Aktuelle Nachrichten – Deutschland
24.01.2011
Foto: apn Photo/Axel Heimken
Kiel – Auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" werden seit mehr als 50 Jahren die Offizier- und Unteroffizieranwärter der Deutschen Marine ausgebildet. Seit der Indienststellung im Dezember 1958 haben bereits mehr als 14.500 Offiziere an Bord der Dreimast-Bark das seemännische Handwerk erlernt.
85 Männer und Frauen bilden die Stammbesatzung, hinzu kommen bis zu 138 Lehrgangsteilnehmer. Auf dem Segler sollen die Kadetten neben den Grundlagen des seemännischen Handwerks vor allem Teamgeist entwickeln. "Nirgendwo sonst wird die menschliche Abhängigkeit voneinander so deutlich zur Gewissheit, wie in den Rahen der Gorch Fock bei einer Sturmfahrt", heißt es auf der Internetseite der Marine.
Während der mehr als 150 Ausbildungstörns gab es mehrere tödliche Unfälle. Zuletzt stürzte am 7. November eine 25 Jahre alte Offizieranwärterin aus der Takelage 27 Meter tief in den Tod. Anschließend gab es auf dem Schiff einen schweren Vorfall, der mehreren Soldaten den Vorwurf der Meuterei einbrachte. Kurze Zeit später wurde erstmals in der Geschichte des Schiffs ein Lehrgang abgebrochen und die Soldaten nach Hause geflogen. Schiffskommandant Norbert Schatz wurde inzwischen von seinen Pflichten entbunden. Die Todesumstände der Kadettin soll ab Donnerstag ein Expertenteam untersuchen.
Das Segelschulschiff der Marine ist nicht das erste Schiff, das den Namen "Gorch Fock" trägt. Auf der "Gorch Fock I" wurden ab 1933 schon Seekadetten ausgebildet. Benannt wurde sie nach dem Hamburger Schriftsteller Johann Kinau. Er verfasste unter dem Pseudonym "Gorch Fock" volkstümliche Erzählungen. Sie hatten oft mit der Seefahrt zu tun. Kinau starb am 31. Mai 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak beim Untergang des Kreuzers "Wiesbaden".
Die "Gorch Fock I" wurde 1945 von der eigenen Besatzung vor Stralsund versenkt. Drei Jahre später bargen die Sowjets das Segelschiff und setzten es als "Towaritsch" wieder instand. Ab 1999 lag das inzwischen marode Schiff vier Jahre in Wilhelmshaven fest, dann übernahm der deutsche Verein Tall Ship Friends den Windjammer und überführte ihn nach Stralsund. Dort ist es heute als Museumsschiff zu besichtigen.
1958 lief die zweite "Gorch Fock" wie bereits das erste Schiff bei der Hamburger Werft Blohm & Voss vom Stapel. Die erste Ausbildungsfahrt führte sie von Kiel nach Santa Cruz de Tenerife und zurück. Mittlerweile machte das Schiff in 180 Häfen auf fünf Kontinenten fest und legte während seiner Reisen mehr als 740.000 Seemeilen zurück. Das entspricht fast 34 Erdumrundungen. Die längste Reise ging im März 1997 zu Ende. 342 Tagen segelte das Schiff um die Welt und bewältigte dabei 35.884 Seemeilen. Erst vor Kurzem umrundete der Segler erstmals Kap Horn, die legendäre Südspitze Lateinamerikas.
Derzeit liegt das Schiff vor dem argentinischen Ushuaia vor Anker und wartet auf die Ankunft einer Untersuchungskommission. Nach Abschluss der Untersuchungen soll das Schiff seinen Heimathafen Kiel ansteuern und dort einstweilen verbleiben. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat das Schiff bis zur Klärung der Vorwürfe aus der Fahrbereitschaft genommen. Eine weitere Kommission soll dann prüfen, ob und wie die Ausbildung auf dem Windjammer weitergeht. Nicht ausgeschlossen dabei ist, dass das traditionsreiche Segelschulschiff vor dem Aus steht. (dapd)
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