Legende von König Richard III. – Basiert Shakespeares Drama auf einer Lüge?

In seinem Drama schreibt Shakespeare (1564-1616) von einem missgebildeten König, der von Krankheiten gezeichnet, unfähig war zu kämpfen. Und dennoch soll er seine Gegner in einer Schlacht blutig niedergeschlagen haben. Wer war dieser Richard III. nun wirklich?

Am 25. August 2012 entdeckten Archäologen der University of Leicester das Skelett des Königs Richard III. von England unter einem Parkplatz. Einige Menschen bezeichnen den Fund als eine der größten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten.

Die Entdeckung seines Grabes und die Zusammenarbeit mit einem IT-Lehrers halfen, die umstrittene Legende von Richard III. Stück für Stück zu enträtseln.

Die Geschichte von König Richard III. von England

Richard der III. aus dem Hause York wurde 1452 als jüngster von 8 Söhnen in Northamptonshire geboren. Zu dieser Zeit herrschten bereits die Rosenkriege zwischen den Häusern York („Weiße Rose“) und Lancaster („Rote Rose“), die für ihn später prägend sein sollten.

Als Richard 8 Jahre alt war, starben sein Vater und sein ältester Bruder in der Schlacht von Wakefield. Infolge dessen gelang er in die Obhut des Earl of Warwick, besser bekannt unter dem Namen „Königsmacher“. 1461 half er Heinrich VI., den damaligen König, zu stürzen und Richards ältesten Bruder Eduard IV. auf den Thron zu setzen.

Nach weiteren blutigen Schlachten zwischen den beiden verfeindeten Häusern gelang es 1483 Richard III. den englischen Thron zu besteigen.

Shakespeares Drama gespickt mit Widersprüchen

Shakespeare beschreibt ihn als einen hässlichen lahmen Mann, mit einem Buckel, einem verkürzten Bein und verkümmerten Arm. Außerdem schreibt er, dass Frieden den König von England langweilte und er „gewillt sei, ein Bösewicht zu sein“.

Doch ich, zu Possenspielen nicht gemacht,
Noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln;
Ich, roh geprägt, entblößt von Liebesmajestät
Vor leicht sich dreh’nden Nymphen mich zu brüsten;
Ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt,
Von der Natur um Bildung falsch betrogen,
Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt
In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig
Gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend,
Daß Hunde bellen, hink ich wo vorbei;
Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit,
Weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
Als meinen Schatten in der Sonne spähn
Und meine eigne Mißgestalt erörtern;
Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
Und feind den eitlen Freuden dieser Tage.

Später beschreibt Shakespeare, dass Richard angeblich tapfer in einer Schlacht gekämpft hätte. So soll er Männer eigenhändig vom Pferd gerissen und getötet haben, bevor er selbst auf dem Feld ein gewaltsames Ende fand.

Doch es gibt ein Problem mit der Legende: Mit den körperlichen Missbildungen, die Shakespeare dem Monarchen suggeriert, wäre er nahezu kampfunfähig gewesen. Hat der berühmte Dichter vieles nur erfunden, oder entspricht die Erzählung der Wahrheit?

Gewiss ist, dass seine Regentschaft nicht lange hielt. Denn laut Überlieferungen starb Richard III. mit nur 32 Jahren auf dem Schlachtfeld von Bosworth. Mit seinem Tod endeten nicht nur die über 30 Jahre lang andauernden Rosenkriege, sondern auch die über 300-jährige Regentschaft des Hauses Plantagenet. Im folgenden Jahrhundert soll England nun vom Hause Tudor regiert werden.

Durch die Entdeckung der Begräbnisstätte von Richard III. und der Untersuchung seines Skelettes konnten erste Unstimmigkeiten der Legende gelöst werden.

Ein junger IT-Lehrer half den Experten bei der Lösung

Bei der Öffnung von Richards Grab entdeckten die Forscher eine eigenartige Deformierung der Wirbelsäule. Sie fanden heraus, dass er an einem schweren Fall von Skoliose (Rückgratverkrümmung) litt. Seine Wirbelsäule war demnach um 70 Grad gekrümmt und hatte definitiv zu seinen Lebzeiten einen Einfluss auf seine Beweglichkeit.

Der König besaß also in Wirklichkeit tatsächlich eine körperliche Einschränkung, ähnlich wie sie Shakespeare beschrieb. Die Andichtung eines Buckels ist von ihm jedoch, zum Leidwesen Richards III, frei erfunden. Für die Historiker war dies der Beweis, dass König Richard III. tatsächlich nahezu kampfunfähig gewesen sein muss. An diesem Punkt kommt ein junger Mann ins Spiel: Dominic Smee.

Dominic wurde als Kind mit einer schweren Skoliose geboren, mit einem ähnlichen Erscheinungsbild wie Richard III. Als Kind entschied er sich, aus gesundheitlichen Gründen, nicht für eine Korrekturoperation seiner Wirbelsäule, wie viele mit dieser Erkrankung wählen.

Die fast 70-Grad-Kurve seiner Wirbelsäule beeinflusst zudem signifikant seinen Brustkorb, weshalb er als Kind und in seiner Jugend auf viele körperliche Aktivitäten verzichten musste.

„Was anfangs sein Verlust war, wurde später zu seinem bedeutendsten Gewinn“

Eines Tages schaute Dominic zufällig ein Dokumentarfilm über das Leben von Richard III. und entdeckte die Ähnlichkeit zu dem einstigen englischen König und seiner Erkrankung. Der junge Lehrer war sich sicher, dass es dem König dennoch möglich war, in voller Rüstung in einer Schlacht zu kämpfen. Also kontaktierte er den Historiker und mittelalterlichen Rüstungsexperten Dr. Tobias Capwell.

Der Historiker war verblüfft, als er von Dominic und seiner Idee hörte. Mit seiner Einstimmung wagten sie den Versuch. Doch die Vorbereitungen waren nicht leicht: Aufgrund seiner eingeschränkten körperlichen Aktivitäten im Jugendalter musste er sich langsam an die körperliche Belastung gewöhnen. Zudem ist er noch nie zuvor auf einem Pferd geritten.

So schulten sie Dominic 4 Monate lang im Schwertkampf, trainierten seine Herz-Kreislauf-Fitness und lernten ihm das Reiten. Dadurch bot sich den Historikern die Gelegenheit, seine Bewegungsabläufe in der Rüstung zu studieren.

Die Rüstung war nicht, wie erwartet, ein Hindernis

Dominic war anfangs davon überzeugt, dass es ihm schwerfallen würde, sich in der Rüstung zu bewegen. Doch im Gegenteil: Die Art und Weise, wie die Rüstung seinen Oberkörper stützte, erleichterte ihm die Bewegung. Er war sogar in der Lage, einige Testpuppen von dem Rücken eines Pferdes zustoßen. Die Legende von Richard III. war also nicht mehr nur eine Legende.

Dominic half den Forschern zu beweisen, dass Richard III. trotz seiner Erkrankung durchaus in der Lage gewesen ist, gegen seine Gegner in der Schlacht zu kämpfen. Shakespeares Geschichte über den englischen König könnte also tatsächlich der Wahrheit entsprechen.

„Ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd“

Dennoch ereilte dem König ein weniger ruhmreiches Ende. Mithilfe neuester Untersuchungen konnten britische Forscher die genauen Todesumstände des Königs rekonstruieren. So soll er in der Schlacht von Bosworth sein Pferd und sein Helm verloren haben. Vermutlich war er bereits schwer verletzt, als ein Gegner zum tödlichen Schlag ausholte und ihm den Schädel mit einem Schwert spaltete.

Von den insgesamt 11 am Skelett nachgewiesenen Verletzungen waren 9 davon am Schädel. Doch nicht alle wurden ihm auf dem Schlachtfeld zugefügt. Dolchstöße am Körper und Kiefer weisen auf Erniedrigungsrituale hin, die an dem nackten Leichnam statuiert wurden.

Später wurde sein Leichnam in einer viel zu kleinen Grube, in Hast und ohne Sarg oder Totentuch in der Nähe der Greyfriars Church niedergelegt – dort wo man ihn, mehr als 500 Jahre später unter einem Parkplatz in Leicester, fand.

Die Quellen aus der Zeit berichten, dass die verhöhnte Leiche des einstigen Königs mehr verscharrt, als würdevoll beerdigt wurde.

Würdevolle Bestattung 528 Jahre nach seinem Tod

Im März 2013 erhielt der Monarch nun endlich eine würdevolle Bestattung in der Kathedrale von Leicester. Tausende Menschen säumten die Straßen, um den Trauerzug von Bosworth nach Leicester zu sehen. In ihren Händen hielten viele eine weiße Rose, das Zeichen des Hauses York.

„Heute sind wir zusammengekommen, um diesem König und seinen sterblichen Überresten die Ehre zu erweisen und die Würde zurückzugeben, die ihm bei seinem Tod verwehrt wurden“ – Tim Stevens, Bischof von Leicester

„Wir legen die Gebeine deines Dieners Richard zurück ins Grab“ – Justin Welby, Erzbischof von Canterbury

Mehr über Dominic, den modernen Doppelgänger von Richard III., findest Du im Video:

Quelle: Skeleton of King Richard III found under parking lot—then it leads to an incredible discovery

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