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Bremen – Magnus, Thorsten und Laura haben eigentlich die besten Voraussetzungen für ein perfektes Leben. Sie sind jung, klug, haben ein intaktes Umfeld und sind gut ausgebildet. Doch sie scheitern an ihren hohen Idealen und werden schließlich psychisch krank. Der Debütroman "Sickster" des 1975 geborenen Autors Thomas Melle war 2011 für den Deutschen Buchpreis nominiert, jetzt bringt ihn das Theater Bremen auf die Bühne. Am Sonntag (30. September, 20.00 Uhr) ist Uraufführung.
Das Bühnenbild ist karg, nur eine überdimensionierte goldene Geschenkschleife liegt auf dem Boden. Regie führt Felix Rothenhäusler, der zusammen mit Intendant Michael Börgerding neu ans Bremer Theater gekommen ist. "Wir haben nach einem Stoff gesucht, der Menschen in ihrer Arbeitswelt zeigt", sagt Rothenhäusler. Dabei stieß er auf Melles Roman, der in den deutschen Feuilletons hochgelobt wurde und in dem es um Menschen seiner Generation von Anfang 30 geht. Das Burnout-Syndrom ist auch da verbreitet und Regisseur Rothenhäusler und Dramaturg Tarun Kade wollten wissen: "Was macht einen krank?"
"Wie verwirklicht man sich selbst?"
Der Lebensweg junger Leute sei nicht mehr vorgezeichnet, sagt Rothenhäusler. Es stünden einem vermeintlich alle Möglichkeiten offen. Doch damit beginne auch schon die Schwierigkeit: "Wie verwirklicht man sich selbst?" In dem Stück ist Thorsten (Paul Matzke) "Space"-Manager bei einem Mineralölkonzern, zuständig für die Optimierung der Produktanordnung in den Tankstellen. Ein Top-Job mit hohem Verdienst. Seine Zweifel ertränkt er mit Alkohol und Energydrinks.
Seine intellektuelle Freundin Laura steht eigentlich am Beginn ihrer Universitätskarriere. Doch auf ihrem Laptop bringt sie keine Zeile zustande. "Ich tippe. Und lösche das Getippte wieder", klagt Laura (Karin Enzler). Sie sagt schließlich ihrem Körper den Kampf an und fügt sich selbst Verletzungen zu.
Der dritte Protagonist ist Magnus (Claudius Franz), der als Kind für ein Genie gehalten wurde. Er hatte große idealistische Ziele und wollte Drehbuchautor werden. Nun schreibt er als "Worthure", wie er selbst im Stück sagt, für die Firmenzeitung des Mineralölkonzerns, für den auch sein Schulfreund Thorsten arbeitet. Für Regisseur Rothenhäusler ist ein Satz von Magnus der Schlüsselmoment von "Sickster" (engl. sick = krank): "Ich muss doch eine Rakete sein und ein Geschoss, ich muss doch ein Gleißen sein und tausend Geschosse, die sich in alle Himmelsrichtungen verlieren", sagt Magnus.
Widerspruch von Selbstbild und Realität
Doch der Druck ist zu groß. "Irgendwann bemerken sie den Widerspruch zwischen ihrem Selbstbild und der Realität", sagt Regisseur Rothenhäusler. Die Drei fangen an, in der Gesellschaft nicht mehr zu funktionieren, sie werden krank. Für Magnus allerdings ist es kein Zusammenbruch wie für Laura und Thorsten. "Für ihn ist es eine Befreiung", sagt Rothenhäusler. Dabei stelle sich die Frage: "Wie viel irre sein ist gesund?"
So ist es auch kein wirklich trauriges Ende, wenn sich alle drei am Ende in einer psychiatrischen Klinik treffen. "Die Heilung besteht darin, aus dem bisherigen Leben herauskatapultiert zu werden", sagt Rothenhäusler. Magnus, Laura und Thorsten schmieden Pläne für eine Revolution. Sie wollen die Zentrale des Mineralölkonzerns stürmen.
dapd
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