Marihuana-Salat und Cannabis-Keks

In Chile setzt die Küchenchefin Natalia Revelant auf Cannabis zur Verfeinerung von Salaten, Schokoladenkuchen oder Fruchtsäften. "Ich habe mit Cannabis ein ganz neues Universum entdeckt", so die 38-Jährige Argentinierin.

Es gilt als schmerzlindernd und entzündungshemmend und ist reich an wertvollen Fettsäuren: In Chile setzt die Küchenchefin Natalia Revelant auf Cannabis zur Verfeinerung von Salaten, Schokoladenkuchen oder Fruchtsäften. Nun hat sie ihre Rezepte bei einem Workshop in Santiago de Chile vorgestellt.

„Ich habe mit Cannabis ein ganz neues Universum entdeckt“, sagt die 38-Jährige Argentinierin, die die milde Droge seit Jahren mit Obst, Mehl, Körnern oder getrockneten Früchten mischt. Organisiert hat die ungewöhnliche Kochschule die Organisation Daya, die für eine medizinische Nutzung von Marihuana eintritt.

In Chile ist zwar ist der private Konsum erlaubt, doch wird der Verkauf von Marihuana streng bestraft. Revelants Helfer wollen daher anonym bleiben. Doch aktuell diskutiert das chilenische Parlament eine Gesetzesvorlage, welche die Nutzung zu medizinischen Zwecken und zur Erholung entkriminalisieren soll. 2015 genehmigten die Behörden den Anbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken, um Medikamente für Krebs-, Epilepsie- und chronische Schmerzpatienten zu entwickeln.

Seit März 2016 hat das Land dafür die größte legale Marihuana-Plantage von ganz Lateinamerika. An einem ersten Medikamententest sollen 4000 Patienten teilnehmen. Und Ende Mai kamen erstmals zwei Cannabis-basierte Medikamente zur Behandlung chronischer Schmerzen in die Apotheken des südamerikanischen Landes.

Die Cannabis-Küche könne auch als Alternative für chronisch Kranke in Frage kommen, die bereits auf Marihuana in Form von Ölen, Harzen oder Medikamenten zurückgreifen, betont Alejandra Ahumada, pharmazeutische Chemikerin der Organisation Daya. Revelant zufolge kann von der Pflanze mit den auffälligen Blättern alles verwendet werden: Wurzeln, Stängel und Blätter könne man in Salate oder Säfte mischen oder zum Fleisch dazu geben. Blüten und Samen seien ideal zur Verfeinerung von Desserts, Schokoladen oder Keksen, so die Küchenchefin.

Doch da der Geschmack von Hanf allein nicht sehr angenehm sei, müsse es mit aromatisch ähnlichen Produkten kombiniert werden: „Eine Cannabispflanze mit ihrem erhöhten Gehalt am Aromastoff Linalool kann mit Lavendel kombiniert werden – zur Herstellung köstlicher Butterkekse“, schwärmt die auf vegetarische Küche spezialisierte Küchenchefin vor einem Dutzend Teilnehmern.

Revelant verweist zudem auf die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Cannabis: Durch seinen hohen Gehalt an Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren könnten bestimmte Entzündungssymptome behandelt werden. Sein therapeutischer Nutzen stammt von den Cannabinoiden wie THC, die für die halluzinogene Wirkung von Marihuana sorgen. Daher müsse man die verwendete Menge genau dosieren, betont Ahumada: „Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass jeder Patient anders auf die Cannabinoide reagiert, deshalb muss man mit der Dosierung immer vorsichtig sein.“

Ihre Empfehlung: 0,1 bis 0,5 Gramm Cannabis pro Essensportion, um halluzinogene Effekte zu vermeiden. Werde dies überschritten, so drohe Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit, warnt Revelant. „Die Hanfpflanze bringt niemanden um, aber es ist wichtig, die Wirkung zu kennen und zu wissen, wieviel man verträgt.“ (afp)