San Francisco – Ein Haustier haben – gern! Aber was ist, wenn freie Zeit und Platz in der Wohnung für einen tierischen Mitbewohner auf Dauer nicht reichen? Ein Hunde-Mietservice in den USA will hier Abhilfe schaffen. Marlena Cervantes vermietet tageweise Vierbeiner und beglückt damit Tierfreunde zwischen fünf und 60 Jahren. Mit diesem Arrangement sei sowohl Menschen als auch den Hunden gedient, sagt die 32-Jährige. Sie will mit ihrer Geschäftsidee in den kommenden Monaten weiter expandieren.
Statt Mietservice verwendet Cervantes in ihrem Unternehmen FlexPetz lieber den Ausdruck „geteilter Haustier-Besitz“. Damit rücke weniger der finanzielle Aspekt, sondern die gemeinsame Zeit mit dem Tier in den Vordergrund, erklärt die ausgebildete Verhaltenstherapeutin. Mit FlexPetz will Cervantes außerdem sicherstellen, dass niemand erst begeistert einen Hund aus dem Tierheim holt und ihn später desillusioniert zurückbringt.
Der tierische Mietservice kann bislang in Los Angeles und San Diego genutzt werden. Im August will Cervantes eine weitere Niederlassung in San Francisco eröffnen, und bis zum Jahresende sind Filialen in New York sowie in London geplant. Für gemeinsame Zeit mit einem ihrer zehn Hunde – Afghanen, Labrador-Retriever und Boston-Terrier – fallen für die Kunden ein Jahresbeitrag in Höhe von 99,95 Dollar (73 Euro) und eine Monatsgebühr von 49,95 Dollar an. Vor einem Besuch werden außerdem 39,95 Dollar pro Tag fällig, Rabatt gibt es von Sonntag bis Donnerstag. In diesen Kosten sind die Ausbildung der Hunde, Lieferung nach Hause oder ins Büro, ein Ortungsgerät, Tierarztrechnungen und Beiträge für Versicherungen enthalten. Außerdem werden Leine, Futterschüssel und Fressen mitgeliefert.
Ihre Kunden hätten erkannt, dass eine dauerhafte Tierhaltung einfach nichts für sie sei und unfair gegenüber dem Hund wäre, erklärt Cervantes. Eine ihrer Kundinnen, die 22 Jahre alte Shari Gonzalez, konnte sich einen vierbeinigen Freund in ihrem Leben eigentlich immer gut vorstellen. Mit einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung und einem vollen Terminkalender standen die Voraussetzungen dafür allerdings nicht sehr gut.
Der Idee, einen Hund zu mieten, habe sie erst sehr skeptisch gegenüber gestanden, berichtet Gonzalez. Cervantes habe sie jedoch davon überzeugt, dass nur Tiere mit dem entsprechenden Temperament dafür ausgewählt würden. Im Idealfall kommen auf einen Hund außerdem nicht mehr als zwei oder drei „Teilzeit-Herrchen“.
Inzwischen verbringt Gonzalez im Schnitt einen Tag pro Wochenende mit „Jackpot“, einem schwarzen Labrador. „Jackpot“ schläft in ihrer Wohnung, und gemeinsam gehen er und sein „Miet-Frauchen“ an den Strand oder in Parks. An eine solche Möglichkeit habe sie zuvor nie gedacht, sagt Gonzalez begeistert: „Ich war der Meinung, entweder besitzt man einen Hund oder nicht.“ Das Geld für ihre Mitgliedschaft bei FlexPetz sei bestens investiert, ist sie überzeugt.
Vor einiger Zeit traf sie außerdem ein weiteres „Teilzeit-Frauchen“, die 33 Jahre alte Jenny Goddard. Ein oder zwei Wochenenden pro Monat mit einem Hund zu verbringen sei für ihre Familie perfekt, erklärt die Mutter eines sechsjährigen Sohnes. Dadurch würden alle viel mehr Zeit in der Natur verbringen. „Jackpot“ sei so freundlich und verspielt, „die Leute sind überrascht, dass er ein Miet-Hund ist“, sagt Goddard.
Ein ähnliches Programm wie FlexPetz verfolgt ein Tierheim in Colorado schon seit Jahren – allerdings kostenlos. Einwohner und auch Touristen können dort für einige Stunden einen Hund ausleihen und mit nach Hause nehmen. Das Projekt komme den heimatlosen Vierbeinern zu Gute, sagt Tierheim-Eigentümer Seth Sachson: Sie blieben in Gesellschaft und hätten ausreichend Bewegung, „und am Ende werden sie adoptiert“. Auch Urlauber hätten etwas von dem Angebot: „Wenn ein Tourist in der Stadt mit einem Hund umherläuft, fühlt er sich wie ein Einheimischer.“
Bedenken gegen die Vermietung von Vierbeinern hat dagegen die Tierärztin Melissa Bain: Unverantwortliche Kunden könnten in den Tieren lediglich ein schickes Accessoire sehen statt ein lebendiges Wesen, warnt sie. Weil man den Hund nach einer Weile einfach wieder abgebe, könnten Kinder außerdem den Eindruck bekommen, dass man mit den Tieren umgehen könne, wie man wolle. Ob der Miet-Service funktioniere, „hängt von den Leuten und dem Tier ab“, denn manche Hunde fühlten sich dabei wohl, andere litten darunter, dass sie von Wohnung zu Wohnung gebracht würden.
Dass ihre Kunden verantwortungsbewusst mit ihren Schützlingen umgehen, stellt Cervantes während einer verpflichtenden Kennenlern-Stunde vor dem ersten Besuch sicher. Als fähige „Teilzeit-Herrchen“ und „-Frauchen“ haben sich bei ihr schon alleinstehende Frauen erwiesen, die das Bedürfnis nach mehr Sicherheit hatten, des weiteren Senioren, in deren Wohnung keine Tiere erlaubt sind oder Leute, die mit Hilfe eines Hundes schneller mit anderen ins Gespräch kommen wollten.
„In der Regel werden unsere Hunde mit Aufmerksamkeit überschüttet“, sagt die Unternehmerin. Und manchmal führt ihr zeitlich begrenztes Angebot auch zu einer längeren Bindung: „Manche Leute nehmen einen Hund mit nach Hause und merken 'hey, ich kann einen Hund adoptieren'.“ (AP)
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