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Aktuelle Nachrichten – Technik

Glos erklärt Kernkraft zum „wesentlichen Element“ in Energiekonzept

DAPD

23.05.2007

Das Kernkraftwerk Biblis am 23. Januar 2006. In der Klimadebatte gerät der Atomausstieg immer heftiger unter Beschuss.  (AP Photo/Michael Probst)
Das Kernkraftwerk Biblis am 23. Januar 2006. In der Klimadebatte gerät der Atomausstieg immer heftiger unter Beschuss. (AP Photo/Michael Probst)

Berlin – In der Klimadebatte gerät der Atomausstieg immer heftiger unter Beschuss. Wirtschaftsminister Michael Glos verlangte am Mittwoch erneut längere Laufzeiten für die 17 deutschen Meiler und erklärte die Kernkraft zu einem „wesentlichen Element“ seines Energiekonzepts. Dies will Glos beim Energiegipfel am 3. Juli auf die Tagesordnung setzen. Auch die Strombranche forderte eine Abkehr vom Ausstieg, um die Klimaziele kostengünstig zu erreichen. Von der SPD kam aber erneut eine glatte Absage.

Glos appellierte in einem Grundsatzreferat vor dem Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) an den Koalitionspartner: „Ich meine, wir brauchen eine Revolution in den Köpfen, um alte und falsche Beschlüsse wie den zum Kernenergieausstieg umzustoßen.“ Mit längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke seien viele Probleme leichter zu lösen. Vorteil wäre, dass man Verbraucher und Stromwirtschaft nicht mit dem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und der erneuerbaren Energien „überfordern“ müsste. Außerdem könnte man beim Netzausbau sparen.

SPD-Energieexperte Ulrich Kelber meinte, damit entlarve Glos seine Politik. Der Minister wolle einigen wenigen Monopolisten die Nutzung der Hochrisikotechnologie Atom sichern, während der Ausbau der wirklich umweltfreundlichen, kleineren Kraftwerke verlangsamt werden solle. Dabei begrenze Vielfalt bei der Erzeugung auch die Strompreise. „Glos bleibt Freund der Monopole und der überhöhten Monopolpreise“, sagte Kelber. „Diese Politik wird er nicht durchsetzen können. Das ist mit der SPD nicht zu machen.“

Glos meinte hingegen die Ausbauziele der Umweltpolitiker für Ökoenergie und Kraft-Wärme-Kopplung seien wegen der „gewaltigen Kosten“ zu ehrgeizig. Zwar gebe es bei Geothermie, kleinen Wasserkraftwerken und bei Biomasse noch Ausbaupotenzial. Man müsse sich aber fragen, wie der Ausbau gelinge, „ohne dafür den Bürgern ständig in die Taschen zu greifen“, sagte Glos. Dies gelte auch für die Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Strom und Wärme gleichzeitig genutzt werden.

Glos plädierte für eine langfristige Nutzung der wegen hoher Kohlendioxidwerte umstrittenen Braunkohle. „Es kann nicht sein, dass wir neben der Kernenergie auch noch diesen zweitwichtigsten Energieträger der Grundlast in Frage stellen“, sagte der Minister. Er sprach sich für die Nutzung der so genannten sauberen Kohletechnik CCS aus. Zunächst müsse man aber prüfen, ob sie funktioniert.

Strombranche hofft auf saubere Kohle

Auch der VDEW setzt auf die forcierte Entwicklung der Kohlendioxid-Abscheidung. Denn mit derzeitiger Technik ist die einheimische Kohle wegen der schlechten CO-2-Werte auf dem absteigenden Ast, wie aus einer Studie zum „Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzept 2030“ hervorgeht. Mit der CCS-Technik kann der Ausstoß von Kohlendioxid um rund 70 Prozent vermindert werden. Die Technik ist aber noch nicht marktreif. Sie könnte sich der Studie zufolge ab 2020 rechnen, sofern die Preise für Öl und Gas wie erwartet weiter stark steigen.

Bei der Kernenergie hieb der Stromverband in die selbe Kerbe wie Glos. Auch VDEW-Chef Werner Brinker forderte die längere Nutzung der 17 deutschen Atommeiler, weil dies den Klimaschutz preiswerter mache und den Anstieg der Strompreise begrenze. Für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung forderte Brinker überarbeitete Förderkonzepte.

http://www.strom.de/ (AP)

 

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