Fiji – Eine Reise an die Datumsgrenze

Es war wie der Kampf um Bronze, Silber und Gold: Gleich drei Länder beanspruchten für sich den Ruhm und die Ehre, das neue Jahrtausend als erstes begrüßen zu dürfen ...

Allen voran das „Land der aufgehenden Sonne“, das sich nicht vorstellen konnte, dass ihm irgendjemand den begehrten Titel streitig machen könnte. Dicht gefolgt von Australien, dem irgendwo an der Ostküste ein Inselchen einfiel, das im Datums-Wettkampf den Titel für den südlichen Kontinent hätte holen können.

Die Sache stand kurz davor, im Zweikampf entschieden zu werden. „Ich bin schon da!“ rief jedoch wie beim Wettlauf von Hase und Igel ein dritter Konkurrent: die kleine Südsee-Inselgruppe Fiji, die auf der Weltkarte aussieht wie ein auf die Datumsgrenze geworfenes Hufeisen …

Und da Hufeisen bekanntlich Glück bringen, wurde nach langem Gezerre der internationalen Preisrichter der Titel tatsächlich an den kleinen Inselstaat im Südpazifik vergeben. „Die Letzten werden die Ersten sein!“ Der alte Grundsatz hatte sich wieder einmal als richtig erwiesen.


Offiziel gibt es auf Fiji nur eine Zeitzone, doch … Foto: Screenshot | Google Maps


… der 180. Längengrad – und damit die Datumsgrenze – verläuft genau durch Taveuni. Foto: Screenshot | Google Maps

Das gesamte Inselvolk war begeistert! Nie zuvor in seiner einsamen Geschichte hatte es dermaßen im Interesse der Weltöffentlichkeit gestanden und dazu noch als die Nummer eins! Nicht viel hätte gefehlt, und der aus den Fluten des Pazifik aufsteigenden Sonnenscheibe wäre möglicherweise – wie bereits vor Jahrtausenden im alten Ägypten – ein besonderer Verehrungsstatus zuerkannt worden.

„Reisen nach Fiji?“ Schnell entdeckten die Globetrotter der Nordhalbkugel, dass Fiji auf dem 180. südlichen Längengrad zu den europäischen Antipoden gehört! Man muss also erst um die halbe Welt reisen, um zu diesem Ziel zu gelangen.

Was liegt da näher als der Umweg über Australien oder Neuseeland, zwei überaus reizvolle Reiseziele, und danach ein Abstecher nach Fiji. Dieses Konzept erscheint in der Tat vernünftig und nachvollziehbar.


Foto: pixabay.com | clf5102555

Gedacht, getan! Und schon einige Zeit später finden viele Weltenbummler sich wieder im Flugzeug von Auckland/Neuseeland nach Nadi/Fiji. Die Neugier und auch die Erwartungen sind groß, als die Maschine nach einem Flug parallel zur australischen Ostküste auf der westlichsten der Fiji-Inseln mit dem Namen Viti Levu zur Landung ansetzt.

Der Hotelbus von „The Fiji Mocambo“ steht schon bereit und schaukelt durch tropische Vegetation zur Rezeption. Ein weit ausladender Blütenbaum am hauseigenen Swimming Pool lädt ein zur Entspannung.

Doch nicht lange. Denn das Hotel hat eine Sunset Cruise mit einem Segelschiff im Angebot, ausgehend von genau der Stelle, an der vor gut zweihundert Jahren die ersten Siedler an Land gingen. Statt des Sonnenaufgangs steht nun der Sonnenuntergang im Mittelpunkt des Interesses.


Foto: pixabay.com | cerqueiraricardo

Und auch der kann sich wahrlich sehen lassen: goldener Horizont, dunkle Silhouetten von Masten und Takelage und natürlich der temperamentvollen Südsee-Musiker, die hier mit Gitarre und Schlagzeug nicht fehlen dürfen. Ein Südsee-Traum? Zumindest schon einmal ein guter Anfang!

Offensichtlich hat sich der Schöpfer damals bei der Entstehung dieser Inselgruppe viel Mühe gegeben. Die sympathischen Menschen jedenfalls danken es ihm mit einer tiefen Frömmigkeit, die sie auch im täglichen Leben unter Beweis stellen.

Zum Beispiel am nächsten Sonntagmorgen und dazu noch in aller Herrgottsfrühe. Doch keine Spur von Müdigkeit ist zu entdecken beim Fünf-Uhr-Gottesdienst in der Methodistenkirche des nahe gelegenen Ortes Namaka.

Unglaublich aber wahr: Bereits zu dieser frühen Stunde, noch vor Sonnenaufgang, sitzen Hunderte von Gläubigen nicht in sondern im Freien vor der Kirche, nur geschützt vor den erwarteten Sonnenstrahlen durch Bahnen von Schilfmatten über ihren Köpfen.

Eine Gruppe schauspielerisch talentierter Gemeindemitglieder führt biblische Geschichten auf eindrucksvolle Weise szenisch vor. Die anschließende Predigt des Pastors gipfelt in dem einem zentralen Punkt: „The bottom line is love!“ Das herzliche Miteinander der Menschen beim anschließenden Gemeindefrühstück verrät, dass diese Botschaft angekommen ist.


Foto: pixabay.com | cultur668

Doch das Hauptziel der Reise ist noch nicht erreicht. Daher ist schon am selben Nachmittag Aufbruch angesagt. Eine kleine Twin Otter-Propellermaschine fliegt hinüber zur zweiten großen Insel Vanua Levu mit kurzem Zwischenstopp in der Fiji-Hauptstadt Savusavu.

Den Piloten scheint der Flug selber Spaß zu machen, denn sie drehen nach dem Start gleich zwei Schleifen über den wunderschönen Korallen-Formationen an der Südküste der Insel und bringen die Handvoll Passagiere schließlich hinüber zur Insel Taveuni, dem Ziel für die nächsten Tage.

Das malerisch gelegene Garden Resort Hotel ist nur zwei Kilometer entfernt von der Datumsgrenze, die von hier aus in südlicher Richtung die Insel durchquert. Natürlich ist das am Strand aufgestellte und liebevoll bemalte Hinweisschild das erste Objekt der Neugierde.

Wer sich hier mit beiden Beinen über die auf dem Boden eingezeichnete Linie stellt, steht mit dem einen Fuß in dem von hier aus angebrochenen heutigen Sonntag und mit dem anderen Fuß in dem noch auslaufenden Samstag. Und auf genau der Seite liegt das Resort Hotel, rein theoretisch also noch im Gestern. Schwer nachzuvollziehen, aber dennoch wahr!


Foto: pixabay.com | mhardy62

Das pazifische Tauchabenteuer am nächsten Morgen erfordert erneut die gesamte Vorstellungskraft. Die „Rainbow Reefdivers“, deren Tauchbasis dem Hotel angegliedert ist, fahren hinaus zum „Cabbage Patch“, einer Korallenformation, die aussieht wie ein großes Kohlkopffeld mit riesigen grünen Blättern.

Dort ist es bereits Montag, während an der Tauchbasis immer noch Sonntag gefeiert wird, wie bei der Rückkehr leicht festzustellen ist – und dies alles ohne Zeitmaschine. Verständlicherweise hat die Fiji-Regierung die Zeiten vereinheitlicht und leistet sich aus praktischen Gründen für die kleine Inselgruppe keine zwei Zeitzonen.


Foto: pixabay.com | chunger

Der geplante Nachmittagsausflug zu den malerischen Wasserfällen der Insel wird eher zu einer Studie über die Zeit-Mentalität der Inselbewohner. Denn die ist trotz des Datumsthemas auf der Insel nicht besonders stark ausgeprägt.

Offizielle Bus-Abfahrtzeiten gibt es nicht, und der Bus kommt erst, wenn der Busfahrer es für angemessen hält. Da heißt es, ruhig zu bleiben. Doch die Menschen an der Bushaltestelle bilden so etwas wie eine Solidargemeinschaft, und vertreiben sich mit Gesprächen die Zeit.

Dann doch lieber den Luxus eines Taxis, das für den ganzen Tag – es ist der letzte des Insel-Aufenthalts – zur Verfügung steht!


Foto: pixabay.com | tpsdave

Zunächst führt der Weg zu einer von frischem Quellwasser in den Felsen hinein gewaschenen natürlichen Wasserrutsche. Sie gleicht einem schrägen Wasserfall, an dem die Kinder beim hinab Gleiten ihren Spaß haben.

Da die Insel Taveuni in ihrem Zentrum gebirgig ist, gibt es nur zwei Fahrtrichtungen: entweder rechts oder links herum. Aber auch bei dieser Inselrundfahrt gibt es genug zu sehen.

Zum Beispiel in Wairiki die katholische Missionskirche, der Mittelpunkt hiesiger Frömmigkeit. Oder die Maravu Plantation, ein landwirtschaftliches Zentrum mit tropischer Vegetation.

Dazwischen eine Ruhepause in Karen’s Garden, ein entzückendes Anwesen, wo man auf grünem Rasen unter schattigen Bäumen bei Tee und Gebäck die Seele baumeln lassen kann. Genau der richtige Ort, um es den Inselbewohnern gleich zu tun und die Zeit einfach zu vergessen.


Foto: pixabay.com | 5998679


Foto: pixabay.com | loueyj

Reiseinformation Traumziel Fiji

Anreise: Air New Zealand bietet in Kombination mit weiteren Südsee-Zielen die beste Verbindung nach Fiji an. Mit Lufthansa kann Fiji auch über die USA erreicht werden. Alternativ steht mit einem „Round the World“ Flug auch die Möglichkeit zur Verfügung, Fiji über Asien (Singapur, Hongkong, Osaka) sowie Neuseeland zu erreichen.

Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen für die einreise nach Fiji einen maschinenlesbaren Reisepass (Europapass), der über das Reiseende hinaus noch mindestens drei Monate gültig sein muss. Eine Visumspflicht besteht nicht.

Reisezeit: Fiji ist hervorragend als Ganzjahresziel geeignet. Das ganze Jahr über herrschen durchschnittlich warme Temperaturen von 28-30 Grad. Von den Monaten Dezember bis März gibt es eine erhöhte Niederschlagstendenz. Von einer Regenzeit kann jedoch nicht gesprochen werden.

Unterkunft: Hilfreich bei der Hotelsuche sind www.holidaycheck.de und www.openholidayguide.focus.de , z.B.:Hotel Sofitel Fiji Resort& Spa, Hotel Outrigger on the Lagoon, Hotel Lawaki Beach House, Hotel Treasure Island Resort und viele Andere.

Auskunft erteilen The Fiji High Commission in London, Hyde Park Gate, London SW7 5DN, England, UK, Tel. +44(0)2075843661, Fax +44(0)2075842834, E-Mail: [email protected] und Südsee-Travel Ltd.&Reisebörse, Der Südseevermittlungs-Spezialist, Heckener Straße 24, 53578 Windhagen, Tel. und Fax 02645-608133, E-Mail: [email protected], www.suedsee-travel.de

(Bernd Kregel, Gastautor)