Aktuelle Nachrichten – Deutschland
20.07.2011
Foto: AP Photo/Thomas Kienzle
Berlin – Gut 1.600 US-Dollar zahlt, wer sich eine Feinunze Gold, gerade mal 31 Gramm, ins Portfolio holen möchte. Der Preis des edlen Metalls klettert und klettert. Und unter der Erde liegt auch in Deutschland immer noch Gold. Es gibt sogar Orte, die das Edelmetall im Namen führen. Aber fördern will es niemand mehr.
In Goldkronach im Fichtelgebirge wurde seit 1365 mit einigem Erfolg nach dem glänzenden Rohstoff geschürft. Ende des 18. Jahrhunderts hatte das nahegelegene Bayreuth einen inzwischen weltberühmten Oberbergmeister: Alexander von Humboldt. Der schrieb im Januar 1794 fast im Goldrausch: "In Goldkronach besonders bin ich glücklicher, als ich es je wagen durfte zu glauben."
Humboldt hatte 200 Jahre alte Akten gefunden und studiert. Ergebnis: Nachdem acht Jahre lang mit 14.000 Gulden Investitionen "kaum 3.000 Zentner gefördert" worden seien, schaffte er 1793 "allein mit 9 Mann 2.500 Zentner Golderze, die kaum 500 Gulden kosten". Wohlgemerkt, dabei geht es um das goldhaltige Erz. Wie viel Gramm Gold der Zentner (50 Kilogramm) Erz barg, ließ er offen. Heute wird der Gehalt mit einem bis elf Gramm Gold pro Tonne (1.000.000 Gramm) Erz, das noch im Berg schlummert, angegeben.
In den 1920er Jahren versuchte eine Bergbaugesellschaft namens Fichtelgold AG zum bisher letzten Mal, rentabel Gold zu schürfen. Sie erzielte laut Bergbaumuseum Goldkronach zwar "eine ertragreiche Förderung, aber eine sehr unrentable Aufbereitung". Könnte sich das angesichts der Goldpreisexplosion und des technischen Fortschritts zum Besseren entwickelt haben? Der zeitgenössische Amtsnachfolger Humboldts, der Leiter des Bergamts Nordbayern, Christopher Dammer, winkte ab: "Die Vorkommen, die leicht abzubauen sind, haben unsere Altvorderen schon abgegrast", sagte er und entwarf ein Szenario gewaltiger Chemiefabriken zur Aufarbeitung des Erzes, was dem Tourismus als derzeit größter Einnahmequelle des Fichtelgebirges nicht gerade dienlich sein dürfte.
Dabei waren es oft nicht erschöpfte Vorräte, sondern äußere Einflüsse, die die neuzeitlichen Goldgräber ernüchterten. Der Geologe Thomas Krassmann berichtete vor einigen Monaten in der Fachzeitschrift "Glückauf", dass die moderne Erschließung des Eisenberges nahe dem nordhessischen Korbach "trotz durchaus interessanter Ergebnisse" 1981 von einer nordamerikanischen Firma nicht weitergeführt wurde, "gerüchteweise weil die Kanadier der Meinung waren, dass das Gebiet östlich des Rheins mittelfristig durch einen bevorstehenden russischen Militäreinmarsch bedroht" sei.
Einen einzigen Goldrausch in Deutschland haben Krassmanns Nachforschungen zutage gefördert: 1896 bis 1898 im Raum Born-Recht. Die Lokalisierung "auf deutschem Boden" schränkte der Forscher aber selbst ein. "Das Gebiet um Eupen und Malmédy gehörte damals zu Deutschland." Heute ist es Teil Belgiens. Insgesamt sprach Krassmann von einem "sowohl aus kulturhistorischer als auch wirtschaftlicher Sicht hochinteressantem Thema". Einige Lagerstätten hätten "auch heute noch Explorations- und Entwicklungspotenzial".
Tatsächlich wird zurzeit nirgends in Deutschland Gold gefördert. Es könnte höchstens als "Beifang" mit ans Tageslicht kommen. Etwa in einem der berühmtesten deutschen Bergbaureviere, dem Westharz. Dort steht eine unauffällige Bohrmaschine. Hier nahe dem Rammelsberg bei Goslar, der wegen seiner Bergbautradition zum Weltkulturerbe erhoben wurde, hat die Harz Minerals GmbH, Tochter eines dänischen Konzerns, sozusagen den Claim abgesteckt. Ihr Consultant Eckart Walcher winkte ab, als er nach einem neuen Goldrausch gefragt wurde: "Völliger Unsinn." Nur Dilettanten orientierten sich am Tagespreis.
Die Bohrer im Tal zwischen Goslar und Clausthal sollen berechenbare Erkenntnisse über die Rohstoffvorkommen in der "Goseltaler Anomalie" in bis zu 800 Meter Tiefe geben. Da geht es aber nicht um Gold, sondern "Bleiglanz, Zinkblende, Kupferkies und Baryt" würden dort vermutet, sagte Walcher. Gold ist "nicht direkt sichtbar". Das Edelmetall habe sich auch früher als Nebenprodukt erst "im Hüttenprozess" gezeigt.
Walcher äußerte die Erwartung einer grundlegenden "Wiederbelebung des Bergbaus im Harz". Die Rohstoffindustrie generell müsse eher antizyklisch vorgehen, als auf die Tagespreise zu achten. Ohnehin ist die Wiederbelebung noch in einem sehr frühen Stadium. Zunächst müssten die Vorkommen "qualitativ, quantitativ und räumlich" genau beschrieben werden. Daraus entstehe dann eine Machbarkeitsstudie. Erst nach der Studie könne der Wert der Vorkommen bestimmt werden und damit den Banken vorgelegt werden, damit sie Kredite vergeben. Bis zur Studie dauere es knapp fünf Jahre. Fünf Jahre, in denen die Rohstoffpreise allgemein unvorhersehbare Kapriolen schlagen können. Ein Goldrausch ist sicher nicht zu erwarten. (dapd)
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