Bonn - Zwei Jahre nach der alle Rekorde brechenden Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) in Berlin macht die Bundeskunsthalle der Kunstshow der Superlative Konkurrenz. In der Ausstellung «The Guggenheim» präsentiert das Bonner Museum von Freitag an bis zum 7. Januar 2007 200 Hauptwerke der klassischen Moderne und der Gegenwartskunst von Wassily Kandinsky über Pablo Picasso bis zu Roy Lichtenstein und Kara Walker. Es ist die bislang umfassendste Präsentation von Meisterwerken aus der weltweiten Sammlung der Guggenheim Foundation, dem New Yorker Rivalen des MoMa.
Der Direktor der Guggenheim Foundation, Thomas Krens, lobte bei der Präsentation der Ausstellung am Donnerstag in Bonn, «The Guggenheim» erzähle erstmals die gesamte Geschichte des Guggenheim Museums. Dies sei in New York angesichts des eingeschränkten Platzes für Dauerausstellungen kaum möglich.
Die Ausstellung beginnt mit einem Paukenschlag: Gleich elf Meisterwerke von Wassily Kandinsky zeigen die frühe Verbundenheit des Begründers des US-Kunstimperiums, Solomon R. Guggenheim, mit dem Großmeister der abstrakten Malerei.
Und der Rest der Ausstellung gleicht dann einem Parforce-Ritt durch die Geschichte der modernen Kunst. Gleich sieben Mal ist Pablo Picasso vertreten. Der Bilderbogen reicht vom noch recht naturalistischen Porträt «Fernande mit schwarzer Mantilla» über kubistische Gemälde wie «Die Akkordeonspielerin» bis hin zu dem sinnlich leichten Bild «Frau mit gelbem Haar» aus dem Jahr 1931.
Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind Franz Marcs kraftvoll expressionistisches Gemälde «Gelbe Kuh» aus dem Jahr 1911, Francis Bacons das menschliche Leid thematisierender Triptychon «Drei Studien zu einer Kreuzigung» und Max Ernsts surrealistisches Meisterwerk «Der Gegenpapst.
Auf den 7.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche fehlt kaum ein großer Name aus der Kunst der vergangenen gut 100 Jahre. Zu sehen sind Meisterwerke der klassischen europäischen Moderne - von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Joan Miró, Henri Matisse, Marc Chagall, René Magritte, von Max Beckmann und Ernst Ludwig Kirchner. Aber auch Schlüsselwerke der amerikanischen Kunst vom abstrakten Expressionismus Marc Rothkos über die Pop Art Andy Warhols bis zur Minimal Art des «Bildhauers» Richard Serra sind zu sehen. Und darüber hinaus zeigt das benachbarte Kunstmuseum Bonn zeitgenössische Werke aus der Guggenheim-Sammlung von Künstlern wie Rachel Whiteread und Kara Walker.
Bei einer so geballten Sammlung von Pretiosen liegt der Vergleich zur unvergessenen MoMa-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin im Jahr 2004 nahe, die von 1,2 Millionen Menschen besucht und damit zur erfolgreichsten europäischen Kunstausstellung aller Zeiten wurde.
Der Intendant der Kunsthalle, Wenzel Jacob, weist allerdings alle Unterstellungen zurück, «The Guggenheim» sei eine späte Antwort auf «Das MoMa in Berlin». Immerhin begann das Bonner Museum schon 1992, unter dem Motto «Die großen Sammlungen» Gastspiele der wichtigsten Museen der Welt in Bonn zu präsentieren. Den Anfang machte 1992 ausgerechnet das MoMa, 1997 folgte die St. Petersburger Eremitage, 1999 das Madrider Museo del Prado und 2003 das Nationalmuseum Tokio.
Dennoch erinnert vieles an der Bonner Ausstellung an die Berliner Show der Superlative: Denn wie «MoMa in Berlin» gibt auch «The Guggenheim» mit rund 200 Meisterwerken einen in dieser Konzentration sonst kaum möglichen Überblick über die Kunst der Moderne. Und auch in Bonn sprengt das Ausstellungsbudget mit fast 12 Millionen Euro den normalen Rahmen. Möglich wurde die Ausstellung nur durch die Unterstützung des Sponsors Deutsche Telekom.
Ob die Bundeskunsthalle deshalb nun mit einem ähnlichen Millionenansturm rechnen kann wie der Berliner Vorläufer, wird die Zukunft zeigen.
(AP)
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