Pflege – Hochbetrieb in der Notübernachtung – Stefan Lange
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Zufluchtsort bei extremer Kälte Hochbetrieb in der Notübernachtung

Stefan Lange

15.01.2009

Obdachlose warten am Dienstag Abend, 6. Januar 2009; vor der Kaeltenotschlafstelle der Evangelischen Stadtmission Berlin auf Einlass. Rund 100 Personen suchten bei der Stadtmission in der naehe des Hauptbahnhofes Schutz vor der Kaelte von minus 18 bis 22 Grad Celsius. (AP Photo/Markus Schreiber)
Obdachlose warten am Dienstag Abend, 6. Januar 2009; vor der Kaeltenotschlafstelle der Evangelischen Stadtmission Berlin auf Einlass. Rund 100 Personen suchten bei der Stadtmission in der naehe des Hauptbahnhofes Schutz vor der Kaelte von minus 18 bis 22 Grad Celsius. (AP Photo/Markus Schreiber)

Berlin – 20 Grad minus und mehr, dazu ein beißender Wind – die Nacht zum Mittwoch war in Berlin die bislang kälteste dieses Winters. Das bedeutet Hochkonjunktur für die Kälte-Notübernachtung der Berliner Stadtmission. „Wir machen den Menschen ein Angebot“, sagt der zuständige Bereichsleiter beim Bezirk Mitte, Thomas Winistädt. „Zwingen können wir sie nicht. Es gibt eine ganze Menge Fälle von Menschen, die versuchen, draußen zu übernachten.“

Für den, der einen warmen Platz sucht, öffnet gegen 21 Uhr die Notübernachtung unweit des Hauptbahnhofes Berlin ihre Pforten. Schon vorher stehen frierende Menschen vor der Tür, Obdachlose, die auf so selbstverständliche Dinge wie eine funktionierende Heizung, ein Bett und warmes Essen verzichten müssen. Rund 4.000 Menschen leben nach Schätzung der Stadtmission in Berlin auf der Straße, mehr als 100 begehren regelmäßig Einlass in der Notübernachtung. Tendenz steigend.

„Wir liegen aktuell schon weit über dem Schnitt“, erklärt Winistädt. Der Zustrom an Obdachlosen sei etwa um ein Fünftel gestiegen. Im letzten Winter kamen im Durchschnitt 110 wohnungslose Menschen.

„Wir nehmen jeden auf“

Die Kälte-Notübernachtung der Berliner Stadtmission ist eine von mehreren Anlaufstellen dieser Art in der Hauptstadt, sie weist jedoch eine Besonderheit auf. „Wir nehmen jeden auf, zu jeder Zeit“, sagt Winistädt. Auch wer komplett unter Drogen oder Alkohol steht, darf rein. Hunde, oft treue Begleiter der Obdachlosen, sind erlaubt.

Rauschmittel müssen allerdings vorher abgegeben werden, Schutzsuchende werden außerdem auf Waffen abgetastet. Wertgegenstände sind ebenfalls abzuliefern, damit sie nicht gestohlen werden. Am anderen Morgen wird alles wieder ausgehändigt.

In der Notübernachtung, die nur über die kalten Tage geöffnet ist, stehen 60 Schlafplätze und ein Nachtcafé zur Verfügung. In dieser Nacht gibt es eine warme Suppe, Tee ist kostenfrei, Kaffee kostet 50 Cent. Viele der Obdachlosen übernachten im Café, liegen dort auf dem Fußboden und schlafen.

Wer in einen der Schlafsäle will, muss sich grundsätzlich vorher untersuchen lassen, eine Prozedur, die sich viele lieber ersparen. Eine zweite feste Regel für den Schlafsaal gibt es: „Eine Decke pro Person. Sonst Hausarrest“, warnt ein Pappschild an der Wand. Niemand soll auf die Idee kommen, seinem Nachbarn während des Schlafes die Decke zu mopsen.

Kältebus kommt

Um die Gesundheit der Besucher kümmert sich wechselweise ein Team von fünf Ärzten, die von einer Krankenschwester unterstützt werden. Behandelt werden Erkältungskrankheiten bis hin zu Lungenentzündungen, auch offene, schlecht heilende Wunden sind ein klassisches Problem der Wohnungslosen.

Viele der Mitarbeiter beherrschen neben Deutsch noch mindestens eine Fremdsprache. Unter den Schutzsuchenden sind viele Russen, Polen, auch Bulgaren. Wenn dann noch Alkohol das Gehirn vernebelt, kann die Verständigung zum Problem werden.

Wer nicht mehr auf eigenen Füßen zur Notunterkunft kommen kann, darf sich des Kältebusses bedienen. Er fährt von November bis März und kann gezielt über Handy geordert werden. Besorgte Bürger rufen bei der Stadtmission an und weisen auf bedürftige Obdachlose hin, auch Krankenhäuser wählen die Nummer.

Da die Kältehilfe der Berliner Stadtmission nur zu einem Teil von öffentlichen Mitteln getragen wird, sind Spenden für die Arbeit von größter Bedeutung, erklärt Winistädt. Das kann Bargeld sein, aber auch Sachspenden sind willkommen.

Ein Berliner Unternehmen spendete beispielsweise 25 Schlafsäcke. Die Überlebenschancen einiger Obdachloser in der Eiseskälte der Hauptstadt sind ein Stück weit gestiegen.

http://www.berliner-stadtmission.de/ (AP)

 

 

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