Foto: Volker Hartmann/AP Foto
Berlin (dapd). Fernsehstar Harald Krassnitzer will sich an seinem 50. Geburtstag am Freitag nicht groß feiern lassen. Sein Management sagte der dapd Nachrichtenagentur, er werde mit seiner Frau und vielleicht mit ein paar Freunden essen gehen. Krassnitzer ist gerade in Wien mit Dreharbeiten zum ZDF/ORF-Film "Das Mädchen auf dem Meeresgrund" beschäftigt, am Sonntag geht es nach Marokko. In der Liebesgeschichte über den Tauchpionier Hans Hass, Benjamin Sadler und seine Frau Lotte, Yvonne Catterfeld, spielt er eine Nebenrolle.
Mit seinem Alter hadert er nicht, "es geht ja weiter danach", sagte er in einem Zeitungsinterview. "Ich freu' mich tierisch aufs Altwerden. Ein spannender, notwendiger Prozess in der Menschwerdung." Am 10. September 1960 kam er in Grödig bei Salzburg zur Welt. Mit zehn Jahren hatte er seinen ersten Bühnenauftritt in einem Hirtenspiel. Er wusste schon als Jugendlicher, dass er Schauspieler werden wollte. Seine Eltern waren jedoch dagegen. So absolvierte er nach dem Abitur auf ihren Wunsch eine Lehre zum Speditionskaufmann. Bereut hat er das nicht. Diese Arbeitswelt habe ihn geerdet; von daher nehme er Prominenz nicht so ernst.
"Dieser Glaube, dass du ein Star sein könntest, ist das Absurdeste überhaupt. Wir wissen doch, wie unglaublich vergänglich so etwas ist – austauschbar wie die tägliche Unterhose", sagte er im Alter von 46. Er habe sich bereits seit Jahren abgewöhnt, Kritiken zu seinen Filmen zu lesen. "Alles, was wir tun, hat eine gewisse Endlichkeit, und es gibt nichts Erbärmlicheres als alternde Schauspieler, die dir permanent erzählen, was sie alles gemacht haben, und permanent zeigen, was man über sie geschrieben hat." Krassnitzer findet: "Uns wird eine Aufmerksamkeit entgegengebracht, die durch nichts zu rechtfertigen ist."
Zum Fernsehstar stieg er mit 37 Jahren mit der Titelrolle der Sat.1-Serie "Der Bergdoktor" (1997-2005) auf. Die erste Phase seiner Karriere hatte er im Theater durchlaufen. An Bühnen in Salzburg, Graz, Saarbrücken und Wien spielte der blonde und blauäugige Jungschauspieler die Klassiker. So veredelte er die Rolle eines Beichtvaters in dem nicht gerade tiefschürfenden Sat1-Film "Hurenmord – ein Priester schweigt". 1998 machte ihn das österreichische Fernsehen ORF zum "Tatort"-Kommissar Moritz Eisner.
Im Liebeskrimi "Allein unter Männern" stand er 2001 mit seiner Freundin Ann-Kathrin Kramer vor der Kamera. Sie waren ein Jahr zuvor ein Paar geworden. Die Schauspielerin sagte damals: "Ich habe noch nie einen Mann getroffen, der so unbeirrbar liebt." Die Hochzeit fand am 7. Juli 2009 auf einer Flusskreuzfahrt in der Wachau in Österreich statt.
Die Familie lebt in der Nähe von Wuppertal im Bergischen Land und in Krassnitzers Wahlheimat Tirol. Der Schauspieler spricht offen darüber, dass er im Beziehungsstreit auch schon mal fortgegangen, aber bald wieder zurückgekehrt ist. "Die Kunst ist doch zusammenzubleiben, auch wenn man den Partner gerade entsetzlich blöd findet. Erst dann zeigt sich, wie sehr man sich liebt."
"Familie ist für mich der Hort, Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen auszuleben", sagte Krassnitzer im Juli in einem Interview der "Frankfurter Rundschau". "Das Abgeben von Verantwortlichkeiten ist das schlimmste Übel unserer Gesellschaft. Strukturen funktionieren einfach nicht mehr, deshalb kann auch Familie nicht mehr funktionieren." Er kritisierte: "Wir haben 100 Milliarden für die Hypo Real Estate Bank hingelegt, sind aber nicht in der Lage, zwei oder drei Milliarden in unsere Schulen, Unis und Betreuungssysteme zu investieren."
Der Schauspieler engagiert sich privat unter anderem für den Verein Dunkelziffer, der sich um Hilfe für sexuell missbrauchte Kinder kümmert.
Der eigene Kopf und die Bodenständigkeit charakterisieren auch die von ihm verkörperten Serienhelden wie den Winzerkönig Thomas Stickler in der ARD/ORF-Serie "Der Winzerkönig". Er meint: "Der Zuschauer soll ruhig mal denken: 'So'n Arsch!'" Gerne hätte er es noch krasser – als richtig fieser Bösewicht. "Schauspieler werden in der deutschen oder österreichischen Fernsehlandschaft immer auf das reduziert, was sie irgendwann mal gemacht haben", kritisierte er. (AP)
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