Burkina Faso: Bauern lehnen sich gegen den Giganten Monsanto auf – und fahren seitdem Rekordernten ein!

Mit fast 4% des Bruttoinlandsprodukts ist die Baumwollproduktion einer der großen Wirtschaftsfaktoren von Burkina Fasos Wirtschaft und eine der Haupteinnahmequellen nach dem Edelmetallabbau. Etwa 4 Millionen Menschen oder 30% der Bevölkerung hängen direkt oder indirekt von der Baumwollindustrie ab.

Im Jahr 2009 führte Monsanto die transgene Baumwolle Bollgard II ein. Diese genmanipulierten Baumwollsamen sollten angeblich den Bauern helfen, Schädlinge zu bekämpfen, die immer ihre Farmen verwüsteten.

Dies versprach eine deutliche Erhöhung der Produktion und gleichzeitig eine Senkung der Erhaltungskosten für Farmen und Ernte. Außergewöhnliche Versprechen, an die die Bauern und Erntehelfer zu dieser Zeit offensichtlich glaubten. Doch die Baumwollproduzenten in Burkina Faso wurden schnell desillusioniert.

Tatsächlich fuhren sie viel niedrigere Erträge ein als erwartet, und die schlechte Qualität der geernteten Baumwollfaser führte zu einem drastischen Preisverfall. Die Landwirte konnten das GVO-Saatgut nicht mehr bezahlen.

Diese Abhängigkeit von Monsanto löste schwere Krisen aus, so mancher Bauer konnte seine Familie nicht mehr ernähren. Enttäuschte Hoffnungen und unerfüllte Versprechungen waren alles, was bei dem Einsatz des Monsanto-Saatguts herauskam. Im Jahr 2016 weigerten sie sich, den Vertrag, der sie an das multinationale Unternehmen gebunden hatte, zu erneuern.

Der Kampf David gegen Goliath hatte begonnen

So mancher Farmer war schon früher aus dem Vertrag ausgestiegen und wusste sehr genau, was für fatale Folgen diese genmanipulierte Baumwolle mit sich brachte. Nikiembio Coulibaly, Besitzer einer 17 Hektar großen Baumwollfarm in der Nähe der Stadt Houndé, hatte erst gar nicht so lange gewartet, bis er wieder zur herkömmliche Baumwolle zurückkehrte. Dieser Farmer übernahm die Führung in dieser Initiative und gab die Transgenen Samen von Monsanto bereits 2012 auf.

Im Januar sagte er der Zeitung La Croix:

Die Samen von Monsanto waren sehr teuer: 27.000 CFA-Francs (41 €) für einen Hektar, gegenüber 1.000 CFA-Francs (1,50 €) für den konventionellen Baumwollsamen. Uns wurde gesagt, dass wir weniger Arbeit mit gentechnisch veränderter Baumwolle (CGM) hätten. Aber nach zwei Jahren mussten wir feststellen, das der Arbeitsaufwand mindestens so groß war wie zuvor, und die Qualität der Baumwolle war schlechter. Wir haben Zeit und Geld mit der CGM verschwendet. Dabei wurde uns eine reichhaltigere Ernte versprochen, bis zu angeblichen 30% mehr pro Hektar und somit 60% mehr Gewinn“.

Dem war aber nicht so. Im Gegenteil.

Die triumphale Rückkehr der konventionellen Baumwolle!

Burkina Faso verzichtete auf Monsanto und die Ergebnisse sind bereits da: 683.000 Tonnen Baumwolle wurden in der Saison 2016/2017 geerntet, im Vergleich zu 581.000 Tonnen im Vorjahr. Burkina Faso hofft nun, seine Erträge noch weiter zu erhöhen und plant, 820.000 Tonnen Baumwolle in der Saison 2017/2018 zu ernten.

Association Interprofessionelle du Cotton au Burkina

Unter der Schirmherrschaft der „Association Interprofessionelle du Cotton au Burkina“ (AICB), der die drei wichtigsten produzierenden Unternehmen und die nationale Vereinigung der Produzenten angehören, wurde Monsanto auf eine Entschädigungssumme von über 73 Millionen Euro verklagt. In der Zwischenzeit hat das AICB ebenfalls beschlossen, etwa 23 Millionen Euro, die Monsanto an Lizenzgebühren zugestanden hätten, an die Produzenten zurückzuzahlen. Nur so konnten einige Bauern überhaupt wieder in das Baumwollgeschäft einsteigen und auch davon leben.

Es wurde schließlich eine Vereinbarung zwischen den Parteien gefunden, die es ermöglichte, die Akte „Monsanto“ zu schließen. Etwa 80% der Baumwollproduzenten in Burkina leben vom Export ins Ausland: „Wir kamen mit Monsanto zu einer Einigung über die Tantiemenaufteilung. Wir denken, dass ein schlechter Deal besser ist als ein schlechter Prozess. Wir haben die Monsanto-Akte geschlossen. Es gibt keine Entschädigungsanträge mehr“, so die Stimme eines der verantwortlichen im Kampf gegen Monsanto. Ein vernichtender Rückschlag für Monsanto.

Das burkinische Abenteuer ist ein eklatanter Misserfolg für den multinationalen Konzern, der das Land zu einem Schaufenster machen wollte, um Marktanteile in ganz Afrika zu gewinnen. Monsanto gibt den Baumwollfarmern die Schuld, da sie das Saatgut nicht „richtig“ eingesetzt hätten. Monsanto übersieht dabei allerdings, dass die afrikanischen Produzenten schon lange für ihre qualitativ hochwertigen Fasern bekannt sind, anders als die amerikanischen und asiatischen Produzenten.

Mit dem genmanipulierten Saatgut war die Qualität nicht mehr aufrecht zu erhalten und die relative Ausbeute bei der Ernte war ebenfalls geringer. Fakt ist, 2015 waren in Afrika nur noch 2% der Farmen angesiedelt die mit genmanipuliertem Saatgut arbeiten. Die meisten (fast 85%) der mit GVO kultivierten Gebiete befinden sich auf dem amerikanischen Kontinent (USA, Kanada, Brasilien und Argentinien).

Burkina Faso ist froh, den Anbau von GVO-freier Baumwolle fortsetzen zu können.

Und wir Verbraucher können froh sein, wenn wir keine genmanipulierten Stoffe auf der Haut tragen müssen.

Übersetzt und bearbeitet von Jacqueline Roussety

Quelle: Burkina Faso : ils se débarrassent des OGM de Monsanto et font une récolte record

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