Der 43. Adolf-Grimme-Preis belohnt besonders Fernsehsendungen zu den Themen Migration und Integration: Das umstrittene ARD-Drama „Wut“ und der ProSieben-Film „Meine verrückte türkische Hochzeit“ werden im Bereich Fiktion ausgezeichnet, die ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ in der neuen Kategorie Unterhaltung. Ansonsten bestimmten bei der Bekanntgabe der Preisträger am Mittwoch in Düsseldorf Siege und Niederlagen Prominenter das Bild: Mit Sönke Wortmanns WM-Dokumentation „Deutschland. Ein Sommermärchen“ gewann einer der großen Favoriten. Andere Prominente wie Olli Dittrich und Stefan Raab gingen leer aus.
Allein acht der zwölf Auszeichnungen gehen an die ARD. Daran ist vier Mal der WDR beteiligt, zwei Mal der SWR und jeweils ein Mal BR, rbb und NDR. Zwei Grimme-Preise erhalten Produktionen des ZDF zusammen mit Arte. Als einziger Privatsender erhält ProSieben zwei der begehrten Fernseh-Auszeichnungen. Die Preisverleihung findet am 30. März in Marl statt.
Gleich drei Gewinner-Sendungen befassen sich mit Migration und Integration. Das Thema sei in ganz unterschiedlichen Formen und ohne politische Korrektheit aufgegriffen worden, sagte der Direktor des Grimme-Institutes, Uwe Kammann: „Der Zugriff ist mutiger geworden.“ Die unterhaltenden Formate hätten humorvoll und jenseits von Klischees Unterschiede und Gemeinsamkeiten thematisiert. Das deutsch-türkische Drama „Wut“ bezeichnete er als „mutigen, packenden und schmerzhaften Film von außerordentlicher Qualität“. Das Drama schildert die Angriffe einer türkischen Jugendgang auf einen Jungen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Im Herbst hatte es einen Streit um den Film gegeben, als er wegen seiner Gewaltszenen ins Spätprogramm verschoben wurde.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hob am Mittwoch die Bedeutung der drei Produktionen hervor. Sie alle befassten sich mit der deutschen und besonders der deutsch-türkischen Wirklichkeit, erklärte der SPD-Politiker in Berlin. Die Preisträger hätten ein besonderes Verdienst, sagte der Außenminister: „Sie zeigen uns, dass Deutschland nicht zuletzt auch kulturell durch Bürgerinnen und Bürger mit so genanntem Migrationshintergrund dazu gewonnen hat.“
Mutige Themenwahl, formale Innovationen und beste Qualität hätten insgesamt den Grimme-Jahrgang 2007 bestimmt, erklärte Kammann. Das Gesamtbild sei solide gewesen. „Aber es gab in der Spitze eine Reihe von ganz herausragenden Sendungen.“ Kammann forderte die Sender auf, mehr Mut bei der Platzierung guter Sendungen zu zeigen und diese so zu präsentieren, dass man dafür ein größeres Publikum gewinnen könne.
Der erst nachträglich nominierte Sönke Wortmann erhielt die Auszeichnung laut Jury, weil er mit seiner Dokumentation das Medienereignis Fußball-WM krönte. Der Regisseur betonte, der Erfolg des Filmes sei stark vom Auftreten des deutschen Teams abhängig gewesen: „Aber ich nehme den Preis natürlich trotzdem gern.“
Ein weiterer prominenter Preisträger ist Jürgen von der Lippe für die Show „Extreme Activity“. Seine Moderation bewege sich souverän zwischen intelligenten Anspielungen und Kalauern, hieß es. In der Kategorie Unterhaltung setzte sich die Spielshow unter anderem gegen Stefan Raabs Format „Schlag den Raab“, Bastian Pastewkas Comedy „Pastewka“ und den im Vorjahr für „Dittsche“ ausgezeichneten Olli Dittrich durch. Auch der für seine Rolle als Horst Schlämmer zwei Mal nominierte Hape Kerkeling gewann im Wettbewerb Unterhaltung nicht.
Kerkeling hatte aber schon vor der Bekanntgabe als Sieger festgestanden: Der Komiker erhält die zusätzlich zu den regulären Preisen vergebene „Besondere Ehrung“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) für seine Verdienste um das Genre Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Kerkeling stehe für glänzende und unverwechselbare Unterhaltungskunst, hieß es in der Begründung.
In der Kategorie Information & Unterhaltung gewann eine Gruppe „Monitor“-Autoren für ihre Berichterstattung über bezahlte Lobbyisten in Bundesministerien. Die Beiträge des Politik-Magazins zu dem Thema seien akribisch recherchiert und nüchtern präsentiert worden, erklärte die Jury. Sie hatten aufgedeckt, wie sehr politische Institutionen inzwischen mit ökonomischen Einrichtungen verflochten seien. „Wir fragen immer wieder nach der dunklen Seite der Macht“, sagte „Monitor“-Moderatorin Sonia Mikich in Düsseldorf. „Dafür sind wir da.“
(AP)
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