Daphne Sheldrick – Die Pflegemutter der Elefanten

Wenn Daphne Sheldrick über ihre Babys spricht, klingt sie wie jede andere Mutter. Sie kümmert sich um sie, wenn sie ihre ersten Zähne bekommen und sorgt dafür, dass sie die richtige Babymilch bekommen. Nur spricht Daphne über eine ganz besondere Art von Babys: Elefantenbabys.

Die 79-jährige Großmutter war die erste Person, die in den siebziger Jahren einen neugeborenen afrikanischen Elefanten aufgezogen hat. Seit mehr als einem halben Jahrhundert kümmert sie sich nun schon um verwaiste Elefantenbabys.

Bisher hat sie mehr als 190 von ihnen aufgezogen. Die meisten haben ihre Eltern durch Wilderei verloren. Doch heute hat sie mehr Elefanten in ihrer Obhut als je zuvor.

Viele der Babys ereilt dasselbe traurige Schicksal

Zongoloni ist 21 Monate alt und befindet sich in der Tier-Pflegestation im Nairobi Nationalpark in Kenia mit 29 weiteren Elefantenwaisen. Das Alter der anderen Pflegekinder variiert zwischen wenigen Monaten und drei Jahren.

Zongoloni selbst wurde im Alter von 18 Monaten gefunden, während sie ihre sterbende Mutter bewachte. Diese wurde Wochen zuvor von einem Wilderer angeschossen. Das Elefantenbaby hatte überlebt, weil sie den Urin ihrer Mutter getrunken hat.

Und dann ist da noch Quanza. Das zweijährige Elefantenkalb wurde, wie auch Zongoloni, an der Seite ihrer getöteten Mutter und ihrer beiden Schwestern gefunden. Auch ihre Familie wurde von Wilderern erschossen.

Sie war so ängstlich gewesen, dass es vier Monate gedauert hatte, bis sie mit ihrer „Menschenfamilie“ in ihrem neuen Zuhause vertraut war. Jetzt hat sie es sich direkt neben einem Wärter gemütlich gemacht.

Die Rettung eines verwaisten Elefanten ist nicht einfach

Bis zum Alter von drei Jahren ist ein Elefantenbaby völlig auf Milch angewiesen. Allerdings können sie keine gewöhnliche Kuhmilch vertragen.

Es hat Daphne fast drei Jahrzehnte gekostet, um die perfekte Rezeptur für ihre hausgemachte Milch zu finden. Ihre Basis ist Frühgeborenenmilch, die aus Übersee importiert wird.

Die meisten Waisenkinder kommen traumatisiert und in schlechter körperlicher Verfassung zu ihr. Ihre Organisation chartert Flugzeuge, um alle Waisen rund um Kenia zu ihr nach Hause zu bringen. Die monatlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf $900 (ca. 760 Euro) – pro Elefant. „Jedes einzelne gefundene Waisenkind ist wie eine Nadel im Heuhaufen. Es gibt so viele doc sie zu finden ist Glückssache”

“Was wir hier sehen, ist nur ein Bruchteil der Elefantenbabys, die durch Wilderei verloren gegangen sind. Sie sterben wie Fliegen“, sagte Daphne zu The Standard.

Für jedes Elefantenbaby ist eine besondere Zuwendung nötig

„Elefanten ähneln emotional dem Menschen, also muss man in menschlichen Begriffen denken. Wie fühlt sich ein Kind, wenn es seine ganze Familie verloren hat und plötzlich in den Händen des Feindes ist?“ Und doch versichert sie, dass mit „Zärtlichkeit“ das Leben der Babys eine Wende nehmen kann.

Jedes Tier hat seinen eigenen Stall oder eine Palisade. Außerdem schlafen die Tierpfleger bei den Elefantenbabys, die noch kein Jahr alt sind.

Über 25 Jahre lang lebte und arbeitete die in Kenia geborene Daphne Sheldrick mit ihrem Mann David zusammen. Während dieser Zeit zogen sie viele wilde Tierarten auf  und rehabilitierten sie.

Mittlerweile hat sie ihr Einsatz zu einer international anerkannten Expertin in der Aufzucht von Wildtieren gemacht. Sie ist die erste Person, die die Milchrezeptur und die Zucht von milchabhängigen Elefanten und Nashörnern perfektioniert hat.

Seit dem Tod ihres Mannes lebt und arbeitet Daphne mit ihrer Familie im Nairobi National Park. Dort haben sie den David Sheldrick Wildlife Treuhand und sein bahnbrechendes Waisenprojekt zu einer globalen Kraft für den Naturschutz gemacht.

Vollzeitbetreuung für den Artenerhalt

Die Elefanten werden alle drei Stunden mit der Flasche gefüttert. Die Wächter wechseln sich ab, damit sich die Waisenkinder nicht zu sehr an sie gewöhnen. Sie kümmern sich um die Elefantenbabys rund um die Uhr.

Sie schützen sie mit Decken, wenn ihnen kalt wird. Sie schützen sie vor dem Regen, damit sie nicht nass werden. Und sie tragen ihnen sogar während der ersten beiden Lebensmonate Sonnencreme auf, um sie vor der brennenden Sonne zu schützen.

Sobald sie können, werden die Waisenkinder in eines der Umsiedelungszentren im Tsavo Nationalpark von Daphne gebracht. Derzeit gibt es dort 41 Elefanten und im Moment hat sie mehr als 70 Waisenkinder, die von ihr abhängig sind.

Starke Frauen im Dienste des Artenschutzes

Sie hat einen langen Weg seit der Zucht ihres ersten Waisenkindes in ihrem Schlafzimmer hinter sich gelegt. Daphne gründete 1977 den David Sheldrick Wildlife Treuhand. Sie gedachte damit ihrem verstorbenen Ehemann und dem ersten Aufseher des Tsavo East National Park.

Daphne und ihre Tochter Angela, die Geschäftsführerin, führen nicht nur das Waisenhaus. Der Wildlife Trust betreibt unter anderem ein Rhino-Waisenprojekt, acht Anti-Wilderei-Einheiten, zwei mobile Veterinär-Einheiten, Habitat-Schutzprojekte und Outreach-Arbeiten.

Aber es ist das Waisenhaus, das auf die Notlage der afrikanischen Elefanten aufmerksam macht. Die Babys haben schon Schauspielerinnen wie Keira Knightley, Natalie Portman und Kristin Davis (jetzt Schirmherrin des Treuhands) in den afrikanischen Busch gelockt.

Hoffnung und Willen zahlen sich immer aus

Das Programm wird im Rahmen des Förderprogramms finanziert und Tausende von Menschen haben sich angemeldet. Ziel ist es aber immer, die Elefanten in ihren natürlichen Lebensraum zu entlassen. Mehr als ein Dutzend Waisenkinder haben inzwischen Babys in freier Wildbahn bekommen, erzählt Angela mit Stolz.

“Wir haben in diesem Jahr 53 Rettungsaktionen durchgeführt, und einige Babys haben die schlimmsten Wunden davongetragen. Man könnte trübselig werden und die Hoffnung verlieren, aber das tun wir nie. Das ist ein Kampf, den es zu kämpfen und zu gewinnen gilt.“

Der Kampf, auf den sie sich bezieht, ist die Wilderei-Epidemie. Nach Angaben der International Union for Conservation of Nature hatte die Wilderei im Jahre 2011 ihren Höchstpunkt seit 16 Jahren erreicht. Dabei wurden fast 12 Prozent aller in Afrika lebenden Elefanten getötet.

In ihren Memoiren “An African Love Story”, welche letztes Jahr von Penguin veröffentlicht wurden, schreibt Daphne, dass die Wilderei in einem „beispiellosen“ Tempo ansteigt.

China könnte dem Leiden ein Ende bereiten

„Es gibt nur eine Lösung für die Wilderei und diese liegt in China. Die Welt muss China dazu bringen, alle Verkäufe von Elfenbein zu verbieten“, sagte sie. “Diese Tiere sollen 70 Jahre alt werden. Sie zu töten ist ein schreckliches Verbrechen.”

Space for Giants, der Nutznießer der Independent’s Christmas Campaign, bildet Anti-Wilderei-Einheiten aus, um die neu aufkeimende, organisierte kriminelle Bedrohung durch Wilderer zu bekämpfen. Das gesammelte Geld wird verwendet, um eine Zufluchtsstätte zu schaffen, in der Elefanten für immer sicher sind.

„Für Elefanten gilt ‚Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück‘. Wenn sie gut behandelt werden, antworten sie mit Liebe. Wenn man grausam zu ihnen ist, dann reagieren sie mit Aggression. Sie reagieren besonders empfindlich auf Berührungen und können sogar die Berührung einer Feder spüren“, sagt Daphne.

„Korruption muss aufhören, sie ist in Afrika allgegenwärtig, und der weltweite Elfenbeinhandel muss verboten werden. Elefanten verdienen es, liebevoll behandelt zu werden.” – Daphne Sheldrick.

Mit ihrem unerschütterlichen Einsatz ist sie ein großes Vorbild

Für ihre Arbeit auf diesem Gebiet wurde Daphne Sheldrick 1989 von der britischen Queen mit dem M.B.E. (Most Excellent Order of the British Empire) ausgezeichnet. Zudem wurde sie 1992 mit dem Global Award 500 der U.N.E.P. (Umweltpreis der Vereinten Nationen) ausgezeichnet und erhielt im Juni 2000 den Ehrendoktor für Veterinärmedizin und Chirurgie der Glasgow University.

Im Dezember 2001 wurde ihre Arbeit von der kenianischen Regierung weiter geehrt, die Daphne mit einem M.B.S. (Moran of the Burning Spear) auszeichnete. 2002 folgte die Auszeichnung mit dem renommierten Lifetime Achievement Award von B.B.C.

In der November-Ausgabe 2005 des Smithsonian Magazine wurde Daphne als eine von 35 Personen weltweit genannt, die in Bezug auf Tierhaltung und Naturschutz einen Unterschied gemacht haben.

In der Neujahrs-Ehrenliste 2006 ernannte Königin Elizabeth II. Dr. Daphne Sheldrick zu „Dame Commander of the Most Excellent Order of the British Empire“. Es ist das erste Rittertum, das in Kenia seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1963 verliehen wurde.

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