Frankfurt/Main – Die Krisen bei der Sachsen-LB und der WestLB ist nach Einschätzung des Bankenexperten Wolfgang Gerke in erster Linie auf die mit Politikern besetzten Aufsichtsgremien und das Management der Institute zurückzuführen. „Es liegt an der Konstruktion dieser Banken, an der Konstruktion der Kontrollorgane in den Banken und natürlich der Manager. Was hier gemacht wurde, ist Fehlinformation insbesondere über die Risiken und dann Spielerei statt Bankmanagement“, sagte Gerke am Freitag dem WDR.
Bei der Westdeutschen Landesbank, die durch misslungene Aktienspekulationen im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht war, sei es nicht der erste Fall, in dem die Verwaltungsgremien bei der Aufsicht nicht funktioniert hätten. In den Verwaltungsräten säßen zu viele Nicht-Fachleute. „Hier gehören nicht die Politiker hinein, sondern hier gehören die Bank-Spezialisten hinein“, forderte Gerke.
„Man kann nicht hingehen und sagen, verdiente Politiker sind geeignete Verwaltungsräte, sondern hier braucht man wirklich diejenigen, die mit viel Rückgrat den Vorstand kontrollieren und dabei auch die gleiche Sachverständnis mitbringen wie der Vorstand selber“.
Die staatliche Bankenaufsicht, also die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht nahm Gerke dagegen ausdrücklich von seiner Kritik aus. Diese Aufsicht sei nicht schlecht, allerdings verbesserungsfähig durch bessere Koordinierung der Arbeit.
Eine Abschaffung der Landesbanken hält der Experte nicht für sinnvoll. Auch die jetzige Konstruktion sei funktionsfähig, wenn sie richtig gehandhabt werde. Die Landesbanken hätten wichtige Aufgaben, insbesondere als Dienstleister für kleine und mittlere Sparkassen. „Man muss nur dann wirklich nicht zum Spieler werden, um die Rendite für den Landesherrn aufzupeppen, und der schaut dann vielleicht auch noch zu, sondern man muss Bankpolitik betreiben, so wie es im Lehrbuch steht“, forderte Gerke. (AP)
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