Menschen & Meinungen – Götz George - Der Schauspieler der Nation – Wolfgang Hübner
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Porträt Götz George - Der Schauspieler der Nation

Wolfgang Hübner

18.07.2008

Götz George als Schlomo Herzl stellt am 15. Mai 2007, in Zittau eine Szene des Filmes "Mein Kampf" nach George Tabori dar. (AP Photo/Matthias Rietschel)
Götz George als Schlomo Herzl stellt am 15. Mai 2007, in Zittau eine Szene des Filmes "Mein Kampf" nach George Tabori dar. (AP Photo/Matthias Rietschel)

Frankfurt/Main – Schon viele Söhne sind daran gescheitert, einem berühmten Vater nachzueifern, ihn gar zu übertreffen. Götz George, der am Mittwoch 70 Jahre alt wird, hat es hingegen vermocht, in seiner Karriere aus dem Schatten seines legendären Vaters Heinrich George erst heraus zu treten und dann zu völlig eigenständigen Ruhm zu gelangen. Am 23. Juli feiert nicht nur ein berühmter Künstler Geburtstag, Deutschland feiert an diesem Tag auch einen seiner bedeutendsten Schauspieler.

Diesen Rang hat sich George in 59 Berufsjahren trotz Rückschlägen und Enttäuschungen mit zäher Arbeit und dem Charisma des sensiblen Kraftpakets erworben. Auch die guten Gene seiner populären Eltern mögen daran ihren Anteil haben. Denn Georges Mutter Berta Drews gehörte wie ihr nach Kriegsende tragisch umgekommener Mann Heinrich zu den Größen der darstellenden Kunst in Deutschland. Der Sohn verdankt ihr viel. Er hat ihr, die ihn bis zu ihrem Tod „Putzi“ nannte, auch viel gegeben. Vor allem aber hat er – und tut es immer noch – unzählige Theaterbesucher sowie Millionen vor den Leinwänden und vor den Bildschirmen begeistert mit seinem Können.

Wie kein anderer verkörpert der gebürtige Berliner sechs Jahrzehnte nationaler Filmgeschichte. Elfjährig erstmals noch lispelnd auf der Bühne, Filmdebüt mit Fünfzehn, im Fernsehen Dauergast seit 1964 – George ist für Generationen von Deutschen mit Erinnerungen und Lebensgefühl verbunden. Im Gegensatz zu dem in einem kommunistischen Straflager gestorbenen Vater, lange genug auch Übervater für Götz, war es dem Sohn vergönnt, seine sorgfältig ausgebildete Kunst zu immer größerer Souveränität reifen zu lassen. Es ist im Rückblick kaum zu glauben, dass das einst – zwischen 1968 und 1981 – ganz anders war.

Damals lag die deutsche Filmindustrie, die seit 1953 auf den anfangs recht pummeligen Prominentensohn setzte, am Boden. Autorenfilmer wie Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder hatten für den Absolventen des UFA-Nachwuchsstudios keine Verwendung, weil er nach ihrem Geschmack in zu vielen verpönten Filmen von „Opas Kino“ – von Melodramen bis zu den sagenhaft erfolgreichen Karl-May-Streifen – mitgewirkt hatte. Doch 1977 ließ George als KZ-Kommandant Rudolf Höss in Theodor Kotullas „Aus einem deutschen Leben“ ahnen, zu welcher Darstellungskraft er fähig war. Ab 1981 war George dann wieder groß im Geschäft: Als „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski wurde er zum einzigen wirklichen Superstar des deutschen Films und Fernsehens.

„Mit dem Leben gespielt“

Als gesellschaftskritischer „Bulle mit Herz“ spielte sich George ins Herz der Nation, zudem entsprach diese Figur ideal dem damaligen Zeitgeist. Der Schauspieler zeigt „Schimmi“ als Kraftpaket im ständigen Überdruck, aber auch mit Tiefgang, sensibel, verletzlich und oft genug auch schlicht sentimental. Ein Jahrzehnt später, in Helmut Dietls Medienkomödie „Schtonk“, konnte George beweisen, welch großer, in vielen Bühnenauftritten gereifter Komödiant er ist. Und in Romuald Karmakars Film „Der Totmacher“ schuf er eine beklemmende Charakterstudie des Massenmörders Fritz Haarmann.

Es war ein weiter Weg vom Kinodebüt als netter Junge an der Seite der zwei Monate jüngeren Romy Schneider in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ über den Helden von „Der Schatz im Silbersee“ bis zu so komplexen Rollen wie die Verkörperung des KZ-Arztes Josef Mengele oder diejenige des zum Ehefrau-Mörders gewordenen Boxidols Bubi Scholz. Auf eine im Rückblick fast folgerichtige, tatsächlich aber sich in Brüchen vollziehende Weise ist Götz George mit preußischen Tugenden in sechs Jahrzehnten vor dem Publikum zum repräsentativen Darsteller der Nation, zum Schauspieler der Deutschen geworden.

Sein Privatleben hat George stets vor der Öffentlichkeit abzuschirmen versucht. Bis zu ihrem Tod 1987 blieb Mutter Berta Drews die wichtigste Frau im Leben des von weiblichen Fans massenhaft begehrten Stars. Von 1966 bis zur Scheidung 1976 war George mit der Kollegin Loni von Friedl verheiratet, die gemeinsame Tochter Tanja-Nicole stammt aus dieser Ehe. Tanja-Nicole lebt seit 1989 in Australien, hat Dokumentarfilme gemacht und arbeitet auch als Bildhauerin. Ein schwerer Badeunfall im Sommer 1996 in Georges Ferien- und Rückzugsdomizil Sardinien sowie die Trennung von einer langjährigen Lebensgefährtin, die über ihr Zusammenleben mit dem Schauspieler intime Details preisgab, sorgten dann doch für jene Schlagzeilen, die George so zuwider sind.

Denn er ist nach eigenem Bekenntnis stolz darauf, „dass ich es in diesem Land ohne Skandale, ohne Kloppereien, ohne Besäufnisse, Drogen und wilde Partys so weit gebracht habe.“ Seit einigen Jahren ist Georges Lebensgefährtin die Tanzlehrerin und Journalistin Marika Ullrich, von der er gesagt hat: „Ich bin glücklich, so eine starke Frau an meiner Seite zu haben.“ Kürzlich ist die erste von ihm selbst autorisierte Biografie publiziert worden, der Untertitel lautet: „Mit dem Leben gespielt“. Götz George hat mit vollem Einsatz seines wohltrainierten Körpers, aber auch mit rastlosem Geist und perfekter Professionalität in unzähligen Rollen stets alles gegeben. Er wird es hoffentlich noch lange tun. (AP)

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