Aktuelle Nachrichten Europa – Havel: Finanzkrise ist eine Warnung – DAPD
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Menschliche Werte nicht aufgeben Havel: Finanzkrise ist eine Warnung

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03.10.2008

(AP Photo/Petr David Josek)
(AP Photo/Petr David Josek)

Prag – Der frühere tschechische Staatspräsident Václav Havel sieht in der weltweiten Finanzkrise eine Mahnung, im Streben nach Wohlstand die fundamentalen menschlichen Werte nicht aufzugeben. Ungezügelter Materialismus sei nicht der Kern von Freiheit und Demokratie, sagte Havel am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP in Prag.

Die Gesellschaft müsse wieder zu grundlegenden Werten zurückkehren, forderte Havel. Die gegenwärtige Finanzkrise zeige, dass die Welt nicht ihr gesamtes Vertrauen „in den Stolz von Ökonomen“ legen dürfe, „die glauben, sie verstehen alles“.

Havel, der am Sonntag 72 Jahre alt wird, begann seine Karriere in den 60er Jahren als Schriftsteller. Während der kommunistischen Herrschaft war er einer der führenden Regimekritiker in der Tschechoslowakei. Von 1989 bis 1992 war er Präsident der damaligen Tschechoslowakei. Nach der Trennung von der Slowakei hatte er von 1993 bis 2003 das Amt des Präsidenten Tschechiens inne. Interviews gibt er nur selten.

Havel kritisierte Russland wegen der Invasion in Georgien und warnte die EU zugleich vor einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Moskau. „Wir sollten das nicht wissentlich ignorieren. Das ist ein großer Test für den Westen“, sagte er. Eine konkrete militärische Gefahr für sein Land durch Russland sieht er trotz der scharfen Kritik aus Moskau an der geplanten Aufstellung eines US-Raketenabwehrsystems in Tschechien und Polen nicht. Moskau „weiß, dass es neben Panzern noch andere Mittel gibt, um jemanden zu kontrollieren“.

„Wenn Russland wirklich wollte, könnte es den ganzen Planeten mit seinem Atomarsenal mehrfach in die Luft jagen“, fügte er hinzu. „Was auf dem Spiel steht, ist ein Prinzip: Wenn sie etwas nicht wollen, sollen wir es auch nicht wollen.“

Den Präsidentschaftswahlkampf in den USA verfolge er mit Interesse, sagte Havel weiter. „Ich will mich nicht einmischen. Ich könnte aber vielleicht sagen, dass ich den Demokraten näher stehe.“ (AP)

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