandschaft lebte einst ein Jäger namens Hailibu, der in seinem Dorf sehr beliebt war. Nach jeder Jagd teilte er seine Beute mit den anderen Dorfbewohnern und behielt nur eine kleine Portion für sich. Seine Fürsorge für andere brachte ihm im Dorf großen Respekt ein.

Eines Tages, als er im Wald wieder auf die Jagd ging, hörte Hailibu Hilferufe aus der Luft. Als er hinauf blickte, sah er eine kleine Kreatur, die von einem gefräßigen Geier geschnappt worden war. Schnell richtete er seinen Pfeil auf das Raubtier. Vom Pfeil getroffen, ließ der Geier schließlich von seiner Beute ab, sodass sie dem Jäger vor die Füße fiel.

Hailibu schaute auf die fremdartige Kreatur, die einen schlangenähnlichen Körper besaß, und sagte: „Armes kleines Ding, flieg schnell nach Hause.“ Die Kreatur antwortete: „Ehrwürdiger Jäger, Du hast mein Leben gerettet, dafür bin ich dir zutiefst dankbar. Ich bin die Tochter des Drachenkönigs und mein Vater wird dir sicherlich mit einer großen Belohnung danken. Er besitzt viele Schätze, aus denen du wählen kannst. Wenn dir keiner von diesen Schätzen gefällt, kannst du ihn um den Edelstein bitten, den er in seinem Mund aufbewahrt. Jeder, der diesen Edelstein im Mund trägt, wird die Sprache von allen Tieren verstehen können.“

Jäger Hailibu hatte kein Interesse an Schätzen, doch die Sprache jedes Tieres zu verstehen, das gefiel ihm sehr. Er fragte die Tochter des Drachenkönigs: „Gibt es wirklich so einen Edelstein?“ Sie antwortete: „Ja. eine Bedingung ist daran geknüpft; egal, was du von den Tieren erfahren wirst, du musst es für dich behalten. Wenn du es anderen weiter erzählst, wirst du in einen Stein verwandelt werden.“

Die junge Drachenprinzessin brachte Hailibu zum Ozean. Das Wasser teilte sich, so dass Hailibu wie auf einer breiten Allee hindurch gehen konnte. Bald erhob sich ein prächtiger Palast vor ihm, in dem wohnte der Drachenkönig.

Der Drachenkönig freute sich, von der Rettung seiner Tochter durch Hailibu zu hören und bot ihm alle Schätze in seinem Palast an. Nach einem Augenblick der Stille antwortete Hailibu: „Wenn Ihr mir ein Geschenk geben wollt, darf ich nach dem Edelstein fragen, der sich in Eurem Mund befindet?“ Der Drachenkönig senkte den Kopf und dachte einen Augenblick lang nach. Dann nahm er den Stein aus seinem Mund und machte ihn Hailibu zum Geschenk.

Als Hailibu sich zum Aufbruch vorbereitete, erinnerte ihn die Tochter des Drachens noch einmal an die Bedingung: „Ehrwürdiger Jäger, bitte denke immer daran, niemandem von dem zu erzählen, was du von den Tiere hören wirst. Ansonsten wirst du sofort in einen Stein verwandelt werden.“

Mit dem Edelstein im Mund hatte Hailibu noch mehr Freude beim Jagen im Wald. Er konnte die Sprache aller Tiere verstehen und wusste, welche Tiere in welchem Teil des Berges zu jagen waren. Seine Jagdbeute vermehrte sich sogar, so dass er den Dorfbewohnern noch mehr abgeben konnte.

Mehrere Jahre vergingen. Eines Tages stieg er auf einen Berg. Er hörte, wie eine Schar von Vögeln auf dem Berg über eine wichtige Angelegenheit diskutierten, und hörte sehr aufmerksam zu. Ein Vogel sagte: „Wir müssen so schnell wie möglich hier wegfliegen. Heute nacht wird der Berg einstürzen und eine große Flut wird über das ganze Land kommen. Viele Menschen werden sterben.“

Hailibu erschrak sehr, als er das hörte. Er rannte schnell in sein Dorf zurück und gab diese Worte an die Dorfbewohner weiter: „Wir müssen so schnell wie möglich diesen Ort verlassen; wir können nicht mehr hier bleiben!“

Alle waren überrascht. „Wir leben schon immer hier, warum sollen wir von hier fort gehen?“ Hailibu wiederholte immer wieder diese Worte, doch niemand wollte auf ihn hören. Unter Tränen bat er: „Bitte glaubt mir – ich schwöre euch, ich sage die Wahrheit. Glaubt mir, wir müssen schnell fort von hier; ansonsten wird es zu spät sein.“

Einer der Ältesten im Dorf versuchte Hailibu zu beruhigen: „Du bist ein guter Mann und du hast immer die Wahrheit gesagt. Wir leben hier schon seit Generationen und nun forderst du von uns, von hier wegzuziehen. Du musst uns schon den Grund nennen; es ist nicht so einfach für uns, von hier weg zu ziehen.“

Hailibu sah keinen anderen Ausweg mehr, um die Dorfbewohner zu retten. Er wurde sehr ruhig und sagte schließlich zu den Dorfbewohnern: „Heute Nacht wird der Berg einstürzen und eine große Flut wird über das Land kommen. Seht, die Vögel sind bereits weggeflogen.“ Dann erinnerte er sich an den Tag, wie er den Edelstein erhielt und dass er alle Tiere und Vögel verstehen würde; und dass er versprach, das Gehörte für sich behalten, weil er sonst in einen Stein verwandelt werden würde.

Nun hatte er von den Vögeln gehört, dass es besser wäre, den Ort zu verlassen, um einer bevorstehenden Katastrophe zu entgehen. Als ihm das wieder eingefallen war, verwandelte er sich allmählich vom Kopf bis zu den Füßen in einen Stein. Zuletzt war er ganz zu einem Stein geworden.

Die Dorfbewohner waren darüber tief erschrocken und weinten. Sie weinten um Hailibu und wünschten sich, sie hätten früher auf ihn gehört.

Mit dem Nötigsten beladen und ihr Vieh vorantreibend, machten sich die Dorfbewohner nun doch mit den Älteren und den Kindern auf einen weiten Weg aus dem Land hinaus. Sogar in der Nacht legten sie keine Rast ein. Plötzlich bedeckten dicke Wolken den Himmel und der Wind fing an zu heulen. Es regnete so in Strömen wie nie zuvor. Aus der Richtung des Dorfes, das sie gerade verlassen hatten, hörten sie das donnernde Geräusch des einstürzenden Berges.

Inzwischen sind viele Generationen vergangen. Es heißt, dass sich die Nachkommen in diesem Dorf immer noch an den gutherzigen Hailibu erinnern und diesen Stein suchen in der Hoffnung, den Jäger vielleicht erlösen zu können.
Quelle: http://www.minghui.de/

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