Aktuelle Nachrichten – Umwelt
02.07.2012
Foto: JOHANNES SIMON/AFP/Getty Images)
München – Die Gletscher in den bayerischen Alpen werden infolge des Klimawandels in 20 bis 30 Jahren womöglich verschwunden sein. Nach den Ergebnissen des ersten bayerischen Gletscherberichts stieg die Temperatur in den Alpen in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten um rund zwei Grad. Das sei fast doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt, warnte Umweltminister Marcel Huber (CSU) am Montag in München. An einem heißen Sommertag verlören die Gletscher schon jetzt bis zu 35 Millionen Liter Wasser. In den nächsten 90 Jahren solle sich die Temperatur sogar um drei bis sechs Grad erhöhen. "Das ist eine Dimension, die man sich fast nicht vorstellen kann", sagte Huber. Mit der Schmelzung würde nicht nur ein Naturwunder verloren gehen, sondern auch wichtiger Lebensraum.
Huber kündigte an, der Freistaat werde in den kommenden fünf Jahren mehr als eine Milliarde Euro für die Energiewende und den Klimaschutz aufbringen. Mit einem Vier-Punkte-Plan würden nachhaltige Klimaschutzpolitik, -anpassung, -forschung und individuelle Maßnahmen angegangen. Huber forderte mehr finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung. "Der Bund darf sich nicht nur um seine Küsten kümmern, auch die Alpen sind ein Ort, für den man sich finanziell mehr einsetzen müsste", sagte er. Der Gletscherbericht sei dafür eine gute Grundlage.
Der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins (DAV), Ludwig Wucherpfennig, hob die besondere Verantwortung der Bergsportler für den Erhalt der Gletscher hervor. "Gemeinsam für einen sanften Bergtourismus sorgen, das ist unser Anliegen", sagte er. Ansonsten sei zu befürchten, dass der bayerische Gletscherbericht in 20 Jahren nur noch "ein nostalgischer Rückblick" sei, weil es dann keine Gletscher mehr gebe.
Die SPD-Landtagsfraktion kritisierte unterdessen, die Staatsregierung habe in den vergangenen 30 Jahren nicht genügend für den Klimaschutz getan. SPD-Umweltexperte Ludwig Wörner mahnte, die Gletscherschmelze sei nicht aufzuhalten, indem immer mehr Schneekanonen in Bayern installiert würden. Stattdessen müsse konsequentes Handeln zum Schutz des Klimas auf der täglichen Agenda stehen. Es müsse sichergestellt werden, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte sich nicht fortsetze, forderte Wörner.
Grünen-Umweltexperte Ludwig Hartmann nahm Huber in die Pflicht: "Wir begrüßen es, wenn der Umweltminister den Kampf gegen den Klimawandel weiter verstärken will. Dann soll er sich aber auch an der eigenen Nase fassen und nicht nur den Einzelnen oder den Bund in die Pflicht nehmen." Der Freistaat Bayern müsse einen eigenen Beitrag leisten, endlich die Verkehrspolitik ändern und die Energiewende vorantreiben.
(dapd)
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