Aktuelle Nachrichten – Panorama
05.06.2011
Foto: moritz rothacker/Pixelio
Berlin – Unzählige Füße tapsen aus dem Bett, in Ost und West gähnen unzählige Menschen, Zahnbürsten werden betätigt, Zahnklammern eingesetzt, und die Rasierklinge zieht blutige Spuren: die Filmkompilation "Life in a Day" beweist, dass morgens jeder Erdenbürger ein Grobmotoriker ist.
Seit Jahren stellen Menschen freiwillig Szenen aus ihrem Leben bei YouTube ein. Regisseur Kevin Macdonald ("Der letzte König von Schottland"), der 2000 für die Dokumentation "Ein Tag im September" über die Geiselnahme während der Olympischen Spiele in München einen Oscar erhalten hatte, ließ sich von der weltweiten Internetgemeinde inspirieren. Er machte sich die Kreativität der Filmamateure zunutze und startete ein bis jetzt einmaliges Projekt.
Am 24. Juli 2010 sollten YouTube-Nutzer ihren Tag dokumentieren. Mit 81.000 Einsendern aus 197 Ländern nahmen weit mehr Menschen als erwartet an dem Projekt teil. Die Filmcrew musste 24 fremdsprachige Sichter organisieren, welche das "Best of" des Materials nach einem Fünf-Sterne-System herausfischten. Es gab noch einen "sechsten Stern - für Clips, die so schlecht waren, dass sie schon wieder gut waren".
Unter der Ägide der Produzenten Ridley Scott ("Blade Runner") und Tony Scott ("Top Gun") entstand ein globales Tagebuch – ein berührendes Panorama von teils lustigen und skurrilen, vor allem aber bewegenden Momenten.
Die Auswahl, das Timing und die Komposition der Filmschnipsel ist sowohl chronologisch geordnet – vom norwegischen Polarlicht und vom chinesischen Nachtmarkt am frühen Morgen bis zu abendlichen Beichten der Teilnehmer bei der Heimfahrt – wie auch nach simplen Fragen, etwa "Was macht dir am meisten Angst", oder "Was hast du in deiner Tasche".
Der glücklichste Mann ist sicherlich jener, der einen Lamborghini-Schlüssel aus der Tasche zieht. Die lustigste Szene ist jene, in der ein Mann eine Geburt filmt und umkippt. Und die am schwersten verdaulichen Kurzfilme sind die Streiflichter von der Katastrophe bei der Loveparade. Bei der Massenpanik am 24. Juli vergangenen Jahres waren 21 Menschen gestorben, mehr als 500 Personen wurden verletzt.
Als rote Fäden wählten die Filmemacher den Bericht eines Koreaners, der die Welt mit dem Fahrrad umkreist, eine Truppe russischer Ziegenhirten, und eine Frau, die von ihrem Mann neun Stunden nach ihrer schweren Krebsoperation gefilmt wurde. Seither empfindet sie ein Gefühl der Verbundenheit mit den anderen Teilnehmern, erzählte die Familie auf der diesjährigen Berlinale. Dort war die Dokumentation in der Panorama-Sektion gelaufen.
("Life in a Day", Dokumentation, Großbritannien 2010, 98 Minuten, FSK: 6, Verleih: Rapid Eye Movies HE, Regie: Kevin Macdonald, Mit: Cindy Baer, Matthew T. Irving, Caryn Waechter, Mojca Brecelj u.a.)
Kinostart: 9. Juni 2011
(dapd)
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