Raus aus den Sportschuhen und barfuß trainieren

Barfüßig werden andere Muskeln eingesetzt als wenn man Schuhe trägt

Barfuß zu trainieren, erweist sich vielleicht als eine wertvolle Programmänderung für jene, die es wagen auszuprobieren. Barfuß zu trainieren, kann das Gefühl für das Gleichgewicht fördern, verbessert die Muskelzentrierung, reduziert orthopädische Schmerzen und verringert die Verletzungsgefahr.

Barfüßig werden andere Muskeln eingesetzt als wenn man Schuhe trägt. Im Stehen, Gehen und Trainieren werden Muskeln unterschiedlich angeregt und beeinflussen die Art, wie sich jemand bewegt. Einige Jahre Training mit Schuhen und es bilden sich andere Abläufe von Muskelbewegungen, die sich zur Gewohnheit ausbilden.

Gut ausgebildetes Fußgewölbe durch Barfuß-Treining

Oft kann der Unterschied in Yoga-Kursen gesehen werden. Die Füße von jenen, die Yoga schon über einen längeren Zeitraum praktizieren, sind anders als jene, die vielleicht gerade angefangen haben. Gut ausgebildete Fußgewölbe und eine breitere Zehenstellung sind oft das Ergebnis barfüßigen Trainings.

Ein weiteres Ergebnis liegt tiefer innerhalb der Muskeln und Faszien. Die subtil erhöhte Ferse und die hinzugefügte Unterstützung für das Fußgewölbe in einem durchschnittlichen Sportschuh ändert die natürliche Mechanik des Fußes. Schuhe mit erhöhter Ferse spannen den Wadenmuskel in unnatürlicher Weise und verlängern den Schienbeinmuskel. Wadenkrämpfe und das Schienbeinkantensyndrom werden oft direkt von verkürzten Wadenmuskeln und überdehnten Schienbeinmuskeln verursacht.

Plantar fasciitis (Entzündung und Schmerz im Fußgewölbe und der Ferse) ist ein weiteres übliches Symptom, das durch die Unterstützungseinbauten im Schuh verschlechtert werden kann. Die Muskelstrukturen im Fußgewölbe sollen den Aufprall absorbieren und fördern die korrekte Mechanik des Gehens, Laufens und des Trainings.

Stützen für das Fußgewölbe entheben die Gewölbemuskulatur im wahrsten Sinne des Wortes von ihrer Verantwortung, selbst aktiv zu werden.

Ein guter Schuh ist nicht alles – manchmal sogar das Gegenteil

Ironischerweise gewährt das Tragen hochhackiger Trainingsschuhe, die auch noch das Fußgewölbe stützen, große Erleichterung von genau diesen Symptomen. Das tun sie aus gutem Grund. Anfangs verringert die im Schuh eingearbeitete Unterstützung die Spannung für die schwachen Muskeln. Mit der Zeit aber, wenn die Wurzel des Problems nicht angegangen wird, müssen diese Unterstützungen höher und höher werden, um die gleichen Probleme zu vermeiden. Und natürlich kommen die Symptome wieder, sobald man in einen flacheren, weniger mit orthopädischen Stützen versehenen Schuh schlüpft. Zurück in den üblichen gestützten Schuhen, fängt man bald an, die Qualität der Schuhe zu kritisieren: „Meine Schuhe geben einfach nicht genug Unterstützung.“ Der Neukauf von Schuhen mit stärkerer Stützung und die orthopädische Reaktion der Fußmuskulatur wechseln einander ab.

Jedes Mal, wenn das aufeinander abgestimmte Muskelspiel geändert wird, ist die Gefahr  von Verletzungen größer: verstauchte Knöchel, Muskel- und Bänderzerrungen, ständige Entzündungen, und schließlich arthritis ähnliche Beschwerden. Es ist allgemein bekannt, dass Knie- und Rückenschmerzen auch von falscher Fußmechanik herrühren können. Schuhe mit künstlichem Stützwerk können unnatürlichen Druck auf die Knie, das Rückgrat und sogar die Halswirbelsäule ausüben. Korrektive Übungen lösen oft Gelenkschmerzen, indem sie die Muskelausrichtung in vollkommen unbeeinflussten Bereichen verbessern. Die Mechanik des Fußes ist ein wichtiger Teil für die Haltungsfunktion des ganzen Körpers.

Barfuß zu trainieren ist ein einfacher Weg, das Fußgewölbe und das Schienbein auf natürliche Weise zu stärken, die Waden zu lockern, die gesamte Stabilität der Knöchel zu verbessern und die richtige Muskelausrichtung zu fördern.

Gleichgewicht zu halten ist eine Fähigkeit, die sich ohne Schuhe zu kräftigen beginnt.

Wenn Sie Ihre Schuhe für Kniebeugen, Ausfallschritte und andere Übungen des Krafttrainings nicht anziehen, bemerken Sie vielleicht zuerst einen Mangel an Stabilität. Sie können dermaßen daran gewöhnt sein, in extern gestützten Schuhen zu stehen, dass Sie bei einem barfüßigen Ausfallschritt fast seitwärts weg kippen. Gleichgewicht zu halten ist eine Fähigkeit, die sich ohne Schuhe zu kräftigen beginnt. Ein verbessertes Gleichgewicht reduziert das Risiko, sich den Knöchel zu verdrehen oder zu fallen oder von anderen Verletzungen, die durch mangelnden Gleichgewichtssinn verursacht werden können.

Die Fußreflexzonen (ähnlich der Akupressur für die Füße) basieren auf der Theorie, dass Bereiche an den Füßen mit anderen Bereichen in unserem Körper korrespondieren, einschließlich Drüsen und Organen. Der veränderliche Druck, der beim barfuß Trainieren auf die Füße ausgeübt wird, ist vielleicht auch wichtig, um eine optimale Funktion des Körpers zu gewährleisten.

Schließlich hat barfuß Laufen vielleicht noch einen weiteren Nutzen, wenn draußen trainiert wird. Füße, die den Boden ohne eine Gummisohle berühren, nehmen das elektromagnetische Feld, freie Elektronen oder andere Formen von Energie von der Erde vielleicht leichter auf. Wenn dem so ist, kann ein weiterer Nutzen die Reduktion von freien Radikalen im Körper und ein besserer Energiefluss sein. Das wiederum kann Schmerzen und Entzündungen reduzieren und dürfte die Gesundheit im Allgemeinen verbessern.

Beim Wechsel zu barfüßigem Training empfiehlt es sich, zunächst mit einigen einfachen Übungen zu beginnen. Wenn eine Übung heftige Schmerzen verursacht, nehmen Sie eine andere. Vorsicht, wenn auf hartem Boden trainiert wird. Für 60 Sekunden auf einem Fuß zu balancieren, wird für die meisten sehr schwierig sein. Drei Minuten lang auf einem Bein das Gleichgewicht zu halten, ist ein Test, den viele beim ersten Versuch nicht hinbekommen. Natürlich muss nicht jede Übung barfuß gemacht werden. Gut ist, wenn es immer öfter angenehm ist, barfuß zu sein und dabei der natürlichen Muskelausrichtung des Fußes zu erlauben, sich allmählich zu verbessern.

Info: James Goodlatte ist Bachelor of Science in Kinesiology und zertifizierter Personal Trainer, der für mehr als ein Jahrzehnt funktional-korrektive Übungen unterrichtet hat.

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