Brüssel - Nach monatelanger Übernahmeschlacht kann der weltgrößte Stahlkonzern Mittal den Branchenzweiten Arcelor schlucken: Der Luxemburger Arcelor-Konzern akzeptierte am Sonntag das Übernahmeangebot des britisch-indischen Branchenführers. Das teilte Arcelor am Abend nach Vorstandsberatungen mit. Arcelor hatte zuvor zwei Mittal-Angebote als zu niedrig zurückgewiesen und einer Fusion mit dem russischen Konzern Severstal den Vorzug gegeben.
Das «Wall Street Journal» berichtete zuvor unter Berufung auf informierte Kreise, Mittal habe sich zur Zahlung von weiteren 3,3 Milliarden Euro in bar bereit erklärt. Das vorherige Angebot sei damit im Vergleich zum letzten Kurs der Arcelor-Aktien um fünf Euro pro Wertpapier angehoben worden. Die Führung beider Unternehmen habe den neuen Konditionen zugestimmt, hieß es weiter.
Der Fernsehsender CNBC und die Zeitung «Times of India» berichteten, der neue Konzern werde Arcelor Mittal heißen und von Mittal-Chef Lakshmi Mittal und dem Arcelor-Vorsitzenden Joseph Kinsch gemeinsam geführt werden. Die Aktionäre sollen am Freitag über die Übernahme abstimmen.
Bereits vergangenen Freitag hatte Mittal die Übernahme-Gespräche mit Arcelor als fortgeschritten bezeichnet. «Wir können bestätigen, dass die Diskussionen mit Arcelor fortgeschritten und konstruktiv verlaufen», erklärte der Konzern, der bereits seit Anfang des Jahres versuchte, die Nummer zwei der Branche zu schlucken. Arcelor hatte das Angebot von 25,8 Milliarden Euro zunächst abgelehnt. Der russische Stahlkonzern OAO Severstal hatte dem Luxemburger Unternehmen als Alternative eine Fusion angeboten. Severstal-Boss Alexej Mordaschow wollte 25 Prozent der Arcelor-Aktien übernehmen.
In der Stahlbranche wird indes mit einer weiteren Konzentration der Stahlkonzerne gerechnet. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Deutschland, Dieter Ameling, sagte jüngst, in der Stahlindustrie sei neben den Marktführern Arcelor und Mittal Platz für einen dritten Megakonzern. «Weltweit könnte es durchaus einen dritten Anbieter geben, der so groß ist wie die beiden jetzigen Marktführer.»
(AP)
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