Nachrichten Deutschland – Hamburger Polizei sucht Mutter des aus Hochhaus geworfenen Babys – Simone Utler
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Hamburger Polizei sucht Mutter des aus Hochhaus geworfenen Babys

Simone Utler

19.03.2007

Hamburg – Die Polizei sucht mit Hochdruck nach der Mutter des vermutlich aus einem Hamburger Hochhaus geworfenen Neugeborenen. Am Montag setzten die Beamten die Durchsuchung von Wohnungen fort und stellten sämtliche Müllcontainer der Wohnanlage sicher, wie die Polizei mitteilte. „Wir suchen nach Spuren von einer Entbindung und von der Tat“, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer. Zu diesem Zweck würden auch weitere Speichelproben genommen und ein psychologisches Profil der Frau erstellt.

Es gebe noch zahlreiche Wohnungen in dem rund 20 Stockwerke hohen Gebäudekomplex im Hamburger Westen, die untersucht werden müssten. „Wir gehen davon aus, dass der Tatort und der Fundort einen engen örtlichen Zusammenhang haben“, sagte Meyer. Am Wochenende hatte die Polizei nach eigenen Angaben bereits mehr als 100 Wohnungen überprüft und freiwillige Speichelproben von Frauen genommen. Das DNA-Muster der Mutter werde für diese Woche erwartet.

Am Samstagmittag um 13.00 Uhr hatte ein Spaziergänger die Babyleiche in einer Plastiktüte auf einem Rasenstück gefunden. Nach ersten Ergebnissen der Obduktion hatte das Mädchen nach der Geburt gelebt und starb an den schweren Verletzungen nach einem Sturz aus großer Höhe. Die Polizei schätzte die Tatzeit auf zirka 10.00 Uhr. Das Baby war laut Polizei voll entwickelt und wog mehr als 3.000 Gramm. „Wir gehen davon aus, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein europäisches Kind handelt“, sagte Meyer.

Derzeit scheinen sich Fälle von Kindstötungen zu häufen. Am Montag erließ die Staatsanwaltschaft Kiel einen Haftbefehl gegen eine Frau, die ihr Baby nach der Geburt getötet haben soll. Eine andere Frau aus Schleswig-Holstein hatte vor zwei Wochen einen Jungen auf einem Parkplatz und im vergangenen Jahr ein Mädchen in einer Papiersortieranlage ausgesetzt. Beide Kinder hatten laut Polizei nach der Geburt gelebt und wurden vermutlich getötet.

Dennoch ist die Zahl der Kindstötungen nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen. Schätzungen von rund 30 Fällen pro Jahr in ganz Deutschland bezeichnet der Geschäftsführer des Hamburger Landesverbandes, Uwe Hinrichs, als realistisch. Zumeist handele es sich bei Frauen, die ihr Kind töten oder aussetzen, um junge oder jugendliche Mütter, die mit der Schwangerschaft überfordert seien. „Das Gefühl ist dann so stark, dass es gleich nach der Geburt zu einer völligen Fehlfunktion oder Panikreaktion kommt“, sagte Hinrichs der AP.

Auch Profamilia bezeichnet derartige Taten als Kurzschlussreaktion. „Eine Frau, die ihr Kind nach einer Entbindung tötet oder aussetzt, befindet sich in einer extremen Ausnahmesituation“, sagte die Geschäftsführerin des Landesverbandes Hamburg, Kerstin Falk. Die Frau handle nicht planmäßig oder vernünftig. Oft sei bereits die Schwangerschaft ungewollt und bringe die Frau in einen tiefen seelischen Konflikt. (AP)

 

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