Nachrichten Deutschland – Haftstrafe für früheren HR-Sportchef Emig – Angelika Bruder
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Deutschland

Richter: Erhebliches Maß an krimineller Energie Haftstrafe für früheren HR-Sportchef Emig

Angelika Bruder

02.10.2008

Der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Juergen Emig, wartet am Donnerstag, 2. Okt. 2008 auf die Urteilsverkuendung im Landgericht Frankfurt am Main. Wegen Bestechlichkeit und Untreue in sechs Faellen ist der fruehere HR-Sportchef zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. (AP Photo/Michael Probst)
Der ehemalige Sportchef des Hessischen Rundfunks, Juergen Emig, wartet am Donnerstag, 2. Okt. 2008 auf die Urteilsverkuendung im Landgericht Frankfurt am Main. Wegen Bestechlichkeit und Untreue in sechs Faellen ist der fruehere HR-Sportchef zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. (AP Photo/Michael Probst)

Frankfurt/Main – Der frühere HR-Sportchef Jürgen Emig ist wegen Bestechlichkeit und Untreue im Zusammenhang mit Sponsorengeldern zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Frankfurter Landgericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der 63-Jährige dem Sender über 300.000 Euro vorenthalten und in die eigene Kasse gesteckt hat. Sein Geschäftspartner Harald Frahm erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie eine Auflage von 100.000 Euro.

Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard konstatierte bei Emig ein „erhebliches Maß an krimineller Energie“. Dies und die große Summe des veruntreuten Geldes hätten sich strafverschärfend ausgewirkt. Über die von Frahm geführte Firma SMP habe Emig für den Hessischen Rundfunk Sponsorengelder akquiriert, diese aber zum Teil nicht oder nur zu einem geringen Umfang an den Sender weitergegeben.

Dem Hessischen Rundfunk warf der Richter mangelnde Kontrollen und Versäumnisse vor. Dies wirke sich auch strafmildernd für Emig aus. Der Sender habe zudem selbst die von Emig an den HR weitergeleiteten Sponsorengelder, die sogenannten Beistellungen, „nicht rechtmäßig abgewickelt“. Der Sender hätte nach Auffassung des Gerichts im Abspann von Beiträgen auf das Sponsoring hinweisen müssen, dies aber nicht getan. Gleichwohl sei der Sender nicht Täter, sondern Opfer. Ein „System HR“ habe man nicht finden können, betonte Erhard. „Man mag von einem System Dr. Emig sprechen“, erklärte der Richter.

Als Redakteur „Amtsträger“

Eine besondere Bedeutung komme den Taten Emigs zudem deshalb zu, weil er als Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders „Amtsträger im strafrechtlichen Sinn“ war, wie Erhard weiter ausführte. Insofern sei ihm eine besondere Verantwortung für eine unabhängige Berichterstattung zugekommen.

Als strafmindernd berücksichtigte das Gericht unter anderem den „finanziellen und beruflichen Zusammenbruch“ Emigs, sein weitgehendes Teilgeständnis sowie seine Lebensleistung für den HR. Die lange Dauer des Verfahren wurde ebenfalls strafmildernd gewertet, so dass der für die festgestellten Straftaten theoretisch mögliche Strafrahmen von bis zu elf Jahren laut Erhard auf die verhängten zwei Jahre und acht Monate sehr stark zusammengezogen wurde.

Staatsanwaltschaft schließt Revision nicht aus

Das Gericht blieb damit nach den Worten Erhards „einen deutlichen Tick“ unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die dreieinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Staatsanwalt Michael Loer zeigte sich „im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Urteil“, schloss aber wegen des nach seiner Auffassung zu geringen Strafmaßes den Gang in die nächsthöhere Instanz, den Bundesgerichtshof, nicht aus. Emig selbst wollte sich nach der Urteilsverkündung, die er äußerst gefasst aufgenommen hatte, nicht äußern. Sein Anwalt hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

Emig war von 1987 bis März 2004 Leiter der HR-Sportredaktion. Weil das Budget nicht ausreichte, durfte er mit Genehmigung des Senders Zusatzmittel, sogenannte Beistellungen, akquirieren. Das waren Produktionskostenzuschüsse von Sportveranstaltern und Zahlungen für die Nennung oder Einblendung von Sponsoren. Immer wieder waren Gerüchte aufgetaucht, Emig kassiere dabei auch persönlich mit. Laut HR wurde bei Revisionen nichts Verdächtiges gefunden. Der Intendant ermahnte ihn im Jahr 2000 ausdrücklich, keinerlei geschäftliche Beziehung mit der Werbe-Agentur seiner Frau Atlanta Killinger-Emig, der Killinger Production, zu unterhalten. Im Frühjahr 2001 gründete Emig gemeinsam mit Frahm die Agentur SportMarketing & Production GmbH (SMP). (AP)

 

Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.

Folgen Sie uns auf Facebook , Twitter und Google+.

 
Anzeige
Anzeige