Washington – Die Analyse schon eines einzelnen Haares kann darüber Aufschluss geben, wo sich ein Mensch in der Vergangenheit aufgehalten hat. Voraussetzung ist aber, dass er aus der Region stammendes Wasser getrunken hat. Denn der Körper lagert charakteristische Eigenschaften des konsumierten Wassers in Haaren ein.
Der Biologe Jim Ehleringer und der Geophysiker Thure Cerling von der Universität von Utah, haben ein Verfahren entwickelt, das Haare auf Isotope von Wasserstoff und Sauerstoff, der beiden Bestandteile von Wasser, untersucht. Isotope sind Formen eines Elements mit unterschiedlichem Atomgewicht.
Das Verhältnis zwischen schweren und leichten Sauerstoff- und Wasserstoff-Isotopen schwankt im Grundwasser der USA je nach Region. Da sich schwerere Isotopen aus Wolken früher abregnen als die leichteren Formen, findet man in den USA in küstennahen Gegenden wie etwa in Florida, Texas oder Oklahoma eher Sauerstoff 18 als Sauerstoff 16 und eher Wasserstoff 2 als Wasserstoff 1. In meeresfernen Bundesstaaten wie Montana, Idaho oder Wyoming überwiegt dagegen der Anteil der leichteren Isotope Sauerstoff 16 und Wasserstoff 1.
„Man kann vielleicht nicht zwischen Chicago und Kansas City differenzieren“, betonen die Forscher. „Aber man kann den Unterschied zwischen Utah und Texas feststellen.“ In einer Studie analysierten die Wissenschaftler nun Haarproben, die aus Friseursalons in 65 US-Städten stammten sowie regionale Wasserproben. 85 Prozent der eingelagerten Isotope gingen zurück auf das regionale Trinkwasser, wie die Forscher im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“ berichten.
Damit kann ein Haar enthüllen, wo ein Mensch die letzten Monate oder – je nach Länge – sogar Jahre verbracht hat. Dies dürfte das Verfahren besonders für Strafermittler und Rechtsmediziner interessant machen. Sie könnten damit grob rekonstruieren, wo sich etwa ein Beschuldigter in der Vergangenheit aufgehalten hat – sofern er dabei Erzeugnisse aus regionalem Wasser konsumiert hat. Das müsse in den USA nicht unbedingt Leitungswasser sein, betont Ehleringer: „Ein beträchtlicher Anteil von Bier, Erfrischungsgetränken und Milch ist lokaler Herkunft.“
(Quelle: „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)“, Online-Vorabveröffentlichung) (AP)
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