Energie – Heizen mit der eigenen Körperwärme – Mirjam Mohr
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Energie

Heizen mit der eigenen Körperwärme

Mirjam Mohr

13.01.2007

Frankfurt/Main – Der extrem warme Winter sorgt einerseits für Verwirrung bei Mensch, Tier und Pflanzen – andererseits wegen niedriger Heizkosten aber auch für Entspannung bei den Verbrauchern. Angesichts stetig steigender Energiekosten und Unzuverlässigkeiten ausländischer Lieferanten fragen sich allerdings viele, wie sicher und bezahlbar künftig die Energieversorgung sein wird. Entspannt zurücklehnen können sich Bewohner so genannter Passivhäuser: Denn sie wohnen in Häusern mit extrem niedrigem Energieverbrauch, so dass Heizkosten kein Thema sind.

Behagliche Wärme ohne klimaschädliche Verbrennung von teurem und zur Neige gehendem Öl oder Gas – diesem Prinzip folgen Passivhäuser, die es in Deutschland seit knapp 16 Jahren gibt. Der Begriff Passivhaus meint, dass sich ein Haus unter passiver Nutzung von Energie heizt und kühlt. Das heißt, dass ohne den Einsatz einer konventionellen Heizung ganzjährig eine angenehme Raumtemperatur erzeugt wird. Erreicht wird dies nicht nur über eine sehr gute Gebäudedämmung und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung – sondern die Bewohner heizen ihr Haus auch mit ihrer eigenen Körperwärme.

Denn die Wärme im Passivhaus stammt von eingestrahlter Sonnenenergie, der Eigenwärme der Personen und der Wärmeabgabe von Haushaltsgeräten. Eine sehr gut gedämmte Gebäudehülle mit Dämmstärken zwischen 25 und 40 Zentimetern und Fenster mit Dreifach-Wärmeschutzverglasung sorgen dafür, dass die Wärme im Haus bleibt. Frischluft gibt es über eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung, wobei die Abluft mehr als 80 Prozent ihrer fühlbaren Wärme an die Zuluft abgibt, weswegen kein separates Heizsystem nötig ist. Im Sommer sorgt eine „Verschattung“ etwa mit Jalousien oder Balkons dafür, dass sich die Räume nicht überhitzen.

Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses, der mit der Erwärmung der Frischluft gedeckt wird, liegt bei weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr, was etwa 1,5 Liter Öl oder 1,5 Kubikmeter Erdgas entspricht. Im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude benötigt ein Passivhaus damit 90 Prozent weniger Heizenergie. „Diese sensationelle Einsparung erreicht das Passivhaus allein durch seine beiden Grundprinzipien: Wärmeverluste vermeiden und freie Wärmegewinne optimieren“, heißt es auf der Internetseite des Passivhausinstituts in Darmstadt.

Heizen mit zwei 75-Watt-Glühbirnen

Nach Angaben des Instituts werden inzwischen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 3.000 Passivhäuser bewohnt. Im ersten Passivhaus Deutschlands, das 1991 in Darmstadt-Kranichstein fertig gestellt wurde, sei selbst im Jahrhundertwinter 1996/97 mit Durchschnittstemperaturen von -14 Grad die benötigte Heizleistung so gering gewesen, dass man einen Raum mit 20 Quadratmeter Wohnfläche mit zwei Standard-Glühbirnen von 75 Watt hätte heizen können. Dennoch habe die Raumlufttemperatur in dem Vierfamilienhaus tagsüber ständig mehr als 20 Grad betragen.

Häuslebauer, die ein Passivhaus bauen wollen, werden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit bis zu 50.000 Euro gefördert. Bei Mehrkosten für den Bau eines Passivhauses muss miteinbezogen werden, dass später dafür schließlich so gut wie keine Heizkosten anfallen. Auch bei der Altbausanierung können Passivhaus-Prinzipien angewandt werden. Rein äußerlich unterscheiden sich Passivhäuser nicht von anderen Häusern – es gibt sie in Massiv-, Holz- oder Mischbauweise, und auch Hersteller von Fertighäusern bieten sie bereits an. Laut Passivhausinstitut gibt es inzwischen neben Wohnhäusern auch Schulen, Kindergärten, Verwaltungsgebäude, Produktionsstätten und ein Hotel im Passivhaus-Standard.

http://www.passiv.de

http://kfw-foerderbank.de

(AP)

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