Fredonia/USA – Bill Inman ist Pferdezüchter und Hufschmied. Sein Amerika ist ein ganz anderes als das, das jeden Abend in den Nachrichten präsentiert wird. Also beschloss Inman, sein Amerika der Welt zu zeigen. Er stieg auf sein Pferd und begann, Geschichten zu sammeln von den hart arbeitenden Menschen im ländlichen Mittleren Westen.
„Die Landschaft in Amerika verändert sich und ich bin stolz darauf, dass wir eine Zeitlupenaufnahme dieser Zeit machen, denn in 20 Jahren wird alles anders sein“, sagte Inman. Er lässt sich von seinem Pferd „Blackie“ tragen, das täglich zwischen 32 und 40 Kilometer auf den Landstraßen von Oregon nach North Carolina schafft. Inman begann seine Reise am 2. Juni in der Ortschaft Lebanon in Oregon. Die Hälfte seines Projekts mit dem Titel „Amerika auf dem Pferderücken entdecken“ (Uncovering America by Horseback) hat er hinter sich gebracht.
Der 48-Jährige wird begleitet von seiner Ehefrau Brenda, die stets mit einem Pick-up und einem voll beladenen Pferdeanhänger voran fährt. Schließlich wollen das Paar, „Blackie“ und drei Hunde unterwegs versorgt werden. Die beiden schätzen, dass ihr Abenteuer sie rund 45.000 Dollar (30.000 Euro) kosten wird. Sie wollen einen Dokumentarfilm drehen und ein Buch schreiben, während der Betreiber einer Website ihre Fahrt begleitet. „Finanziell ist das wahrscheinlich das dümmste, was ich je getan habe, aber ich glaube daran“, erklärte Inman.
Unterwegs muss sich die kleine Reisegruppe auf die Hilfe von Fremden verlassen, denn kein Sponsor unterstützt das Vorhaben. Sie bekommen Essen angeboten, einen Schlafplatz, Spenden oder Futter für „Blackie“, der jeden Tag rund neun Kilogramm benötigt.
Inman begann seine Reise, nachdem er die Berichterstattung in den Medien satt hatte. Die Journalisten konzentrieren sich seiner Ansicht zu stark auf den Krieg, auf Verbrechen, Armut und die vielen Mängel der Gesellschaft. „Leider lassen sie das Bild entstehen, dass jeder Politiker korrupt ist und überall Kriminelle herumlaufen“, erklärte Inman.
Auf seinem Weg durch den Mittleren Westen hat der Cowboy schon hunderte interessante Menschen getroffen: Ein Hilfssheriff in Wyoming fuhrt 40 Kilometer durch einen Sturm, um Inman und seiner Frau Essen zu bringen, eine Frau schenkte Inman ein Paar Steigbügel, die sie als Weihnachtsgeschenk für ihren Enkel gekauft hatte, der aber bei einem Autounfall getötet wurde, bevor sie ihm das Geschenk überreichen konnte.
Inman wuchs auf einem Bauernhof in Texas auf. Er züchtete Rinder, hütete Wildpferde und leitete eine Ranch in einem Indianer-Reservat in Nevada, bevor er im vergangenen Jahr nach Oregon zog und dort Pferde verkaufte. Nebenbei arbeitet er als Auktionator und Hufschmied.
In der Ortschaft Fredonia in Kansas wurde der Cowboy von dem früheren Rodeo-Reiter Kurly Hebb begrüßt. „Er hat meinen Respekt“, sagte Hebb über Inman und sein Projekt. „Ich kann ihnen sagen, dass er es schaffen wird. Man muss einfach nur ein Cowboy sein.“ Die Restaurant-Besitzerin Joyce Cross lobte, dass Inman das vergessene Erbe des Landes enthülle.
Oregon, Idaho, Wyoming, Colorado und Kansas hat Inman bereits hinter sich gelassen. Missouri, Tennessee und North Carolina hat er noch vor sich. In North Carolina will er mit der Familie seiner Frau in Hendersonville Weihnachten feiern.
Über seinen langen Weg führt Inman Buch. Er hat dort all das aufgelistet, was ihm auf seiner Reise Schlechtes widerfahren ist: Temperaturen zwischen 42 und 0 Grad, Insekten, Wassermangel, beschwerliche Wege über die Berge und durch die Wüste, schwere Gewitter. Namen stehen nicht auf der Liste. „Ich habe keine schlechten Menschen getroffen“, erklärte er.
http://www.uncoveringamerica.com (AP)
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