Viren gegen Infektionen

Staphylokokkenstämme in Krankenhäusern immer resistenter

Der leichtfertige Umgang mit Antibiotika hat Folgen. Jahrelanger Einsatz hat zu immer mehr resistenten Bakterienstämmen geführt. So soll etwa in Spanien, wo die Mittel früher rezeptfrei zu haben waren, die Resistenzrate gegenüber gängigen Mitteln inzwischen viermal so hoch sein wie in Deutschland. In britischen Krankenhäusern sterben heute fünfzehnmal so viele Menschen an gegen Antibiotika resistenten Staphylokokkus-Bakterien als noch vor zehn Jahren.

Dies ist laut Professor Reinhard Marre, Mikrobiologe an der Universität Ulm, vor allem das Resultat von ungezielten und wenig konsequenten Antibiotika-Therapien in der Bevölkerung: „Werden die Erreger unnötig, mit den falschen Antibiotika oder nicht lange genug behandelt, entwickeln sich Veränderungen des Erbmaterials, die sie unempfindlich gegen die Therapie machen und ihr rasches Wachstum begünstigen.“ Für die Pharmafirmen lohnt es sich indes nicht mehr, gegen eine schon resistente Art noch einmal neue Antibiotika zu entwickeln.

Resistenzentwicklung wird so zum Wettlauf mit der Zeit, vor allem was die Versorgung schwerstkranker Patienten in Universitätskliniken und Krankenhäusern der Maximalversorgung betrifft. Denn vor allem dort können gefürchtete Infektionen mit Staphylokokken vorkommen, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind – die sogenannten MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus). Die weit verbreiteten Erreger besiedeln die Schleimhäute und verursachen gefährliche Infektionen, z.B. der Haut, bis hin zur Sepsis (Blutvergiftung). Verschiedene Studien im In- und Ausland haben gezeigt: Bis zu 20 Prozent der Staphylokokkenstämme in Kliniken sind gegen mehrere Antibiotika resistent. Zudem erhöhen frühere Antibiotika-Therapien oder Krankenhausaufenthalte das Risiko, Träger von resistenten Erregern zu werden und auch in Altersheimen sind etwa 1 Prozent der Bewohner MRSA-positiv.

Die britische Gesundheitsbehörde weist in einer Studie nach, daß die Zahl der Staphylokokken-Infektionen in den letzten 10 Jahren auf das Vierundzwanzigfache angestiegen ist. Verantwortlich für diese alarmierende Zunahme ist laut Studienleiterin Natasha Crowcross die unzureichende Hygiene in den britischen Gesundheitseinrichtungen. Sie und ihr Team hatten Tausende von Totenscheinen analysiert und waren dabei auf die extreme Zunahme gestoßen: Während es 1993 in England und Wales nur 51 Todesfälle durch die resistenten Mikroben gegeben hatte, waren es 2002 schon 800. Wiederum waren hier alte und geschwächte Patienten am ehesten betroffen, da ihr Immunsystem häufig nicht mehr in der Lage ist, die für den gesunden Menschen harmlosen Staphylokokken zu bekämpfen.

Die hochresistenten MRSA werden in der Allgemeinbevölkerung jedoch noch seltener angetroffen als in Kliniken. So das Ergebnis der Studie, die im Rahmen des Kompetenznetzes Resistenzentwicklung an den Universitäten Ulm und Heidelberg durchgeführt wurde. Dort möchte man jetzt vor allem diagnostische Methoden entwickeln zum raschen, sicheren und kostengünstigen Nachweis von Resistenzen. So kann zumindest sichergestellt werden, ob ein Medikament überhaupt notwendig ist, und ob es das richtige ist. Ein Unterfangen, das die Problematik zumindest hinauszögern aber letztendlich nicht beseitigen kann.

Makrophagen als nebenwirkungsfreie Alternative

Daß es erfolgreiche Alternativen zur Antibiotika gibt, zeigen die Polen. Erste erfolgreiche Behandlungen mit Makrophagen – bakterienfressenden Viren – wurden schon 1926 am Krakauer Universitätsklinikum durchgeführt. In einigen Ländern des Ostens wird inzwischen in Speziallabors mit für viele Erreger „maßgeschneiderten“ Bakteriophagen gearbeitet. Laut der WELT führt Polen inzwischen international in der klinischen Phagen-Terapie, das Warschauer Labor besitzt mehr als 300 Stämme, die spezialisiert sind auf Erreger wie Staphylococcus aureus, Escherichia und viele andere. So wurde bei einer Tagung des Symposiums „Biotherapie“ Anfang Dezember in Neu-Ulm schon ein Makrophagen-Produkt vorgestellt, das es als „künstliche Haut“ in Form eines elastischen, perforierten Films, als feinen Puder und als Elastikstreifen für Zähne gibt.

Amerikanische Forscher fanden wiederum in Schafen ein spezielles Virus, das E.coli effektiv abtötet, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Andrew Brabban vom Evergreen State College in Olympia fand das Virus, einen Bakteriophagen, eher zufällig. Eigentlich hatte man in einem Versuch die Wirkung von verschiedenen Antibiotika auf E.coli in Schafen testen wollen. Trotz wiederholter Infektion der Tiere mit E.coli konnte der Erreger danach nicht mehr nachgewiesen werden, er war einfach verschwunden. Endlich entdeckte man die Ursache: Die Schafe hatten ein körpereigenes Virus produziert und E.coli damit abgetötet. Und das um einiges schneller, als es Antibiotika geschafft hätten. Nachfolgende Experimente zeigten, daß mit diesem einen Bakteriophagen 16 von 18 getesteten E.coli-Stämmen wirksam abgetötet werden konnten. In jungen Schafen steigerte sich der Effekt noch weiter.

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