Nachrichten Deutschland – Hamburg bastelt an Rettungsplan für Schiffsbranche – Claus-Peter Tiemann
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Deutschland

Bund soll zahlen Hamburg bastelt an Rettungsplan für Schiffsbranche

Claus-Peter Tiemann

30.11.2009

Hamburg – Werften bankrott, Reedereien in roten Zahlen, Schiffe ohne Ladung im Hafen – die maritime Branche in Deutschland steckt tief in der weltweiten Wirtschaftskrise. Und während sich in anderen Branchen erste Hoffnungsschimmer zeigen, wird die Lage an der Küste nicht besser, sondern schlimmer. Der Hamburger Senat will der Entwicklung nicht länger zusehen, sondern arbeitet an einem Rettungsplan. Nach staatlicher Hilfe für Banken und Industrieunternehmen will die Hauptstadt der deutschen Schifffahrtsbranche nun die maritime Wirtschaft vor dem Sturm schützen.

Am Montag trafen sich in der Hamburger Wirtschaftsbehörde Experten von Banken, Reedereien, Behörden, um Grundzüge des Rettungsplans zu entwerfen. Die Zeit ist knapp. Bis Jahresende soll der Plan stehen, wie ein Sprecher der Wirtschaftsbehörde sagte. Laut „Spiegel“ will Bürgermeister Ole von Beust die Ergebnisse dann Bundeskanzlerin Angela Merkel vorstellen. Denn zahlen soll der Bund.

Einzelheiten über das Rettungspaket bleiben bisher vage: Offenbar aber geht es vor allem um Hilfe für die Schiffsfinanzierer, also Schiffsbanken und Emissionshäuser. Nach Medienberichten steht vielen das Wasser bis zum Hals. Emissionshäuser sammeln Kapital von Privatanlegern, um damit über geschlossenen Fonds Schiffe zu finanzieren.

Der „Spiegel“ zitiert aus einer internen Vorlage der Wirtschaftsbehörde, auch einige im Geschäft mit Schiffsfinanzierungen stark engagierte Banken und Emissionshäuser stünden „massiv unter Liquiditätsdruck oder sind bereits insolvenzgefährdet“.

Der drastische Verfall von Fracht- und Charterraten sowie Schiffspreisen bedrohe „alle, die direkt und indirekt mit dem Schiffbau in Verbindung stehen“, heißt es dem Bericht zufolge in dem Papier mit dem Titel „Aktuelle Situation im Bereich der Schiffsfinanzierer“. Wenn diese ihre laufenden Finanzierungen in der Bilanz nach den aktuellen Marktwerten für Schiffe bewerten müssten, drohten weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe. Der Sprecher der Wirtschaftsbehörde sagte nichts über den zitierten Bericht. Er bestätigte aber die enorme Probleme der Branche.

Bedroht sind laut zitiertem Bericht auch die involvierten Banken. Besonders die angeschlagene HSH Nordbank, die in den vergangenen Jahren Kredite über rund 30 Milliarden Euro zur Finanzierung von Schiffen vergeben habe. Auch die Deutsche Schiffsbank in Hamburg, eine Tochter der Commerzbank, spürt die Krise.

Bad Bank für Schiffe geplant

Laut „Hamburger Abendblatt“ dreht sich die Lösung um eine Art Bad Bank für Schiffe. Diese Auffanggesellschaft soll Hunderte Frachter mieten, die dann nicht mehr die Bilanzen der Reeder belasten würden. Finanzieren sollen die Schiffs-Bad Bank wiederum Reeder und Banken. Außerdem sollen sich die Reeder darauf einigen, ihre Schiffe langsamer fahren zu lassen: Dann brauchen die Frachter deutlich weniger Öl für die gleiche Strecke. Außerdem würden bei gleicher Frachtmenge mehr Schiffe gebraucht werden.

Als Hürde auf dem Weg zu möglichen Staatshilfen gilt, dass die Reeder in den Jahren des Booms von umfangreichen Steuervergünstigungen profitiert hätten und auf ihren Schiffen nur noch wenige Deutsche arbeiteten. Außerdem werden die meisten Schiffe längt in Asien und nicht mehr in Deutschland gebaut. (AP)

 

Schlagworte

Webnews einstellen
 
Anzeige
Anzeige