Unternehmen – Haftbefehl gegen Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung – Joachim Sondermann
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Haftbefehl gegen Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung

Joachim Sondermann

14.02.2008

Der Vorstandsvorsitzernde der Deutschen Post AG Klaus Zumwinkel, Mitte, verlässt am Donnerstag sein Wohnhaus in Köln. (AP Photo/Roberto Pfeil)
Der Vorstandsvorsitzernde der Deutschen Post AG Klaus Zumwinkel, Mitte, verlässt am Donnerstag sein Wohnhaus in Köln. (AP Photo/Roberto Pfeil)

Köln – In einer für die Chefetagen deutscher Großkonzerne beispiellosen Steueraffäre hat die Bochumer Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Klaus Zumwinkel erlassen. Der Postchef wurde am Donnerstag verhört und blieb nur gegen eine hohe Kaution auf freiem Fuß. Er soll als Privatmann eine Million Euro Steuern über eine Stiftung in Liechtenstein hinterzogen haben. Die Post, an deren Spitze der 64-Jährige seit 1990 steht, erklärte, Zumwinkel bleibe im Amt.

Der Vorstand sei handlungsfähig und führe seine Geschäfte wie gewohnt fort, erklärte der DAX-Konzern. Büro und Privathaus von Zumwinkel wurden von Steuerfahndern und Staatsanwälten durchsucht, der Manager bei der Staatsanwaltschaft Bochum vernommen. Der Haftbefehl sei gegen eine „Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe“ außer Vollzug gesetzt worden, teilte die Staatsanwalt mit. Zuvor hatte sich Zumwinkel zu den Vorwürfen geäußert.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Postchef, der allein bei seinem Konzern 2006 knapp drei Millionen Euro verdiente, mit Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern hinterzogen haben. Die Fahnder fuhren gegen 07.00 Uhr mit Zivilfahrzeugen vor seinem Privathaus in Köln vor und brachten ihn später zur Vernehmung nach Bochum.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll ein Informant des Bundesnachrichtendienstes (BND) die Steuerfahnder mit elektronischem Material über Zumwinkels Steuersparmodell bei einem Vaduzer Geldinstitut versorgt haben. Die Oberfinanzdirektion Rheinland habe daraufhin eine Sondergruppe von Prüfern eingesetzt, die die Steuerakte Zumwinkels und Berichte von Betriebsprüfern unter die Lupe nahmen. In den Akten habe es keinen Hinweis auf ein Konto in Vaduz oder Einkünfte aus einer Stiftung gegeben, berichtete die Zeitung. Es soll sogar jeglicher Hinweis auf eine ordnungsgemäße Versteuerung des Liechtensteiner Vermögens gefehlt haben.

Laut Spiegel Online soll das Vermögen der Stiftung zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen haben. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts solle hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.

Die Affäre soll laut „Handelsblatt“ auch bei einem Treffen zwischen dem liechtensteinischen Regierungschef und Finanzminister Otmer Hassler und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der kommenden Woche zum Thema werden.

Kauder erinnert an Verantwortung der Manager

Gegen einen Familienangehörigen von Zumwinkel wird laut Spiegel Online bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Auch in diesem Fall solle es um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Die Staatsanwaltschaft teilte lediglich mit, auch gegen andere Beschuldigte werde ermittelt.

Der größte Einzelaktionär der Post, der Bund, reagierte zurückhaltend. „Das haben wir nicht zu kommentieren“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Aktionärsschützer sehen Zumwinkel unter Druck, sein Amt vorzeitig aufzugeben. Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder mahnte per „Bild“-Zeitung: „Spitzenmanager haben eine besondere Verantwortung für die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft.“

In Zumwinkels Amtszeit fiel der Börsengang des Konzerns und der Umbau des eher trägen Monopolisten in ein globales Logistikunternehmen. Sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus.

Zumwinkel ist unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom und sitzt im Kontrollgremium der Deutschen Lufthansa. Der Manager hatte zuletzt in der Außenwirkung nicht immer eine glückliche Hand bei privaten Finanzgeschäften. Im Dezember vergangenen Jahres sorgte er für Negativ-Schlagzeilen, als er den Höhenflug der Postaktie nach der politischen Einigung auf einen Mindestlohn in der Branche nutzte, Aktien aus einem Optionsprogramm im Wert von 4,7 Millionen Euro zu verkaufen. (AP)

 

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