Aktuelle Nachrichten – Klima
09.12.2007
Oslo – Vor der Verleihung des Friedensnobelpreises hat Al Gore eine weltweite Reduzierung der Kohlendioxid-Abgase als kritisch für das Überleben der menschlichen Zivilisation bezeichnet. Der Kampf gegen den Klimawandel müsse eine weltweite Volksbewegung werden, die die Politik zum Handeln zwinge, forderte Gore am Sonntag in Oslo auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden des Weltklimarats (IPCC), Rajendra Pachauri. Der ehemalige US-Vizepräsident und der IPCC erhalten am (morgigen) Montag den Nobelpreis für ihren Kampf gegen die Erderwärmung.
Der Anstieg von CO2-Emissionen sei eine „Bedrohung für die Zukunft unserer Zivilisation“, warnte Gore. Die Politik „muss den Mut finden, den Interessengruppen und den Ängsten zu widerstehen“. Diese Bedenken hätten oft mehr Einfluss auf die Entscheidungsträger als die Sorge um die Zukunft der Menschheit. Seine Auszeichnung mit dem Nobelpreis begrüßte Gore, da sie eine weitere Chance darstelle, die Öffentlichkeit für die Klimakrise zu sensibilisieren. Jeder einzelne müsse sich konstruktiv in kleinen Schritten an der Minderung der Luftverschmutzung beteiligen.
Die jüngsten Daten, die erst nach Abschluss des letzten IPCC-Berichts bekannt wurden, lassen Pachauri zufolge sogar noch schlimmere Auswirkungen des Klimawandels schließen. „Die Zukunft könnte düsterer sein, als wir das heute glauben“, warnte er. Technischer Fortschritt allein werde nicht ausreichen, die negativen Folgen zu begrenzen. Ohne eine Änderung des Lebenswandels könne dies nicht erreicht werden. Das heiße nicht, wieder in Höhlen zu leben, aber „man muss sich der Folgen seiner Handlungen bewusst sein“, sagte Pachauri.
Gore wurde auf der Pressekonferenz auch gefragt, ob er nicht doch noch eine Bewerbung um die US-Präsidentschaft im kommenden Jahr in Erwägung ziehe. Dazu sagte der demokratische Politiker: „Ich habe keine Pläne, ein Kandidat zu sein.“ Allerdings schloss er nicht gänzlich aus, irgendwann einmal wieder in die aktive Politik zurückzukehren.
Die Friedensnobelpreis wird traditionell in Oslo verliehen, die Preise für Medizin, Physik, Chemie, Wirtschaft und Literatur werden in Stockholm überreicht. Die morgige Feier findet wie immer am Todestag des Stifters Alfred Nobel statt, der am 10. Dezember 1896 starb.
In Stockholm werden der deutsche Wissenschaftler Peter Grünberg und der Franzosen Albert Fert für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten mit dem Physiknobelpreis ausgezeichnet. Der deutsche Physiker Gerhard Ertl erhält für seine systematische Grundlagenforschung im Bereich der Oberflächenchemie den Nobelpreis für Chemie.
Der Literaturnobelpreis geht an die britische Schriftstellerin Doris Lessing. Den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten drei Amerikaner, den für Medizin zwei amerikanische und ein britischer Wissenschaftler. Die Preise sind jeweils mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. (AP)
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