Mitglied des Deutschen Ethikrats bagatellisiert Transplantationsskandal

  Die Bundesärztekammer kündigte am Wochenende an, im September möglichem Organhandel einen Riegel vorschieben zu wollen. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr fordert „bessere Verfahrensregeln“ bei Transplantationen. Möglicherweise sind in die Machenschaften …

 

Die Bundesärztekammer kündigte am Wochenende an, im September möglichem Organhandel einen Riegel vorschieben zu wollen. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr fordert „bessere Verfahrensregeln“ bei Transplantationen. Möglicherweise sind in die Machenschaften in Göttingen sogar mehrere Ärzte verwickelt.
Arne Schwarz, der Schweizer Experte und Rechercheur in Sachen Transplantationsmedizin schaut etwas weiter in die Vergangenheit zurück und sagte dieser Zeitung zu den am Freitag von Eckhard Nagel geäußerten Bemerkungen über den „Supergau in der Transplantationsmedizin“: „Zu Recht befürchtet Eckhard Nagel, Mitglied des Deutschen Ethikrats, einen nicht absehbaren Vertrauensverlust für die Transplantationsmedizin durch den derzeitigen Transplantationsskandal in Göttingen. Er selbst trägt jedoch zum Vertrauensverlust bei, indem er den Skandal bagatellisiert. Im Deutschlandradio Kultur betonte Nagel, er sei fest davon überzeugt, es handele sich um einen ‚absoluten Einzelfall‘.“
„Als ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Essens sollte Nagel wissen, dass erst letztes Jahr der frühere Chefchirurg seines eigenen Klinikums, Prof. Christoph Broelsch, wegen Bestechlichkeit, Steuerhinterziehung, Nötigung und Betrug im Zusammenhang mit Organtransplantationen rechtskräftig zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde und dass der frühere Star-Transplanteur nun im Gefängnis sitzt. Göttingen also wirklich ein ‚absoluter Einzelfall‘?“
Außerdem sagte Nagel im Deutschlandradio: „…die Überwachungskommission hat festgestellt, und zwar hoffentlich zu einem sehr frühen Zeitpunkt, dass die Dinge nicht in Ordnung waren in Göttingen, insofern gibt es Mechanismen die verhindern, dass sich so etwas flächendeckend ausbreiten würde…“
Auch das könnte Nagel besser wissen, meint Arne Schwarz, denn die Süddeutsche Zeitung, die den Skandal publizierte, hatte berichtet, dass der angeklagte Transplanteur bereits 2005 an einer früheren Arbeitsstelle Unterlagen gefälscht hatte, was seiner weiteren Karriere jedoch nicht abträglich war. Die „Mechanismen“ hatten also von Anfang an versagt. Sie haben auch später versagt, weil laut Süddeutscher Zeitung nicht eine Überwachungskommission den Fall aufdeckte, sondern „ein Mitglied des Krankenhauspersonals die Unregelmäßigkeiten bei den Aufsichtsgremien angezeigt hat“. „Wie soll Vertrauen entstehen“, fragt Arne Schwarz, „wenn selbst ein Mitglied des Deutschen Ethikrats einen so offensichtlichen Skandal bagatellisiert?“ (rls)