Aktuelle Nachrichten – Gesundheit
05.12.2011
Foto: Michael Gottschalk/dapd Photo
Berlin – Beruflich bedingte Erkrankungen der Haut kosten die Wirtschaft nach Angaben von Experten jährlich 1,5 Milliarden Euro. Besonders betroffene Branchen sind das Friseurhandwerk, die Bauindustrie oder Pflegeberufe, wie der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) am Montag in Berlin zu Beginn der Aktionswoche "Haut & Job" mitteilte. Dabei sei Prävention manchmal ganz einfach: Bei der Feuchtarbeit zum Beispiel könnten die Hände mit Handschuhen geschützt werden.
"Wasser ist nur was für Fische", sagte der Dermatologe Sven Malte John von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Hautausschläge an den Händen (Handekzeme) zählten zu den häufigsten berufsbedingten Erkrankungen in Deutschland. In manchen Branchen seien bis zu 20 Prozent der Beschäftigten und bis zu 70 Prozent der Berufsanfänger betroffen. Informationsmangel, was Reinigung der Hände und Hygiene angehe, sei eine der Ursachen des Problems. "Wenn Männer mit ihren Händen so umgehen würden wie mit ihren Autos, wären wir schon weiter", sagte er. Eine Hauterkrankung könne schon durch häufiges Waschen der Hände entstehen.
Gerade die Hände sind oft von einer Kontaktallergie betroffen. Werde das Allergen identifiziert, könne meist durch Austauschen des Arbeitsstoffes das Problem gelöst werden, erklärte die Dermatologin Vera Mahler. Wichtig seien eine frühzeitige Behandlung und vorbeugende Maßnahmen. "Ein Prozent der Körperoberfläche hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche", sagte sie im Hinblick auf die Folgen eines Handekzems auf die Lebensqualität der Betroffenen, die von sozialer Ausgrenzung bis zu sexuellen Störungen reichen könnten.
Hauterkrankungen nähmen unter den anerkannten Berufserkrankungen den Spitzenrang ein, hieß es. Im vergangenen Jahr seien der gesetzlichen Unfallversicherung knapp 24.000 Fälle gemeldet worden. Die Dunkelziffer werde auf bis zu 900.000 Fälle geschätzt.
BVDD-Präsident Michael Reusch verwies auf ein bisher in dem Zusammenhang wenig bekanntes Problem: Jährlich erkranken nach Schätzungen rund 5.000 Menschen an Hautkrebs, weil sie in ihrem Beruf starker Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind. Betroffen seien beispielsweise Landwirte, Bauarbeiter, Seeleute oder Winzer, sagte Reusch. Etwa 15 Prozent der Beschäftigten in Deutschland hielten sich ihres Berufes wegen regelmäßig in der Sonne auf.
Es gehe darum, die Betroffenen zu sensibilisieren, aber auch die behandelnden Hautärzte, betonte er. Spezielle UV-undurchlässige Kleidung, Hüte und der Gebrauch von Lichtschutzcreme könne das Hautkrebsrisiko verringern. Vom Bundesarbeitsministerium werde derzeit geprüft, unter welchen Voraussetzungen Hautkrebs als Folge von Lichteinwirkung als Berufskrankheit anerkannt werden könne.
(dapd)
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