Berlin - Das älteste Objekt ist eine silberne Reitermaske, die ein römischer Krieger im Jahr neun bei der Varus-Schlacht im Teutoburger Wald verlor. Das jüngste Objekt ist ein Gemälde des 1995 von Christo verhüllten Reichstags. Dazwischen erzählen Wallensteins zerbrochener Degen, ein Hut Napoleons und Hitlers Schreibtisch aus der Reichskanzlei Geschichten zur 2.000-jährigen Geschichte der Deutschen. Die neue Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums wird am Freitag von Kanzlerin Angela Merkel eröffnet.
Insgesamt werden in der eindrucksvollen Schau mit dem Titel «Deutsche Geschichten in Bildern und Zeugnissen» auf 7.500 Quadratmetern 8.000 kostbare Exponate präsentiert. «Das ist die umfangreichste Ausstellung zur deutschen Geschichte», sagt Sprecher Rudolf Trabold. «Wir zeigen, dass Geschichte kontinuierlich ist und alles aufeinander aufbaut.» Wichtig sei die Kontextualität: «Das bedeutet, dass ein Exponat nicht für sich allein steht, sondern immer im Zusammenhang mit anderen gesehen werden muss», erklärt Trabold.
Siebeneinhalb Jahre lang - und damit über drei Jahre länger als ursprünglich geplant - wurde das historische Zeughaus saniert und an der neuen Dauerausstellung gearbeitet. Immer wieder gab es Verzögerungen, weil Baugenehmigungen nicht erteilt wurden, Vitrinen europaweit ausgeschrieben werden mussten und sich die kostengünstigste Variante oftmals nicht als stabilste erwies - und wieder neu ausgeschrieben werden musste. Dennoch: Das nun erzielte Ergebnis ist beeindruckend.
Erzählt wird von den Germanenkämpfen um Christi Geburt, vom Ritterwesen, von der Reformation und den Bauernkriegen, von der Aufklärung, Industrialisierung, Reichsgründung, von den beiden Weltkriegen, der Teilung Deutschlands bis hin zur Wiedervereinigung. Auf dem Hauptpfad durch das Museum weisen so genannte Meilensteine darauf hin, in welcher Epoche man sich befindet. Vom Hauptweg zweigen kleinere Wege ab. In diesen Bereichen werden dann Details erörtert. So ist beispielsweise im Bereich Mittelalter etwas über das Münz- und Schriftwesen zu erfahren. Noch anschaulicher wird das Ganze durch über 100 Multimedia-Stationen und zahlreiche Filme.
Im Obergeschoss des Hauses ist die Geschichte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 ausgestellt. Da gibt es spektakuläre Kunstwerke von Dürer und Cranach zu sehen, die Karl den Großen und Martin Luther porträtierten. Da wird anhand eines Modells erklärt, wie sich die mittelalterliche Stadt entwickelte. Es wird illustriert, wie barocke Fürsten lebten. Da sind auch skurrile Dinge wie der erste Flipper Ende des 18. Jahrhunderts zu sehen: Aus kleinen Kanonenrohren können Kugeln auf Kegel geschossen werden.
Ein Highlight ist die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776: Sie ist auf Deutsch übersetzt, da in Philadelphia zu jener Zeit viele Deutsche lebten. Weltweit gibt es nur drei Exemplare. Zu erfahren ist auch, dass es die deutsche Staatsbürgerschaft erst seit 1918 gibt.
Unten - und damit auf knapp der Hälfte der Gesamtfläche - ist der «Rest» ausgestellt. Schwerpunkt sind das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg mit seinen Auswirkungen. Hier ist Adolf Hitlers monumentaler Schreibtisch aus der Reichskanzlei zu sehen, der seit 1945 in einem Depot des Hauptzollamts in München lagerte.
Erstmals ausgestellt ist auch Hitlers Globus: An der Stelle, an der eigentlich «Berlin» stehen müsste, klafft ein Loch. «Nach der Eroberung Berlins hat da wahrscheinlich ein Rotgardist mit einer Pistole reingeschossen», erklärt Trabold. Mit solchen Exponaten solle jedoch kein Devotionalien-Kult aufgebaut werden. «Diese Stücke sind im Zusammenhang zu sehen.»
«Wirtschaftswunder» made in East und West sind im letzten Abschnitt zu vergleichen. Käfer und Trabi werden gegenübergestellt, Honeckers Schreibtisch aus dem Staatsratsgebäude ist ebenso zu sehen wie ein Stück des Zauns vom Atomkraftwerk in Wackersdorf und Teile der Mauer. Mit der Wiedervereinigung und dem Abzug der alliierten Truppen aus Berlin endet die Ausstellung. Das Christo-Bild vom verhüllten Reichstag scheint zu beweisen: Wer sein Parlament mit silbernem Stoff verpacken lässt, hat ein einigermaßen normales Verhältnis zur eigenen Geschichte entwickelt.
Das Museum öffnet seine Gesamtschau für Besucher am Samstag.
http://www.dhm.de/
(AP)
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