Aktuelle Nachrichten – International
19.12.2006
Washington/Bagdad – Angesichts der ausufernden Gewalt im Irak wird in den USA auch verstärkt über eine vorübergehende Aufstockung der Truppen diskutiert. Laut einem Pentagon-Bericht hat die Anzahl der Anschläge den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht: Allein im Zeitraum von August bis November erhöhte sich die durchschnittliche Zahl der Anschläge pro Woche im Vergleich zu den Monaten davor um fast ein Viertel. Am schlimmsten sei die Lage in Bagdad und der westlichen Provinz Anbar, einer Hochburg der aufständischen Sunniten.
Das Weiße Haus erklärte am Dienstag, die Erhöhung der Zahl der US-Soldaten im Irak sei eine Möglichkeit, um die Gewalt in den Griff zu bekommen. Eine Entscheidung habe Präsident George W. Bush aber noch nicht getroffen, sagte sein Sprecher Tony Snow. Es werde zwar gelegentlich unterstellt, dass „es schon Marschbefehle gibt“, sagte Snow, Bush werde seine Entscheidung aber erst im Januar bekannt geben.
Auch der neue Verteidigungsminister Robert Gates äußerte sich noch nicht dazu, wie er sich die weitere Irak-Politik vorstellt. Er machte bei seiner Amtseinführung am Montagabend klar, dass sich zunächst die Lage vor Ort zum Positiven entwickeln müsse, bevor an einen Truppenabzug zu denken sei. Alle wollten einen Weg finden, „Amerikas Söhne und Töchter nach Hause zu holen“, sagte Gates. Doch wäre ein Scheitern der USA im Irak „ein Desaster, das unsere Nation noch lange verfolgen, unsere Glaubwürdigkeit lähmen und das Leben aller Amerikaner auf Jahrzehnte hinaus gefährden würde“.
Der Pentagonbericht zur Lage im Irak wurde am Montagabend wenige Stunden nach der Vereidigung von Gates vorgelegt. Eine genaue Anzahl der blutigen Übergriffe wurde darin nicht genannt. Zuletzt hatte das Verteidigungsministerium jedoch von durchschnittlich 959 Anschlägen pro Woche berichtet. Der irakischen Regierung wird in dem jetzt vorgestellten Bericht Unfähigkeit vorgeworfen, ein Ende der Gewalt herbeizuführen. Deshalb drohe weiterhin ein Bürgerkrieg. Die politische Führung in Bagdad wird zu Dringlichkeitsmaßnahmen aufgerufen, um einen gesellschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern.
In Bagdad überfielen Bewaffnete in Militäruniformen am Dienstag eine Bank und erbeuteten nach Polizeiangaben mehr als eine Million irakische Dinar (rund 540.000 Euro). Die Angreifer fuhren in vier Autos vor, schossen in die Luft und überwältigten die Wachleute. In der Vorhalle überfielen sie Angestellte des Industrieministeriums, als diese gerade das Gebäude verlassen wollten. Die Angreifer konnten fliehen. Es war bereits der zweite Bankraub dieser Art binnen acht Tagen. Am 11. Dezember wurden in Bagdad eine Million US-Dollar (rund 760.000 Euro) erbeutet. Die Täter waren ebenfalls als Soldaten verkleidet.
Die US-Streitkräfte in Bagdad gaben den Tod eines weiteren Marineinfanteristen bekannt. Damit sind im laufenden Monat bereits 61 US-Soldaten im Irak ums Leben gekommen. Die Gesamtzahl seit Kriegsbeginn im März 2003 erhöhte sich nach einer Bilanz der Nachrichtenagentur AP auf 2.950. Das Parlament in Estland stimmte am Dienstag zu, den Einsatz eines 40 Soldaten starken Kontingents im Irak zu verlängern.
(AP)
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