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05.08.2012
Foto: Dieter Schütz/Pixelio
Hersbruck - Cäsar weiß, wie er die Konkurrenz einschüchtern muss. In voller Größe baut er sich auf, schreit ein unüberhörbares "IA" in die Menge, um dann genüsslich ein Häufchen in die Wiese zu setzen. An dieser Duftmarke haben die Mitbewerber erst einmal zu knabbern. Cäsar ist ein stattlicher grauer Esel und der absolute Favorit beim Hersbrucker Eselrennen. Rund 4000 Besucher sind am Sonntag nach Mittelfranken gekommen, um die 32. Auflage dieses tierischen Spektakels mitzuerleben.
In Cäsars Adern fließt mazedonisches Blut. Zur Freude seiner Besitzer hat das 18 Jahre alte Tier im vergangenen Jahr den Sieg bei der bayernweit einmaligen Veranstaltung geholt. "Das wollen wir heute wieder schaffen", sagt Cäsar-Betreuerin Natalie Schuster vor dem Startschuss. 16 andere Eselgestüte wollen ihr den Titel allerdings streitig machen.
Jeder Esel muss vier Mal so schnell wie möglich um den Fußballplatz des gastgebenden 1. FC Hersbruck an einem Seil herumgeführt werden. Nur wenn Esel und Mensch gleichzeitig ins Ziel kommen, wird die Zeit gewertet. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die sprichwörtliche Sturheit eines Esels kann jedem Team den Sieg kosten. Die drei Jahre alte Eselin Franzi hat heute zum Beispiel überhaupt keine Lust auf sportliche Betätigung. In einer der Vorrunden bleibt sie nach ein paar Metern abrupt stehen. Da hilft auch kein Schieben und Ziehen der Antreiber. Das Team aus Kotzheim muss aufgeben.
Die Idee für das Eselrennen ist 1981 an einem Hersbrucker Stammtisch aus einer Bierlaune heraus entstanden. Das Konzept wurde seinerzeit mangels Papier auf der Rückseite einer Speisekarte niedergeschrieben. Schon bei der Premiere vor 32 Jahren kamen mehr als 3000 Besucher.
Natalie Schuster macht sich indes Sorgen. Denn der Champion hat eine Macke. "Cäsar verliebt sich leider viel zu schnell und hat dann keine Lust mehr, seine Herzensdame zu überholen", erklärt Schuster das Dilemma. Die Läufer, die Cäsar ziehen, lassen sich dagegen von nichts ablenken. Es sind Profi-Athleten - darunter Steffen Dietz, bayerischer Meister in der Disziplin 100 Meter Sprint. Und dann gibt es noch eine Geheimwaffe, legales Doping sozusagen: "Vor dem Start bekommt Cäsar ein Kraftfutter mit viel Haferflocken", verrät Familie Schuster. Danach sei der Esel kaum mehr zu bremsen.
Tatsächlich schafft es Cäsar erneut ins Finale. Doch da laufen ausgerechnet zwei Eselinnen vor ihm. Vergessen sind die Muskelspiele vor dem Start. Cäsar hat jetzt nur noch Augen für Molli aus Weiden, die am Ende das Turnier gewinnt. Der verliebte Cäsar muss sich mit Platz drei begnügen. Glück in der Liebe, Pech im Spiel. dapd
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