Aktuelle Nachrichten – Europa
03.11.2010
Foto: Maja Hitij/dapd Photo
Athen/Berlin – Griechenland hat nach der Entschärfung von zwei weiteren Paketbomben auf dem Flughafen Athen alle Luftfrachtlieferungen vorläufig gestoppt. Tausende Pakete wurden überprüft. Die Sicherheitskräfte vermuteten Linksextremisten hinter der Anschlagswelle, die am Montag begann. Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Die griechische Regierung erklärte am Mittwoch, einen Zusammenhang mit dem islamischen Terrorismus gebe es nicht.
Die kontrollierten Sprengungen fanden laut Behörden am Dienstagabend im Frachtbereich des internationalen Flughafens von Athen statt. Die Pakete waren an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und Europol, die Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union im niederländischen Den Haag, adressiert gewesen. Der internationale Paketdienst sollte für 48 Stunden ausgesetzt werden.
Insgesamt wurden bis Dienstagabend knapp ein Dutzend Paketbomben entdeckt, adressiert unter anderem an die deutsche Botschaft und sieben weitere diplomatische Vertretungen sowie an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. In der Poststelle der Berliner Regierungszentrale wurde am Dienstag eine an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressierte Paketbombe gefunden. Verletzt wurde bei den Anschlagsversuchen in den vergangenen zwei Tagen niemand.
Nach dem Fund der Paketbombe im Kanzleramt forderte Merkel größere Anstrengungen zur Schließung möglicher Sicherheitslücken beim Luftfracht-Transport. Die Bombenfunde in Europa müssten "Anlass sein, die Kontrollen für Frachtgüter innerhalb Europas, mit den Vereinigten Staaten und dann möglichst weltweit besser abzustimmen", sagte die Kanzlerin der "Passauer Neuen Presse" . Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte am Dienstagabend, die Paketbombe hätte "durchaus nicht unerheblichen Schaden anrichten können".
Merkel dankte am Mittwoch bei einem Besuch der Poststelle den Mitarbeitern, die das verdächtige Päckchen entdeckten und sprach ihnen "ihre Anerkennung für Wachsamkeit, Umsicht und Professionalität" aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. "Der gestrige Vorfall hat gezeigt: die sehr strengen Sicherheitsvorkehrungen im Kanzleramt funktionieren", fügte er hinzu.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte unterdessen angesichts des Bombenfundes und der Entdeckung zweier Sprengsätze aus dem Jemen vor einem weiteren Stellenabbau bei der Polizei. "Für das Kanzleramt und den Fund der Paketbombe durch aufmerksames Personal der Bundesverwaltung sollte der Vorgang ein Weckruf sein", sagte hat der Gewerkschaftsvorsitzende, Rainer Wendt, der Onlineausgabe des "Handelsblatts". Nach dem Motto "Es wird schon gut gehen" werde "tausendfacher Stellenabbau geplant und auf freiwillige Bereitschaft der Unternehmen gesetzt, Sicherheitsstandards einzuhalten".
Auch auf dem Flughafen von Bologna wurde ein weiteres verdächtiges Paket entdeckt, das an den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi adressiert war. Ein Polizeisprecher sagte, die Sendung sei an Bord eines privaten Kurierflugzeuges gefunden worden, das den Flughafen in Athen am Dienstagabend verlassen habe und auf dem Weg nach Paris und Lüttich gewesen sei. Nach dem Fund sei die Maschine in Bologna notgelandet. Sprengstoffexperten hätten das Paket geöffnet, dabei sei eine kleine Flamme entstanden. Verletzt wurde nach Angaben der italienischen Polizei niemand. Der Flughafen von Bologna wurde für mehrere Stunden geschlossen. (dapd)
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