Aktuelle Nachrichten – Deutschland
12.05.2012
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dapd
Schönefeld/Berlin – Wenige Tage nach der Absage des Eröffnungstermins für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) werden immer mehr Details zum Ausmaß der technischen Mängel bekannt. Laut einem Bericht von Experten des Münchner Unternehmens ORAT, das für den Probebetrieb mit verantwortlich ist, sind wichtige Bereiche von Check-in über Boarding bis hin zu Bodenverkehr nur zu 52 Prozent betriebsbereit. Die Flughafengesellschaf hält aber an ihrer Darstellung fest, dass diese Schwierigkeiten einer termingemäßen Inbetriebnahme nicht im Wege gestanden hätten.
Die für 3. Juni geplante Eröffnung war am Dienstag überraschend verschoben worden. Als Grund wurden Brandschutzprobleme im Flughafen genannt. Über einen neuen Termin wird weiterhin nur spekuliert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Samstag bei einem Tag der offenen Tür auf der Flughafen-Baustelle in Schönefeld, er hoffe, dass nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ein "neuer, belastbarer Termin" bekanntgegeben werden könne. Wowereit ist zugleich Aufsichtsratschef der Flughafen-Gesellschaft. Ursprünglich war angekündigt worden, Anfang nächster Woche einen Termin zu nennen.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" zieht aus dem im April vorgelegten Bericht der ORAT-Experten den Schluss, dass der neue Airport auch mit funktionierender Brandschutzanlage am 3. Juni nicht startklar gewesen wäre. Dem widersprach ein Flughafensprecher am Samstag auf dapd-Anfrage. Nach seinen Angaben funktionieren 52 Prozent der Prozesse zu 100 Prozent. Der Rest sei "nicht immer zuverlässig", die Probleme hätte man aber durch andere Maßnahmen in den Griff bekommen und den Flughafen termingemäß eröffnen können.
Eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung konnte die "Focus"-Angaben nicht bestätigen, wonach der ORAT-Bericht ihrer Behörde vorliegt.
Für Flughafen-Chef Rainer Schwarz und seinen Chefplaner Manfred Körtgen hat die Verschiebung nach Angaben von "Focus" auch finanzielle Folgen. Laut einer "Zielvereinbarung" sähen beide Dienstverträge eine Prämie von je 50.000 Euro für das laufende Geschäftsjahr vor – allerdings nur, wenn der Flughafen tatsächlich zum 3. Juni eröffnet und anschließend eine erste Betriebszeit bis August ohne größere Probleme überstanden worden wäre. Da das nicht der Fall ist, erhielten sie das Geld nicht, schreibt das Magazin.
Dass Körtgen Medienberichten zufolge neben der Arbeit für den Flughafen an seiner Dissertation schrieb, sei bei dessen Einstellung bekanntgewesen, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), zugleich Aufsichtsratsmitglied der Flughafen-Gesellschaft, dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe), eine Sondergenehmigung sei dafür deshalb nicht notwendig gewesen.
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