Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
28.07.2006
Frankfurt/Main - Gegen wachsenden Widerstand in der Union dringen Gesundheitsexperten auf ein Rauchverbot in deutschen Gaststätten. «Passivrauch ist erwiesenermaßen hochgradig Krebs erregend», erklärte Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe am Freitag in Berlin. Von einem Verbot profitierten deshalb auch die Beschäftigten in der Gastronomie. Dagegen sprachen sich weitere Unionspolitiker gegen eine solche Regelung für Gaststätten aus.
Bundesverbraucherminister Horst Seehofer erklärte im Bonner «General-Anzeiger», es gebe Argumente für und gegen ein Rauchverbot. Dafür spreche der Nichtraucher-Schutz, dagegen, dass «wir gerade in der Gastronomie eine sehr pluralistische Szene haben». Wer nach Mitternacht in eine Cocktailbar gehe, wolle dort gegebenenfalls auch rauchen dürfen. «Ein Eingriff dort wäre ein Übermaß an staatlicher Regelung», meinte der frühere Gesundheitsminister. Für die Gaststätten werde eine praktikable Lösung gefunden, kündigte er an.
Der Referatsleiter des europäischen WHO-Zentrums Michal Krzyzanowski sagte, ein gesetzliches Verbot sei richtig und notwendig, um Besucher und Mitarbeiter von Restaurants besser vor Passivrauchen zu schützen. Er verwies in der «Berliner Zeitung» auf Untersuchungen, wonach der Anteil gesundheitsschädigender Feinstaubpartikeln in der Kneipenluft durch ein Rauchverbot um bis zu 96 Prozent sinken könne. Die Häufigkeit von Hals-, Nasen- und Augenleiden bei Gastronomiemitarbeitern nehme um 80 Prozent ab.
Zudem gebe es positive Erfahrungen in anderen europäischen Ländern. So hätten die Iren mit ihrer Pub-Kultur das Rauchverbot in Gaststätten nur zu 46 Prozent unterstützt. Heute seien 96 Prozent dafür. Ähnlich hoch sei die Zahl der Befürworter in Italien. Auch sei das Geschäft der Gastwirte nicht nennenswert eingebrochen.
Hoppe erklärte, ein Verbot könne der Gastronomie sogar neue Kundenschichten erschließen: «Die Bundesärztekammer wird immer wieder gerade von Patienten mit Erkrankungen der Atemwege oder mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko gebeten, in ihren Bemühungen für eine rauchfreie Gastronomie nicht nachzulassen, damit auch ihnen endlich wieder der risikofreie Zugang zu Orten des öffentlichen Lebens, wie Restaurants oder Gaststätten, möglich ist.»
Der Chef der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, sagte dem «Münchner Merkur», er halte nichts davon, flächendeckende Zwangsmaßnahmen auf Gaststätten auszuweiten. Dies könne nur das allerletzte Mittel sein. Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU) erklärte, der Bund solle zunächst auf Freiwilligkeit setzen. Allerdings forderte Singhammer auch mehr Initiative vom Hotel- und Gaststättenverband: Vor allem der Schutz von Kindern als Passivraucher müsse mehr Bedeutung bekommen. Hier seien die Gaststätten in der Verantwortung.
Seehofer hatte mangelnde Fortschritte bei der Umsetzung der Selbstverpflichtung durch den Gaststättenverband beklagt und eine Erweiterung des für 2007 geplanten Rauchverbots auf Gaststätten zur Diskussion gestellt. Vor allem in der Union regt sich gegen eine solche Ausweitung Widerstand. Das Gastgewerbe hat sich in einer Zielvereinbarung mit dem Bundesgesundheitsministerium verpflichtet, innerhalb eines Stufenplans bis zum 1. März 2008 in mindestens 90 Prozent der Speisebetriebe mindestens 50 Prozent des Platzangebots für Nichtraucher bereitzustellen.
(AP)
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