Kultur – Goldschatz und Römerschiffe – Elmar Stöttner
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Goldschatz und Römerschiffe

Elmar Stöttner

02.06.2006

Der Keltenschatz von Manching mit 483 Goldmünzen und einem großen Goldklumpen, der als größter Goldfund aus der Keltenzeit gilt, der im 20. Jahrhundert geborgen werden konnte. (AP Photo/Archäologische Staatssammlung München)
Der Keltenschatz von Manching mit 483 Goldmünzen und einem großen Goldklumpen, der als größter Goldfund aus der Keltenzeit gilt, der im 20. Jahrhundert geborgen werden konnte. (AP Photo/Archäologische Staatssammlung München)

Manching - Wenn der Altbayer vom «Foam» spricht, dem Schaum auf einem süffigen Bier, dann lässt er sich ein keltisches Wort auf der Zunge zergehen. Aber auch die Namen Isar und Donau, Bayern und Böhmen gehen auf keltische Wurzeln zurück. Diesem großen europäischen Volk, dessen Sprachen einst von Lissabon bis Ankara gesprochen wurde, setzt die Archäologische Staatssammlung des Freistaats nun mit dem neuen Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching ein eindrucksvolles Denkmal.

Das Museum liegt malerisch am Fluss Paar an besonders geschichtsträchtiger Stelle: Manching bei Ingolstadt war vor 2.200 Jahren eine Keltenhochburg und Handelsmetropole mit europaweiten Wirtschaftsbeziehungen. «Mit diesem Museum wird der breiten Öffentlichkeit erstmals die europäische Bedeutung der Keltenstadt Manching vermittelt», sagte Museumsdirektor Wolfgang David.

Beim Eröffnungsfest am (morgigen) Samstag und Pfingstsonntag sollen Alltag, Handwerkskünste und Kriegstechnik der Antike wiederaufleben. Geschichtsbegeisterte mimen keltische Reiter oder römische Gladiatoren, musizieren auf der Carnyx, einem keltischen Blasinstrument, oder stellen Glas- und Bronzeschmuck her.

Sieben Millionen Euro haben Kommune, Landkreis und Freistaat in das neue Museum investiert. Zu den Schätzen in dem 100 Meter langen Bau zählen 483 Goldmünzen, Regenbogenschüsseln und ein Baum mit Blättern aus Goldblech, der wohl keltischen Priestern bei Kulthandlungen diente, aber auch Zeugnisse der Römer - der Feinde und Überwinder der Kelten. Im Schlick eines Donau-Nebenflusses hatten sich zwei 15 Meter lange römische Segel- und Ruderschiffe aus der Zeit um 100 nach Christus erhalten, mit denen römische Soldaten einst auf Patrouillenfahrt gingen an der nassen Nordgrenze ihres Reichs.

Vorliebe für Schweinebraten à la Obelix

Die in Jahrzehnten intensiver Forschung ans Tageslicht gebrachten Funde belegen, dass die Kelten tatsächlich so ähnlich waren, wie sie aus den Geschichten von Asterix und Obelix bekannt sind: Schnauzbärtig, verträumt und verwegen zugleich. Sie hatten eine Vorliebe für Schweinebraten und bunte Schottenrock-Stoffe, für melancholische Lieder, für selbstbewusste Frauen, fürs Fabulieren und für Trinkgelage. Sie bauten die schnittigsten Streitwagen und fertigten die kunstvollsten Glas-Armringe. Als keltisches Erbe lebt vieles davon bis heute fort bei ihren Nachfahren zwischen Irland und Bayern.

Weniger bekannt ist, dass die Kelten ab etwa 300 vor Christus, nach der Begegnung mit den Mittelmeer-Kulturen, eine städtische Zivilisation aufbauten: Zwischen Iberischer Halbinsel und dem Karpatenbogen in Rumänien entstanden große Städte, die man mit einem Wort der Römer Oppida nennt. Um 140 vor Christus erlebte das Oppidum von Manching seine Blütezeit: Eine knapp acht Kilometer lange und etwa sieben Meter hohe Stadtmauer schützte ein 380 Hektar großes Areal mit Wohnvierteln und Handwerkerquartieren, mit Gemeinschaftsbauten, öffentlichen Einrichtungen und einem Hafen an der Donau. Die Kelten-Metropole, Hauptstadt des Stammes der Vindeliker, war damit größer als Nürnberg in der Dürer-Zeit oder München noch im 18. Jahrhundert. Leitwährung waren Goldmünzen wie die aus dem Manchinger Schatz. Neben solchen Kelten-Euros hinterließen antike Händler in Manching Münzen aus vielen Ländern.

http://www.museum-manching.de/

 

(AP)

 

 

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