Kultur – Haydn: Die „Schöpfung“ in der Kölner Philharmonie – Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren
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Vom Chaos zum Gotteslob Haydn: Die „Schöpfung“ in der Kölner Philharmonie

Bernd und Cecilie Kregel / Gastautoren

18.02.2012

Stimmungsvoller Ausschnitt aus dem Veranstaltungsplakat der "Schöpfung" von Haydn, aufgeführt in der Kölner Philharmonie. Foto: aus Veranstaltungsplakat
Stimmungsvoller Ausschnitt aus dem Veranstaltungsplakat der "Schöpfung" von Haydn, aufgeführt in der Kölner Philharmonie.

Foto: aus Veranstaltungsplakat

„Und es ward Licht.“ Mit musikalischer Urgewalt bricht es herein und macht das chaotische Tohuwabohu sichtbar. Welche Lichtquelle jedoch hatte Joseph Haydn dabei vor Augen, wenn es die Sonne nicht sein konnte, die erst am dritten Schöpfungstage erschaffen wurde und dann auch nur verhalten ihre Bahn beschreibt? Und ebenso wenig eine Scheinwerfer-Flutlichtanlage, die auf Knopfdruck für Helligkeit sorgen könnte, da die Glühbirne erst mehrere Jahrzehnte nach der Wiener Uraufführung des Jahres 1798 erfunden wurde.

So gibt das Werk Rätsel auf. Sowohl der biblische Schöpfungsmythos der Genesis als auch die fromme Einfühlung von John Milton’s „Verlorenem Paradies“, dem sich besonders die in das Werk eingebetteten Arien verdanken. Und dennoch wird der aufklärerische Optimismus von Anfang bis Ende erkennbar, der die gesamte "Schöpfung" mit zielgerichteter Sinnhaftigkeit durchzieht.

Und der ruft wie zum Beweis für die Richtigkeit seiner Zuversicht die Natur in allen ihren Facetten zum Zeugen an. So die heftigen Stürme, die feurigen Blitze und rollenden Donner, die schließlich dem „allerquickenden Regen“ weichen. Erzengel Raphael, einfühlsam interpretiert von Florian Rosskopp, wendet seine ganze Vorstellungskraft auf, um sich die Überführung des Chaos in geordnete Bahnen glaubhaft auszumalen.

Angesichts dieses Wunderwerkes kann – wie Martina Schillings mit betörendem Sopran in ihrer Rolle als Erzengel Gabriel voller Überzeugung zu beschreiben weiß – „der Himmelsbürger frohe Schar“ nur das laute Lob des Schöpfers erschallen lassen. Hier ertönt erstmals auch der begeisterte Jubel des Chores, der sich gerade noch mit den in den Abgrund versinkenden Höllengeistern befasst hatte.

Spätestens hier wird erkennbar, zu welch wunderbarem Klangkörper sich der Konzertchor Köln entwickelt hat, der im „Netzwerk Kölner Chöre“ zu einem der bedeutendsten Chöre im Kölner Raum herangereift ist. Großartig auch das Neue Rheinische Kammerorchester Köln, das unter der zupackenden Leitung von Jonas Manuel Pinto die im Werk angelegten Lautmalereien sensibel umzusetzen weiß.

Dies gelingt auch dem dritten Solisten Bernhard Schneider, der in seiner Rolle als Uriel im Mittelteil des Werkes den Menschen ausdrucksstark als Ebenbild Gottes darstellt. Als Mann und Frau, die sich in Liebe, Glück und Wonne einander zuwenden und somit als Vollendung des großen Schöpfungswerkes fungieren, wie auch der Chor durchsichtig und doch in wunderbarer klanglicher Fülle beipflichtet.

Und dann der plötzliche Szenenwechsel im abschließenden dritten Teil: Aus Raphael und Gabriel werden Adam und Eva, die sich in gegenseitiger Zuneigung an ihre Rollen als Ehemann und Ehefrau herantasten. „Dein Will’ ist mir Gesetz“, antwortet sie dem, der ihr Schild sein und sie leiten will. Verschmitztes Lächeln im Publikum und harte Akkorde der Cembalistin, die auch als moderner Widerspruch gedeutet werden können.

Doch trotz aller Auf- und Abgeklärtheit - soviel wird an einem Abend wie diesem deutlich - bleibt der biblische Schöpfungsmythos aktuell. Denn auch neuzeitliches Wissen wirft immer neue Fragen auf, sodass das gemeinsame Staunen über die Weltentstehung als anthropologische Grundkonstante alle Generationen miteinander verbindet. Und dem Konzertchor Köln ist es auf virtuose Weise gelungen, das durchweg begeisterte Publikum an diesem Staunen vor der Schöpfung an diesem Abend in der Kölner Philharmonie teilhaben zu lassen.

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