Wirtschaftsnachrichten - Aktuelle Nachrichten Wirtschaft – Halbstaatlicher Konzern Petrobras bohrt vor Brasilien in der Tiefsee – Katrin Aue
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Brasiliens Bonanza Halbstaatlicher Konzern Petrobras bohrt vor Brasilien in der Tiefsee

Katrin Aue

16.06.2012

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, (m) mit Petrobras-Arbeitern. Die Öl-Fördermenge soll sich bis 2020 fast verdreifachen. Foto: AP Photo/Felipe Dana
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, (m) mit Petrobras-Arbeitern. Die Öl-Fördermenge soll sich bis 2020 fast verdreifachen.

Foto: AP Photo/Felipe Dana

Berlin/Rio de Janeiro – Hunderte Kilometer vor der brasilianischen Küste liegt ein Schatz, der Brasilien endgültig zur Wirtschaftsgroßmacht machen soll: Öl. Es lagert in einer Tiefe von bis zu 7.000 Metern unter dem Meeresspiegel. Als "Geschenk Gottes" bezeichnete Ex-Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva die gewaltigen Rohstoffvorräte südöstlich von Rio de Janeiro, die seit 2007 probeweise erschlossen werden.

Der südamerikanische Staat, in dem ab dem 20. Juni der UN-Nachhaltigkeitsgipfel "Rio + 20" stattfindet, träumt davon, in die erste Liga der erdölproduzierenden Staaten aufzusteigen. Dass der Preis dafür hoch sein könnte, ist spätestens nach der Havarie der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko im Jahr 2010 deutlich geworden. Fünf Millionen Barrel Öl traten dabei aus und richteten eine der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten an.

Doch während danach weltweit über die Risiken von Tiefseebohrungen diskutiert wird, hält der halbstaatliche Konzern Petrobras mit einigen Partnern an der Erschließung seiner Reserven fest. Schon lange wird vor der Küste Öl gefördert, etwa auf den Feldern Frade und Roncador. Doch richtig lukrativ könnte es im rund 800 Kilometer langen "pré-sal" genannten Gebiet werden, darunter sind die Felder Tupi, Júpiter und Carioca. Dabei sind dort die Bedingungen für Bohrungen besonders schwierig.

Rund 2.000 Meter unter dem Meeresspiegel muss noch eine bis zu 5.000 Meter dicke Salzschicht durchbrochen werden, um an das darunter liegende Öl zu gelangen. "Die Herausforderungen an Technik und Material wachsen sprunghaft, je tiefer gebohrt wird", sagt Steffen Bukold, Leiter des Forschungsbüros Energycomment in Hamburg. "Die entscheidenden Risiken liegen beim Management, das extrem schnell auf plötzliche Druckschwankungen, Materialschäden oder Gaseinbrüche im Bohrloch reagieren muss."

Extreme Temperaturen, extremer Druck

Auch die Society of Petroleum Engineers (Gesellschaft der Erdöl-Ingenieure) warnt vor den Gefahren bei Bohrungen in der Tiefsee: "Das Wasser in der Tiefe ist um die 4 Grad Celsius kalt, und der Wasserdruck ist hoch genug, um ein Unterseeboot zu zerquetschen." Besonders die Druckunterschiede in den Bohrlöchern zu kontrollieren, sei extrem schwierig.

Dennoch wirbt Petrobras damit, schon ab 2017 rund eine Million Barrel (1 Barrel sind 159 Liter) Öl am Tag aus der rund 800 Kilometer langen "pré-sal"-Region entlang der Küste zwischen den Bundesstaaten Santa Catarina und Espírito Santo fördern zu wollen. Schätzungen, wie viel Öl insgesamt in dem Gebiet lagert, reichen bis zu 55 Milliarden Barrel.

Petrobras hat durchaus Erfahrung mit Tiefseebohrungen. Sogar einen Rekord brach der halbstaatliche Mineralölkonzern: Im Jahr 2000 bohrte er 1877 Metern unter dem Meeresspiegel, so tief wie kein Unternehmen zuvor. Doch auch ein großes Öl-Unglück geht auf sein Konto: Bei der Explosion der Bohrinsel P-36 kamen 2001 elf Arbeiter ums Leben, und ein riesiger Ölteppich trieb auf das offene Meer hinaus. "Bei Petrobras ist die Abgrenzung zur Aufsichtsbehörde fließend – wie oft bei Staatskonzernen", kritisiert Öl-Experte Steffen Bukold. "Die enge Verzahnung mit der Aufsichtsbehörde könnte zum Risiko werden, wenn schwierige Entscheidungen anstehen."

Schwierige Entscheidungen könnten sich allerdings in der Zukunft häufen. Denn das Tempo, das bei der Steigerung der Ölförderung vorgelegt wird, ist hoch: Im Jahr 2020 will Brasilien täglich 6,4 Millionen Barrel Öl fördern – heute sind es 2,2 Millionen Barrel. (dapd)

 

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