Hamburg - Wegen eines Polizeieinsatzes ist am Samstagabend der Hamburger Hauptbahnhof komplett gesperrt worden. Zu den Hintergründen wollte ein Sprecher der Bundespolizei auf AP-Anfrage keinerlei Einzelheiten mitteilen. Wie eine Bahn-Sprecherin mitteilte, wurden ab etwa 17.50 Uhr sowohl der S-Bahn-Betrieb, der Nah- und der Fernverkehr im Hauptbahnhof eingestellt. Fernzüge würden umgeleitet. Die Dauer des Einsatzes war demnach auch eine Stunde nach Beginn der Sperrung nicht absehbar.
Erst am frühen Morgen war der Kieler Hauptbahnhof gesperrt worden, weil dort einer der mutmaßlichen Bombenleger festgenommen wurde, die am 31. Juli in Köln Kofferbomben in Regionalzügen deponiert hatten
Kiel - Nach der Festnahme eines Terrorverdächtigen dauert die Gefahr eines Anschlags nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) weiter an. BKA-Präsident Jörg Ziercke verwies am Samstag in Kiel darauf, dass der zweite Tatverdächtige noch auf freiem Fuß sei. Es sei offen, ob die handwerklichen Fehler beim Bombenbau inzwischen korrigiert worden seien «und womöglich eine neue Bombe im Bau ist». Zudem sei unklar, ob der Festgenommene Teil eines Netzwerkes sei und ob es einen Zusammenhang zu den Anschlägen in London und Madrid gebe.
Ob der noch nicht gefasste zweite Tatverdächtige ebenfalls aus Kiel stamme, könne man aus der Identität der beiden Kofferbomben «nicht unmittelbar schließen», sagte Ziercke. Der schnelle Fahndungserfolg sei auf die Veröffentlichung des Videos zurückzuführen, auf dem die beiden mutmaßlichen Tätern zu sehen sind und das am Freitag über die Medien verbreitet wurde. «Dadurch konnte ein enormer Fahndungsdruck auf die Verdächtigten ausgeübt werden», sagte der BKA-Chef. Der jetzt in Kiel festgenommene Tatverdächtige habe die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt verlassen wollen. Der Zugriff erfolgte kurz vor Abfahrt einer Regionalbahn nach Hamburg.
An dem Einsatz waren nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministers Ralf Stegner mehr als hundert Mitarbeiter der Landespolizei sowie Sprengstoffexperten, Mitarbeiter des Munitionsräumdienstes und des Katastrophenschutzes beteiligt.
Stegner forderte in diesem Zusammenhang, dass die geplante Anti-Terror-Datei «schnell realisiert wird und nicht politisch zerredet wird». Zugleich habe der erfolgreiche Einsatz gezeigt, das die Videoüberwachung Anschläge zwar nicht verhindern, wohl aber einen Fahndungserfolg ermöglichen könne. Die Technik habe sich bewährt, sagte der SPD-Politiker. Die Behörden brauchten zur Gefahrenabwehr «so viel Raum wie nötig, aber keine Datenmengen in extenso». Er forderte alle Seiten zu mehr Sachlichkeit und weniger Emotionalität in der Debatte über die Videoüberwachung sensibler Orte auf. Die Menschen erwarteten, dass die für die Sicherheit Verantwortlichen alles täten, um Terror zu vereiteln.
(AP)
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