Aktuelle Nachrichten – Kultur
27.12.2012
Foto: Wolfgang Runkel / Frankfurter Oper
„Giulio Cesare in Egitto“, auf Deutsch „Julius Cäsar in Ägypten“, heißt Georg Friedrich Händels Oper über die Liebesgeschichte von Caesar und Cleopatra. Seit Anfang Dezember kann man den Barock-Klassiker in einer gelungenen Produktion an der Oper Frankfurt erleben. Den Zuschauer erwartet garantiert kein Ägypten-Kitsch, dafür starke Emotionen, eine Prise Ironie und musikalische Extraklasse, wie die Aufführung am 25.12. bewies.
In der Neuinszenierung von Johannes Erath rankt sich eine überflüssige kleine Rahmenhandlung um einen sehr publikumswirksamen Bilderreigen. Kino und Film scheinen immer wieder als Inspirationsquelle durch (Videos: Bibi Abel). Es entsteht eine Fantasiereise an der Grenze von Traum und Wirklichkeit, in der Logik keine Rolle spielt oder rein ästhetischen Erfordernissen gehorcht. Und das passt zu Händels Nummernoper, die allein der Emotion verpflichtet, munter von Arie zu Arie springt und vom Zuschauer stetige Schauplatzwechsel im Kopf verlangt.
Foto: Wolfgang Runkel / Frankfurter Oper
Bilder fließen ineinander in einem kargen, kubischen Raum. Zarte Gardinen auf ganzer Portalbreite bewirken poetische Filmschnitte, die intelligent, sinnlich, und handwerklich perfekt inszeniert sind (Bühnenbild von Herbert Murauer).
Eine elegante Materialschlacht in sehr gelungenen, ständig wechselnden Kostümen (Katharina Tasch) nimmt ihren Lauf, verfeinert mit ein paar Pfauenfederfächern und halbnackten Sklaven. Cleopatra aalt sich in einer Badewanne mit Löwenfüßen, gegen Ende wird sogar die Bühne geflutet und Wasserkreise schillern an der Wand. In einer der stärksten Szenen flanieren Männer ohne Kopf herum – wurden sie enthauptet oder haben sie den Verstand verloren? Entspanntes Assoziieren ersetzt eindeutige Botschaften.
Manchmal wird der Zuschauer visuell zu sehr von der Musik abgelenkt. Etwa wenn der gestrandete Caesar hinter dem Vorhang „Aure, deh, per pietà spirate“ singt und sich darauf der leere Zuschauerraum als Video spiegelt, indem sein projiziertes Alter Ego über die Sitzreihen schwankt – ein starkes Bild zumal. Oder wenn Cleopatras Verzweiflung vom Kino-Abspann ihres Lebens begleitet wird, der den Cast des Abends bis zu den Namen der Maskenbildnerinnen herunterspult – denn man fängt unweigerlich an, mitzulesen. Das sind Momente, in denen die künstlichen Bilder der Bühnenrealität die Schau stehlen. Etwas schade, denn die Musik ist vom Feinsten.
Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Erik Nielsen folgt den Affekten der Charaktere schillernd, variantenreich, spielfroh und prägnant. Weil die starken Helden, allen voran Caesar, gar nicht so stark sind, wie sie tun, gehört diese Oper den Frauen: Cleopatra, Cornelia und der Hosenrolle Sesto. Brenda Rae als Cleopatra, konnte mit ihrem sehr facettenreichen Sopran eine Achterbahnfahrt der Gefühle zelebrieren: Ganz Diva und selbstbewusste Königin, verführerisches Turteltäubchen, oder dramatisch tränenüberströmte Furie, all das gelang ihr mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit, egal ob es sich um höchste Koloraturen oder lyrische Bögen handelte. Weil sie außerdem bildschön und schauspielerisch faszinierend präsent war, räumte sie für ihre Verkörperung der sagenumwobenen Frauengestalt bei Szenen- und Schlussapplaus zu Recht ab.
Und ganz besonders bei der Verführungsarie „V'adoro pupille“ wo sie auf einer Treppe im ausladenden Schleppenkleid posierte.
Lesen Sie weiter auf Seite 2 über: Michael Nagy als Caesar, die smarte Idealbesetzung, und andere
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